Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

110 
B. Referate. Ethnologie. 
126. Otto Stoll: Die Erhebungen über Volksmedizin in der Schweiz. 
Schweiz. Archiv für Volkskunde. (Zürich) 1901. Bd. V. 
Im Aufträge der Kommission für Erforschung der Volksmedizin ver 
sucht St. die Grenzen der Schulmedizin von jener der Volksmedizin abzu 
stecken und stellt als modernes Verbindungsglied der beiden die hybride 
Laienmedizin auf. Während uns die grossartige Entwickelung der Schul 
medizin zu den grössten Hoffnungen und Erfolgen berechtigt, ist ihre wilde 
Kollegin, die Volksmedizin, auf ihrer archäischen Entwickelungsstufe stehen 
geblieben und repräsentiert mit ihren halb empirischen, halb theurgischen 
Verrichtungen inmitten unserer modernen Kulturwelt noch einen Rest aus 
dem Stadium der Naturvölker. 
St. macht auch spezielle Vorschläge zum praktischen Sammeln und 
Verarbeiten der Volksmedizin. Es sollen zunächst allgemeine, äussere Vor 
stellungen (z. B. Riesenwuchs, Albinismus, Hasenscharte und dergl.), dann 
solche an den einzelnen Körperteilen sichtbare Erscheinungen genau registriert 
werden. Es käme ferner die Volksmedizin im engeren Sinne sowie die 
pathologischen Ansichten des Volkes in Betracht, z. B. die Schwangerschaft, 
die Geburt, das Wochenbett; dann wäre die eigentliche Pathologie und 
Therapie nach den einzelnen Körperabschnitten zu behandeln, z. B. Krank 
heiten der Athmungsorgane, der Verdauungsorgane, der Geschlechtsorgane, 
des Nervensystems, der Haut, Augen, Ohren etc. Den volksmedizinischen 
Heilapparat trennt St. in drei Gruppen: 1. die chirurgisch-mechanische, 
2. die medikamentöse, 3. die theurgische oder mystische. Hie medikamentöse 
teilt er in äussere und innere Mittel. 
St. regt auch eine Herstellung der Synonymi der Krankheitsbe 
zeichnungen in den einzelnen Kantonen der Schweiz, sowie die geographische 
Verbreitung der einzelnen nosologischen Ausdrücke an und konstruiert speziell 
zu volksmedizinischen Zwecken hergestellte Fragebogen. 
Dr. 0. Hovórka, Edl. v. Zderas-Wien. 
127. E. E. Tedeschi: Crani Romani moderni. Atti d. Società Rom. 
di antropologia,. 1902. Voi. Vili, S. 297—336. 
Veri, analisiert nach der Sergischen Methode 50 im anthropologischen 
Museum zu Rom befindliche Schädel moderner Römer mit Rücksicht auf 
die Norma verticalis, lateralis und occipitalis (darunter 15 Ellissoidi, 13 Ovoidi, 
12 Sfenoidi hinsichtlich der Vertikalansicht vertreten), charakterisiert jede 
dieser Schädelformen und zeigt in einer tabellarischen Zusammenstellung 
ihre Häufigkeit unter den römischen Schädelüberresten aus der Zeit der 
Könige, der Republik und ersten Kaiserzeit, der christlichen und der Neu 
zeit. Darnach herrschen zu allen Perioden hier die ellissoiden, ovoiden und 
pentagonöiden Typen vor; somit dürften sie als der Grundstock des römischen 
Volkes anzusehen sein und auf einen mediterranen Ursprung hinweisen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.