Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Anthropologie. 
Bewusstsein verbunden sind, als eine Vorstufe der menschlichen Medizin 
aufgefasst werden, wie z. B. die Hygiene der Defäkation bei der Katze, 
obwohl es sich vielleicht hier, wie bei den anderen Fleischfressern, eher 
darum handelt, ihre Spur den Feinden oder Beutetieren zu verheimlichen. 
Ein viel treffenderes Beispiel wäre das der Bienen gewesen, die es auch 
im Winter vermeiden, in der Bienenbehausung deu Kot abzulegen; wenn 
sie nicht anders können, so thun sie dieses doch immer an einem bestimmten 
Platz, der als Abort fungiert. Hie Bienen und die Ameisen haben übrigens 
eine sehr entwickelte Hygiene betreffs der Leichen ihrer Stammesgenossen 
oder fremder Tiere, die zufällig in ihrer Wohnung verendet sind. 
Verf. studiert vornehmlich die Abwehr der Parasiten bei den uns 
näherstehenden Vertebraten. Bei den Vögeln, Affen und Haustieren sind 
sie wohlbekannt. Es ist interessant zu erfahren, woher das Schwänzeln 
der Katze (wohl auch des Hundes) behufs Abwehr gegen die Mücken 
stammt. Es bedeutet nämlich, das Tier habe gar keine Sorgen, und beuge 
nur der Möglichkeit kleiner Störungen von Seite der Parasiten automatisch 
vor. Dagegen wird bei den Fehden das Unlustgefühl durch peitschende 
Bewegung des Schwanzes ausgedrückt, als ob ein hartnäckiger Parasit nicht 
weichen wolle. So haben wir es also mit einer ursprünglichen Abwehrbe 
wegung zu thun, welche zur Pantomime geworden ist. 
Die gegenseitige antiparasitische Hülfe geschieht zwischen Tieren der 
selben Art (Affen, Papageien) oder aus ganz entferntstehenden Gruppen: 
Bachstelzen oder Krähen fliegen auf den Rücken der Kühe und Schafe und 
bohren die Fliegenmaden aus ihrer Haut. Aber die ärztliche Hülfe ist 
noch viel zielbewusster, wenn es sich um das Verhältnis der Eltern und 
ihrer hülflosen Jungen handelt. Dasselbe ist bei den Vögeln leicht zu beob 
achten. Es ist auch bemerkenswert, dass das junge Tier sozusagen eine 
medizinische Lehrzeit durchmacht, sodass es nach und nach sich von seinen 
Schmarotzern befreien lernt. Das Gleiche kann man beim Menschengeschlecht 
beobachten, wo die Kinder manchmal wahre Invasionen von Läusen und 
Flöhen dulden. Es ist einleuchtend, dass bei manchen heutigen Natur 
völkern, und natürlich auch beim Urmenschen die Antiparasitologie weit 
hinter der vieler Tiere, und namentlich der Vögel zurücksteht, sodass auch 
in dieser Hinsicht keine Scheidewand an der Grenze von Tier und Mensch 
errichtet werden kann. In dieser, wie in jeder anderen Beziehung hat das 
menschliche Treiben und Denken seine tiefsten Wurzeln im Tierreich. 
Dr. L. Laloy-Bordecmx. 
162. Neumann: Über die Häufigkeit des Stillens. Dtsche. medizin. 
Wochenschrift 1902, Nr. 44. 
N. weist gegenüber französischen Beobachtungen, nach denen der Rück 
gang der natürlichen Säuglingsernährung höchstens in 1 / / 10 der Fälle in der
        

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