Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

ß. Referate. Ethnologie. 
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schwarzen Bevölkerung. In 40 Jahren hat sich also die Negerbevölkerung 
etwas mehr als verdoppelt, die Zahl ihrer Geisteskranken aber vervierzigfacht. 
Bemerkenswert sind ferner die Durchschnittswerte der Gehirngewichte, die 
Yerf. in seiner Eigenschaft als pathologischer Anatom des State Sanatorium 
von Georgia feststellen konnte. Das mittlere Hirngewicht des normalen 
Menschen veranschlagt er für den Mann auf 1403, für die Frau auf 1247 gr. 
Für das Gehirn weisser Geisteskranker fand er einen Durchschnittswert von 
1353 bezw. 1197 gr, für das farbiger Geisteskranker einen solchen von 
1229 bezw. 1092 gr. Dr. Buschan-Stettin. 
134. L. Brieger: Über Pfeilgifte aus Deutsch-Ost-Afrika. Berlin. 
kliu. Wochenschrift 1902, Bd. XXXIX, 13. 
Aus den Belegmassen vergifteter Pfeile der Wakamba gelang es Aerf. 
zwei schnellwirkende Gifte, beides Herzgifte, und ein mehr langsam wirkendes 
Gift zu isolieren. Das eine der beiden ersten ist ein chemisch genauer zu 
bestimmendes (Formel C 29 H 4G O s ), schneeweisses, krystallinisch.es Glycosid, 
das bei Warmblütern bereits nach 10—15 Minuten fibrilläre Muskelzuckungen, 
Dyspnoe, Aufschreien, Erbrechen, Krämpfe und Tod, bei Einträufelung in 
den Bindehautsack mehrere Stunden lang anhaltende Unempfindlichkeit der 
Hornhaut und Erweiterung, sodann für mehrere Stunden Yerengerung der 
Pupille hervorruft und mit dem giftigen Agens der Pfeile der Wagogo und 
des Somalistammes Capo Shakal identisch zu sein scheint, das andere ein 
amorphes, an der Luft leicht zerfliessliches Glycosid, das bei Einträufelung 
ebenfalls stundenlange Yerengerung der Pupille, indessen keine Unempfind 
lichkeit der Hornhaut herbeiführt. Als Ursprungsstätte dieser beiden Herz 
gifte ermittelte Yerf. die Acoconthera abessynica, deren Zweige, Blätter und 
Fruchtkerne (jedoch nicht das Fruchtfleisch) sehr giftig sind. —Das chronisch 
wirkende Gift erzeugt Infiltratiou, lokale Eiterung und Nekrose und stammt 
von der Kandelaber-Euphorbie her. Dr. Buschan-Stettin. 
III. Urgeschichte. 
A. Allgemeies. 
135. G. Kossinna: Die indogermanische Frage archäologisch beant 
wortet. Zeitschrift für Ethnologie 1902. Bd. XXXIY, 
Heft 5, S. 161—222. 
Das vielumstrittene Problem der indogermanischen Wanderungen erfährt 
in dieser Schrift eine neue Beleuchtung. Gustaf Kossinna, von Hause aus 
selbst Sprach- und Geschichtsforscher, bestreitet diesen Wissenschaften das 
Hecht, in den Fragen der vorgeschichtlichen Ethnologie eine führende Rolle 
zu übernehmen. Nur die Archäologie sei dazu berufen, weil sie allein über 
eine Fülle unverfälschter Zeugnisse aus der Urzeit verfüge. Freilich gehöre
        

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