B. Referate. Ethnologie.
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295. W. H. R. Rivers: The colour Vision of the natives of Upper
Egypt. Journal of the Anthropological Institute, 1901.
Vol. XXXI, S. 229—247.
Die Unterschungen des Yerfassers knüpfen an die von Mac Iver
mittelst der Holmgrenschen Wollproben vorgenommenen an. Die letzteren
hatten das Ergebnis, dass von 50 Geprüften viele „normale“ waren, andere
neigten zur Verwechselung von Grün-Blau, Blau-Violet. Holmgrens Hell
grün wurde mit Gelbgrün, bläulichen und zartrosa Tönen zusammengestellt.
Augenscheinlich gingen die Leute mehr nach der Intensität, als nach dem
Ton der Farbe. Auch Beispiele von Rot-Grünblindheit fanden sich.
Rivers stellte zunächst die Nomenclatur der Farben fest, wobei sich
häufig die Verwendung und Zusammenstellung der Farbenbezeichnung mit
der eines Kleidungsstückes oder Materiales ergab. Die er. 50 oberägyptischen
Bauern, welche geprüft wurden, zeigten alle eine von Rot nach Blau ab
nehmende Sicherheit in der Farbenbezeichnung; so wurde als „ahmar“ nicht
nur Rot bezeichnet, sondern alle Farben, die ein rotes Element enthalten:
Orange, Purpur, Violet, Braun. Das Wort für Grün wurde auch für Blau,
Violet, Grau, Braun gebraucht. Für Blau ist das arabische Wort „azraq“
zwar bekannt, wurde aber nie für Hellblau, sondern für Schwarz und Indigo
gebraucht. Im übrigen wurde Blau durch Vergleich bezeichnet; am häufigsten
als „milchfarben“, nur zweimal als „himmelfarben“. Ein Wort für Braun,
das meist als Rot bezeichnet wurde, fehlte den Leuten. Ausserdem zeigte
sich die Neigung, Worte, welche an sich verschiedene Farbentöne bezeichnen,
ohne Rücksicht auf diese für verschiedene Grade der Helligkeit zu verwenden:
„akhdar“ war Grün, ferner jede Farbe (ausser Gelb und Rot) in einer be
stimmten Tiefe. Die Prüfung auf Farbenblindheit erwies eine solche bei
einzelnen Individuen anscheinend für Rot-Grün. Jedoch ist das Ergebnis
nicht einwandsfrei, da die Leute augenscheinlich die Farben nicht nur nach
Tönen zusammenstellten, sondern auch nach den Bezeichnungen, die sie
ihnen etwa geben würden. So wurden Rot und Braun, Rosa und Violet
zusammengestellt. Erschwert Avird endlich die Beurteilung durch eine Un
empfindlichkeit gegen Blau, denn die Prüfung der Schwelle für Rot, Gelb,
Blau mittelst des Tintometers von Lovibond ergab die geringste Empfindlichkeit
für Blau, die grösste für Gelb. Das ist um so auffälliger, als Blau nicht
nur den Leuten eine alltägliche Erscheinung (Kleidung) ist, sondern auch
im Arabischen ein eigenes Wort besitzt, das aber nicht angewendet wird.
Prof. Pr. 6r. Thilenius-Breslau.