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B. Referate. Ethnologie.
wie manche Anthropologen annehmen. Auch dies geht aus Untersuchung
mit Röntgendurchleuchtung hervor. Zu Recht sagt er „dass man bisher
in der Anthropologie zu viel Wert auf das Skelett und zu wenig Wert
auf die Untersuchungen des Lebenden gelegt hat.“
Dr. H. ten Kate-Kanagawa.
163. H. Weipert: Das Bon-Fest. Mitteil. d. deutsch. Gesellsch.
für Natur- und Völkerkunde Ostasiens. 1901. Bd. VIII,
Teil 2, S. 145—173. Mit 9 Tafeln.
Verf. hat es unternommen, das japanische Bon-Fest ausführlich zu
beschreiben. Er hat damit eine sehr dankenswerte Arbeit verrichtet, denn
trotz seiner grossen Popularität ist dieses Fest den Fremden wenig bekannt.
Auch in der ausländischen Litteratur ist fast nichts genaueres darüber zu
finden. Nur Lafcadio Hearn hat davon eine Beschreibung gegeben. Das
Material zu dieser Studie verdankt Verf. grösstenteils denn Fuzoku Gwahö,
„einer den alten Sitten und Gebräuchen gewidmeten japanischen Monats
schrift“, sowie mündlichen Meitteilungen seiner japanischen Freunde.
Dieses Fest, heutzutage Bon-ku, Bon-matsuri, Shöryö (Seelen)- oder
Tama- (Seelen) matsuri genannt, ist „eine Art Allerseelen-Fest, dazu bestimmt,
die Seelen der verstorbenen Ahnen und sonstigen Angehörigen, die man
sich als zu dieser Zeit in das Haus zurückkehrend denkt, zu empfangen
und durch Opfer und Gebet zu feiern“. Verf. weist darauf hin, wie dieses
Zurückkehren der Seelen eine weitverbreitete Vorstellung ist. „Zu der ersten
Zeit nach dem Tode denkt • sich die naive Vorstellung, wegen des eigenen
noch lebhaften Eindrucks von dem Verstorbenen, dessen Seele überhaupt
noch als anwesend. Allmählich verblasst die Erinnerung, um nur bei be
stimmten Anlässen stärker wieder aufzuleben, und entsprechend tritt an
die Stelle der Idee dauernder Anwesenheit die des zeitweiligen Besuchs.
Das Totenfest wird vorwiegend von der ländlichen und niederen Bevölkerung
gefeiert, ganz besonders im Innern des Landes, fern von den grossen
Städten. Das eigentliche Fest findet am 13., 14. und 15. Juli alten
Kalenders statt, (entsprechend der zweiten Augusthälfte des gregorianischen
Kalenders).
Die Beschreibung aller Vorgänge des Festes in seinen Einzelheiten
wieder zugeben, würde uns zu weit führen. Es sind hauptsächlich: Auf
stellung der Totentafeln (ihai), Speiseopfer nach einem ganz bestimmten
Menu“, Feuer- und Laternen-Anzünden, Weihrauch-Brennen, Beten.
Das Bon-Fest hat merkwürdigerweise zwei ganz verschiedene Seiten:
die religiöse, mit Messelesen und Totenverehrung, und die heitere, fast
karnevalistische. Die letzte gipfelt in dem Bon-Tanz.
Sowohl die buddhistische wie die shintoistische Religion nehmen'den
Ursprung des Bon-Festes für sich in Anspruch. Nach buddhistischer Ansicht