So entstand eine neue Organisationsform. Es war die Dorf-
mark. In ihr befestigte sich sowohl der Begriff eines gemein-
samen Landes. als auch der. Grenze. Gemeinsam wurde ein
Urwalddistrikt oder auch eine unwirtliche sumpfige Steppen-
wildnis erobert und mählich in fruchtbares Ackerland! oder in
grasreiche Viehweide verwandelt. Gleichzeitig damit entstanden
innerhalb der jeweiligen. Markgenossenschaft die, obwohl un-
ebenen, höchst primitiven Straßen, die Fähren, die Holzbrücken,
die im Winter entfernt und nach der Schneeschmelze im Früh-
ling wieder aufgebaut wurden, ferner während der ersten Jahr-
hunderte unserer Zeitrechnung die Schutzwehren und Palisaden
der Dörfer, die Erdschanzen, Mauern und kleinen Türme, mit
denen das Land übersät war.
So ist das nicht bloß in Europa gewesen; man hat mit
großen Steinen gepflasterte Straßen auch selbst bei den ent-
legensten Inselbewohnern des Stillen Ozeans, wohin bisher kein
Hauch europäischer Zivilisation gedrungen war, vorgefunden.
PHYSIOLOGISCHE CHARAKTERZÜGE. Das Bedürf-
nis eigentlicher Straßen hat demnach wohl erst von. festen
menschlichen Wohnsitzen aus seinen Ursprung geN0oMMen. So-
bald Jäger- oder nomadisierende Hirtenvölker zum Ackerbau
gelangten, beweist das auch, daß sie seßhaft geworden waren.
Der dem Menschen angeborene Naturtrieb zur Geselligkeit
verlangt nach gegenseitiger Verbindung. Hierfür bildet der
Weg das sichtbare Mittel. An seiner Entstehung haben zu-
vörderst die Nachbarn homogene Interessen.
Die „Straße“ stellt also dar: die kürzeste Verknüpfungslinie
zwischen zwei menschlichen Wohnstätten. Prinzip hierbei ist:
diese Verbindung durch den mindesten Grad von. Anstrengung
zu bewerkstelligen — ein Prinzip übrigens, das einesteils unter
Vermeidung von Hindernissen zu zahlreichen Umwegen führte,
andererseits freilich auch nicht davon abstand, geradeaus über
steile Berge hinwegzukommen. Und dies einfach nur, weil man
damals noch keine Lastwagen besaß, folglich mit der Schwierig-
a.
Ziegenherde mit Hirte. Von einer griechischen Vase. 6. Jahrhundert v. Chr,