Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Anthropologie. 
164. L. Manouvrier: Considérations sur l’hypermégalie cérébrale 
et description d’un encéphale de 1935 grs. Revue de l’École 
d’Anthropol. de Paris, 1902. Aimée XII, S. 391—444. 
Verf. behandelt das Gehirn des Notars Bouny, den Broca wegen 
dessen ausserordentlich voluminösen Schädels bestimmt hatte, sein Gehirn 
dem anthropologischen Laboratorium zu vermachen. Yerf. zeigt zuerst, dass 
Mangel an Berühmtheit hohe Intelligenz nicht ausschliesst, sondern dass 
Berühmtheit von zahlreichen äusseren Umständen abhängt. Bouny galt in 
Verwandten- und Freundeskreisen als ausserordentlich intelligent; besonders 
war sein Gedächtnis geradezu erstaunlich. Pathologischer Riesenwuchs und 
Degeneration des Gehirns werden für den vorliegenden Fall zurückgewiesen. 
B. war von kräftigem Körperbau und hatte eine Körperlänge von 175 cm. 
Das Gehirn hatte neben dem stattlichen Gewicht von 1935 g eine reiche 
Gliederung, besonders tiefe Furchen. Die sich anschliessenden sehr geist 
reichen Ausführungen des Yerf., die schliesslich in dem alten Satz gipfeln, 
dass von 2 gleichgrossen Individuen derselben Rasse derjenige mit grösserem 
Hirngewicht auch die grössere Intelligenz hat, werden so lange hypothetisch 
bleiben müssen, bis man erstens durch Flächen- und Volumenmessung der 
einzelnen Hirnteile die relative Zunahme der beiden Substanzen und be 
stimmter Provinzen, zweitens mikroskopisch die Zunahme bestimmter Ele 
mente (Zellen, Fasern, Stützsubstanz) festsetzen kann, und drittens bei Leb 
zeiten exakte psychologische Analyse des Individuums gemacht hat, um die 
Übereinstimmung psychologischer und anatomischer Befunde wirklich kon 
statieren zu können. Wie schwer oder schier unmöglich diese Bedingungen 
heute mit den Hülfsmitteln, welche die Gehirnphysiologie und die Psycho 
logie an der Hand geben, zu erfüllen sind, ist sich Ref. wohl bewusst, da 
er selbst bei einigen diesbezüglichen Versuchen zu keinem Resultat zu 
kommen vermochte. Dr. H. Laufer-Giessen. 
165. E. A. Spitzka: Is the central fissure duplicated in the brain 
of Carlo Giacomini, anatomist? A note on a fissurai ano- 
maly. The Philadelphia Medical Journal, 1901, Aug. 24. 
Entgegen den Ausführungen Sperinos (Giorn. délia R. Accad. di 
Torino, 1900, p. 737—808), der an der rechten Hirnhälfte des Anatomen 
Giacomini eine doppelte Centralfurche und zwischen den beiden Central 
furchen einen überzähligen Gyrus Kolandicus konstatierte, — eine Erscheinung, 
die um so bemerkenswerter wäre, als G. zuerst eine derartige Gehirnano 
malie bei einem Imbecilen beschrieben hat —, zeigt Verf. klar und deutlich, 
dass Sperinos zweite Centralfurche nichts anderes ist, als ein ungewöhnlich 
langer Sulcus postcentralis (superior), der sich mit dem Sulcus subcentralis 
(postcentr. inf.) verbunden hat. Der Gyrus Rolandicus stellt deshalb nach
        

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