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Volltext: Der Erdball, 5.1931

- 206 
Vom Mittelmeer nach Südostasien. 
Von Paul Leser. 
Mit 2 Abbildungen auf Tafelseite 56. 
Vom Mittelmeer aus sind bekannt 
lich zu verschiedenen Zeiten Kultur 
ströme nach Osten geflossen. Am 
meisten hat man wohl von den Wir 
kungen gesprochen, welche die hel 
lenistische Kunst auf die Kunst des 
Ostens gehabt hat. Doch läßt sich 
auch an Hand der Landwirtschafts 
geschichte nachweisen, daß der Be 
sitz der Mittelmeervölker nicht nur 
ihre östlichen Nachbarn beeinflußt 
hat, sondern manchmal bis weit in 
den fernen Osten verschleppt worden 
ist. Z. B. lassen sich die Einflüsse der 
für die Mittelmeergebiete bezeich 
nenden Pflugform bis in den äußer 
sten Osten von Asien verfolgen, und 
ebenso haben mittelländische Eggen, 
Sä- und Dreschgeräte ihren Weg bis 
in den fernen Osten gefunden. Alle 
diese Dinge sind verhältnismäßig klar 
und geben uns heute keine großen 
Fragen mehr auf. Nur ein einziges 
Stück blieb bisher in seiner Verbrei 
tung rätselhaft, und davon soll hier 
gesprochen werden; eine Neuerwer 
bung hat uns nämlich jetzt in die 
Lage versetzt, die Geschichte dieses 
Pflugteils, um den es sich handelt, 
ein wenig zu klären. 
Unter der großen Zahl von ver 
schiedenen Scharformen, die auf der 
Erde Vorkommen, gibt es eine, die 
besonders auffällig ist und sich so 
wohl durch ihre Form als auch durch 
die Art ihrer Befestigung am Pflug 
aus allen andern Formen heraushebt: 
es ist dies die sogenannte ruderför- 
migeSchar (Abbildungen siehe z.B .in 
meiner „Entstehung und Verbreitung 
des Pfluges“, S. 96, 307, 320, 329, 
423 usw.), meist aus einem Eisen 
stück bestehend, das etwa die Form 
eines Ruders hat: an einem Stiel sitzt 
vorn das „Blatt“, gewöhnlich (aber 
nicht immer) mit einer deutlichen 
Spitze versehen. Während die übri 
gen Scharformen in der Regel an der 
Sohle des Pfluges angenagelt sind 
oder auf das vordere Ende der Sohle 
aufgeschoben werden, wird die ruder 
förmige Schar niemals an der 
Sohle befestigt, sondern auf folgende 
Weise in der richtigen Lage gehalten: 
ihr Stiel durchbohrt irgendeinen 
andern Teil des Pfluges, meist den 
Krümel, manchmal die Griessäule, 
gelegentlich auch Griessäule und 
Grindel, und in Südostasien immer 
den Hinterbaum. In dieser Oeffnung 
liegt sie lose auf und wird dann mit 
tels Holz- oder auch Eisenstücken 
festgekeilt. 
Als Vorteil dieser eigenartigen 
Scharform und ihrer Befestigungs 
weise wird folgendes angegeben: eine 
andere Schar, die durch das Pflügen 
abgenutzt ist, wird unbrauchbar und 
muß durch ein neues Stück ersetzt 
werden; hat sich dagegen die ruder 
förmige Schar abgenutzt, so kann 
man sie ohne Mühe durch Heraus 
schlagen der Befestigungskeile aus 
ihrer Lage lösen, etwas nach vorn 
rutschen lassen, dann wieder fest 
keilen und weiter verwenden. 
Der Hauptunterschied zwischen 
ruderförmiger Schar und den übrigen 
Scharformen beruht also nicht in 
der Form, sondern in der Befesti 
gungsart. Infolgedessen sind auch 
diejenigen Scharen als aufs engste 
mit den ruderförmigen verwandt an 
zusehen, die nicht ruderförmig sind, 
sondern (um im Bilde zu bleiben) 
nur aus dem „Stiel“ des Ruders 
bestehen, also vorn nicht verbreitert 
sind, sondern nichts weiter sind als
	        
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