Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

ß. Referate. Ethnologie. 
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und Männerbünde“ geltend gemacht; sie geht vor allem aus von dem Gegen 
satz zwischen sexueller Reinheit in der Ehe und sexueller Lockerheit vor ihr. 
Das vorliegende Buch steht auf dem Standpunkt der erstgenannten, 
heute bekanntlich stark erschütterten Anschauung. Neue Beweismittel bringt 
es nicht vor und mit den entgegengesetzten Theorien setzt es sich über 
haupt nicht auseinander, sondern lässt sie stillschweigend auf sich beruhen. 
Schon ein Blick auf die beigegebene Liste der benutzten Quellen, die im 
ganzen 25 Bücher und Zeitschriften aufzählt, zeigt, dass man an das Buch 
nicht mit den Erwartungen des modernen Ethnologen herantreten darf. Ein 
Mann der juristischen Praxis hat sich in ihm mit der Frage nach der Ent 
stehung des Rechtes in einer Weise auseinandergesetzt, die in Form und 
Inhalt an eine ältere, mehr konstruktive und mehr ethisierende Art, diese 
Dinge zu behandeln, gemahnt, die aber jedenfalls ein erfreuliches Zeichen 
dafür ist, dass auch die Juristen diesen Fragen immer mehr Interesse ent 
gegenbringen. Möchte das Buch namentlich im Kreise der Fachgenossen 
des Verfassers in diesem Sinne anregend und vorbildlich wirken! 
A. Vierkanclt-Berlin. 
174. A. Vierkandt: Die Selbsterhaltung der religiösen Systeme. 
Vierteljahressclirift für wissenschaftliche Philosophie und 
Sociologie. 1902. Bd. XXVI, S. 205—220. 
Die Zähigkeit, mit der sich die religiösen Systeme ungeachtet aller 
etwaigen Absurdität behaupten, führt Verf., von ihrem etwaigen innern 
Mert und moralischen Gehalt absehend, vorzüglich auf die folgenden Um 
stände zurück: 1. Der Betrug spielt zwar nicht in dem ansschliessenden 
‘binne des älteren Rationalismus, wohl aber in inniger Verschlingung mit 
der Gläubigkeit eine grosse Rolle. 2. Falsche Statistik. Erfüllte Weis- 
> agi mgen. gelungene Wunderkuren, erhörte Gebete u. s. w. werden viel treuer 
ioin Gedächtnis aufbewahrt als Fälle entgegengesetzter Art. 3. Das Urteil 
^ 1 r d dem Erfolge an gepasst, indem als höhere Gottheiten nur solche, 
die Proben ihrer Macht bestanden haben, anerkannt werden. 4. Unkon- 
D’olierbare Behauptungen und unerfüllbare Forderungen werden aufge- 
s tellt. An Ausreden beim Misslingen fehlt es dem Priester nie, ebenso 
'"’enig an immer neuen, schwer oder gar nicht zu erfüllenden Forderungen 
f) eim Versagen z. B. des Regenzaubers. 5. Die suggestiven Wirkungen 
Wm Verzaubern und Krankenheilen, beim Voraussagen künftiger Ereignisse 
(Eriolg oder Misserfolg) und beim Verheissen des inneren Friedens liegen auf 
d ( n Hand. 6. Wirkungen der Furcht. Die Furcht vor der Allwissen- 
leit der Götter und vor ihrer Strafe führt oft zum Geständnis. 7. Folter 
UQ d Gottesurteile. Beide erbringen anscheinende Wahrheitsbeweise, wenn 
dD Folter zum Geständnis, das Gottesurteil aber zur Bestrafung führt, die 
Nachträglich als Beweis der Schuld erscheint. 8. Ekstasen und Visionen
        

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