Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

B. Referate. Anthropologie. 
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anlagung(?) vorwiegend in Situationsbildern, wobei hauptsächlich gesehene, 
erlebte Vorgänge reproduziert werden. Der muskulöser angelegte Mann 
denkt zwar auch in Situationsbildern, doch ist sein Muskelsinn schon in 
der Anlage für das Vorstellungsleben mehr geneigt als der des Weibes; er 
neigt zum Schaffen, zum Produzieren. Die intensivere Betonung des Muskel 
sinns schafft nachhaltige, geistige Vorgänge und erschwert den schnellen 
Wechsel der Situationsvorstellungen. In der Schulzeit zeigt sich diese 
Neigung in Situationsbildern zu denken beim Weibe in der Veranlagung 
ihr Geschichte, Religion, Litteraturgeschichte, beim Knaben dagegen für 
Mathematik (?). Dort sind die parallellaufenden Spraclibilder betont, hier 
nicht in gleichem Maasse. Die kulturellen Erfolge der Mathematik (im 
weiteren Sinne) werden vom Verf. gegenüber der geringeren kulturellen 
Wichtigkeit der Sprache (?) hervorgehoben. Bei der grösseren Bedeutung, 
Welche Situationsbilder für das weibliche Denken besitzen, ist es diesen 
a uck leichter, sich in Situationen hineinzufinden. Dadurch wird Teilnahme, 
Mitgefühl geweckt, aber auch ein erleichterter Wechsel der Empfindungs- 
Dualitäten erzeugt: das Weib wird gemütvoll aber nicht gemütstief. Anderer 
seits (?) entsteht auch das Verlangen nach Teilnahme und Interesse Anderer, 
der Wunsch diese zu wecken und als deren Folge die Sucht, aufzufallen. 
Aus dem stärker ausgebildeten Muskelsinn des Mannes leitet Verf. dessen 
billigeres, beständigeres und objektives Denken gegenüber dem schneller 
Wechselnden, oberflächlicheren Vorstellen des Weibes ab, ebenso die ßedacht- 
Sa mkeit, den Ernst, den stärkeren Willen auf der einen, den Frohsinn auf 
anderen Seite. 
Der Gedankengang des Verf. ist nicht ohne Interesse, insofern er die 
Erklärung geistiger Unterschiede in physiologischen Verhältnissen sucht. 
Zweifellos einseitig aber ist es, den Generationszweck, dem das Weib dient 
Wut seinen mächtigen Reflexwirkungen, ebenso die Erziehungsresultate in 
1 ^ rer geschichtlichen Entwickelung gänzlich ausser Acht zu lassen. Unglück 
licher als Möbius’ Ausdruck „physiologischer Schwachsinn“ ist die Bezeichnung 
des weiblichen Denkens als „minderwertig“ mit dessen degenerative!! Bei 
geschmack. Auf die Geistesströmungen im Verfall begriffener Völker den 
Ausdruck „weibliches Denken“ anzuwenden, ist falsch, weil es sich bei 
Jenen um etwas Pathologisches, um Degeneration handelt, auch weil diesen 
Oj „ t 
tr °uiungen die Lichtseiten des weiblichen Denkens fehlen. — Die Stellung 
^es Verf. gegenüber der Frauenfrage ergiebt sich aus dem Referierten. 
Kellner- Untergöltzscli. 
161- F. von Oefele: Prähistorische Parasitologie nach Tierbeob 
achtungen. Archives de Parasitologie, 1902. Bd. V, S. 117. 
Antiparasitäre Einrichtungen existieren nicht bloss im ganzen Tier-, 
ändern auch im Pflanzenreiche; indessen dürfen nur diejenigen, welche mit
        

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