Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Urgeschichte. 
zu deren richtiger Anwendung eine räumlich möglichst umfassende Kenntnis 
der vorgeschichtlichen Kulturen und namentlich die denkbar strengste chrono 
logische Sichtung des Stoffes. Indem K. diese Forderung zunächst für Nord- 
und Mitteldeutschland in peinlich genauer Weise erfüllt, gewinnt er für seine 
Untersuchung eine feste Grundlage, wie sie allen seinen Vorgängern und 
nicht zum wenigsten dem jüngst erschienenen Werke von M. Much über 
die Heimat der Indogermanen fehlt. 
K. geht von einer Reihe von Voraussetzungen aus, deren Rechtfertigung 
sich teils aus früheren Schriften des Verfassers, teils aus der Arbeit selbst 
ergiebt. Dazu gehört die Annahme der Urheimat der Germanen, als welche 
ihm die westlichen Küstenländer der Ostsee, sowie die angrenzenden Gebiete 
der Nordsee, also Südskandinavien, Dänemark und Nord Westdeutschland 
gelten, letzteres, soweit es megalithische Grabbauten oder eine diesen zu 
kommende Keramik aufweist, d. h. östlich bis an die Odermündung, südlich 
bis zur Aller und der Magdeburger Gegend. Die Germanen sind gleichbe 
deutend mit dem Stammvolk der Indogermanen, deren Ursitze also mit denen 
der Germanen zusammenfallen. Ein methodischer Leitsatz ist es ferner für 
ihn, dass die von Süden nach Norden eilenden Ausbreitungswellen einer 
Kultur im allgemeinen nur als Kulturmitteilungen, dagegen die umgekehrt 
von Norden nach Süden gerichteten Verpflanzungen zusammenhängender 
Kulturen für Ergebnisse von Völkerbewegungen zu halten sind. Vor allem 
betont er, dass nicht die einzelne Thatsache, sondern nur die Verbindung 
einer Reihe von Thatsachen, die anderwärts entweder so nicht wieder oder 
gerade genau so wiederkehrt, das entscheidende Moment der ethnologischen 
Sonderung oder Verbindung bildet. 
In den ersten Perioden der jüngeren Steinzeit weisen Nord- und Mittel 
deutschland die grellsten Gegensätze auf: dort Megalithgräber und Tief- 
Ornamentik der Thongefässe; hier vorzugsweise Kistengräber in Hügeln 
nebst der Gruppe der Schnurkeramik, später Flachgräber und die ebenso 
reiche Gruppe der Bandkeramik. Hinsichtlich des chronologischen Ver 
hältnisses dieser beiden keramischen Gruppen schliesst sich K. den An 
schauungen Götzes an, obwohl er sie selbst ausserordentlich schwach be 
gründet findet. In einem Nachtrage ist er denn auch genötigt, zu erklären, 
dass durch die inzwischen erfolgte Veröffentlichung Höfers über das Spitze 
Hoch beiLatdorf (Jahresschrift für die Vorgeschichte der sächsisch-thüringischen 
Länder, Bd. I, 39 ff., Halle 1902) die Priorität der Schnurkeramik end- 
giltig widerlegt sei. Es ist nicht zu leugnen, dass durch diesen Wechsel 
der Anschauung der die jüngere Steinzeit behandelnde Abschnitt in eine 
gewisse Verwirrung gerät, wenn auch der Kern seiner Ausführungen dadurch 
nicht berührt wird. Im Gegensatz zu Much tritt er mit Entschiedenheit 
für den südosteuropäischen Ursprung der Bandkeramik und demgemäss für 
den nicht-indogermanischen Charakter der durch sie repräsentierten Völker
        

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