Volltext: Internationales Centralblatt für Anthropologie und verwandte Wissenschaften, 8.1903

106 
B. Referate. Ethnologie. 
sehr eine Folge der durch die Mode bestimmten Haartracht, wie der ab 
sichtlich vorgenommenen Verunstaltungen. Mit der Änderung der Moden 
und der Kinderpflege nimmt die Deformation ab, wie dies zur Zeit der Fall 
ist. Zum Schlüsse erörtert Verf. nochmals die Frage der Erblichkeit der 
Deformationen und kommt zu dem zu erwartenden Schlüsse, dass eine solche 
nicht besteht. Ganz abgesehen von theoretischen Gründen spricht gegen 
die Erblichkeit, dass überall da, wo man bei den Neugeborenen die An 
wendung der Binden u. s. w. zu verhindern vermochte, die Deformation 
nie eingetreten ist. Eine Reihe von Abbildungen illustriert weiterhin den 
Einfluss der zur Schädeldeformation verwendeten Binden u. s. w. auf die 
Gestaltung des äusseren Ohres. Gr. Thilenius-Breslau. 
121. A. Bloch: Considérations anthropologiques sur la Corse 
actuelle, ancienne et préhistorique. Bullet, et Mém. de la 
Soc. ¿’Anthropologie de Paris, 1902. Série 3, tome II, S. 333. 
Verf. betont, dass, nach seinen Beobachtungen sowie nach denjenigen 
von Jaubert, Mahoudeau und anderen, die Hellfarbigen in Korsika gar nicht 
so selten sind. So hat Jaubert bei 500 Wehrpflichtigen 34% dunkelfarbige, 
30,8% hellkastanienfarbige und 9,8% blonde gefunden. Bei den Kindern 
sind blonde Haare natürlich noch viel häufiger. Nach Topinard haben 
65,3% der Korsen dunkle Haare, aber B. meint, es seien dabei viel dunkel 
kastanienfarbige, die in ihrer Kindheit blond waren. Korsika hat 35,9 °/ 0 
dunkle Augen, also weniger als die meisten südlichen Dépaitements. Verf. 
glaubt nicht, dass der helle Typus - von den Einwanderungen herrührt, die 
namentlich zu Ende des römischen Reichs in Korsika stattfanden, sondern 
dass er sich in der Insel selbst entwickelt hat infolge der natürlichen 
Bedingungen. 
Der Längenbreitenindex wurde von Fallot bei 200 erwachsenen Männern 
auf 76,8 festgestellt, Jaubert fand an 500 Wehrpflichtigen 76,6. Obwohl 
m der Zahlenreihe 76 und 77 am öftesten Vorkommen, findet man doch 
m gewissen Gegenden ein beträchtliches Verhältnis von Brachycephalen 
(80 und darüber): Sartène 15,7%, la Balagne 16%, Bastia im NW. 
Korsikas sogar 27,7 0% B. nimmt an, dass diese Kurzköpfe nicht einge 
wandert, sondern dass sie autochton sind. Die Körperhöhe betrug bei den 
Wehrpflichtigen Jauberts 1,63 m. 
Nachdem Verf. zusammengestellt hat, was uns die alten Schriftsteller 
Korsika überliefert haben, geht er zur Beschreibung der prähistorischen 
nde über, deren bemerkenswerteste die Leichentöpfe sind. Von Mérimée 1840 
ieben, sind die meisten derselben verloren gegangen; aber 1899 hat 
on einen solchen wieder aufgefunden und aufbewahrt. Es handelt sich 
mehr als 1 m langen, mit der Drehscheibe gemachten Topf, der 
emer Amphore mit weiter Öffnung gleicht und zwei Henkel trägt; die Öffnung
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.