Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

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B. Referate. Ethnologie. 
Hinterhaupt, Abknickung der Unterschuppe, weder sehr breites noch sehr 
hohes Gesicht, Orthognathie — sind die wichtigsten Merkmale — neben 
diesen Punkten giebt Yerf. eine zwar etwas kleine, aber scharfe Abbildung 
eines typischen Schädels in den verschiedenen Normen, Tabellen der wichtigsten 
Maasse und Kurven (nach Sarasin). (Ref. geht auf Detail nicht näher ein, 
da volle Ausnutzung des im wesentlichen His bestätigenden reichen Materiales- 
doch nur nach dem Original geschehen kann.) 
Bezüglich der Yerbreitung des Disentis-Typus zeigt \erf., dass die 
brachycephalen Pfahlbau-Schädel der Schweiz nicht zu ihm gehören, wohl 
aber die meisten Walliser — ebenso ein Teil der Waadtländer-Schädel; für 
die bis jetzt untersuchten Schädel aus der Innerschweiz, ebenso für Tappeiners 
Tiroler-Schädel lässt sich eine Entscheidung bezgl. Zugehörigkeit nicht stellen, 
die brachycephalen Schädel Bayerns und Badens stehen ihm aber wohl nahe, 
sicher die aus den Beinhäusern des Eisass; Denikers 4. Rasse scheint sich 
auch damit zu decken. Ungemischt ist der Typus nirgends, am reinsten 
aber in Graubünden vorhanden. — Untersuchungen an Lebenden sind nur 
in ganz kleinem Maassstabe beigefügt; es scheint sich um eine dunkelhaarige, 
grau- oder braunäugige, mittelgrosse Bevölkerung zu handeln. 
Der ethnographische Teil giebt zunächst ein kurzes Wörterverzeichnis 
des vorderrheintalischen (in Disentis üblichen) Dialektes, neben dem ladi- 
nischen (beide = romanisch), dann Orts-, Flur-, Geschlechts- und Personen 
namen, weiter Aufschlüsse über Bevölkerungszahl, Heiratsfrequenz und Alter; 
die Lebensweise wird kurz geschildert, Nahrung, Kleidung, Beschäftigung; 
es folgt eine Anzahl Abbildungen von Hauszeichen, deren in Disentis noch 
jede Familie eines hat, ebenso der Tierzeichen. Schliesslich werden Märchen, 
Sagen, Kinderreime, alte Sprüche und Gebete, Sprichwörter, Rätsel, aber 
gläubische und volksmedizinische Mittel angeführt — von all diesem z. T. 
reichen Inhalt, der für Volkskunde etc. viel Interessantes bieten dürfte, kann 
Ref. nur kurze Erwähnung thun, da hier hauptsächlich der physisch-anthropo 
logische Teil in Betracht kommt. E. Fischer-Freiburg i. B. 
123. Hans Moos: Die Einzelhöfe in St Luzern. Forschungen auf 
dem Gebiet der Landwirtschaft. Festschrift zur Feier des 
70. Geburtstages von Prof. Dr. Adolf Krämer. (Frauenfeld) 
1903, S. 319—350. Mit 1 Karte und 8 Tafeln. 
Eine sehr verbreitete Meinung hält die Siedelung der Alamannen in 
Einzelhöfen als die diesem Germanenstamm eigentümliche, während ein Blick 
auf die ganz nur von Alamannen bewohnten Gebiete des Schwabenlandes 
typische Dorfanlagen erkennen lässt. Andere halten dafür, Einzelhof- und 
Dorfanlagen hängen zusammen mit der verschiedenen Gestaltung der Boden- 
nberfläche. Professor Moos zeigt, dass auch diese Ansicht unhaltbar ist. 
Meitzen meint, die Einzelhöfe seien keltischen, die Dörfer bei uns dagegen
        

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