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ihre Einkäufe, handeln, feilschen
und kauen Betel dazu nach
Herzenslust. Würdig aussehende
Buddhapriester in langwallenden,
gelben Togen, lassen sich von
ihren Schülern rudern. Flink
steuern pflichtbewußte Brief
träger, dickbauchige Postsäcke ge
schickt im kleinen Sampan balan
cierend, hindurch, und liefern den
Empfängern ihre Briefschaften ab.
Langgezogen ertönen die Rufe
chinesischer Kochkünstler, die
heißen Reis, den sie auf primitiven
Oefchen in schaukelnden Nuß
schalen bereiten, anbieten.
Andere rufen „Plaa tu hoi! —
Piaa tong ko“, und preisen die so
sehr beliebten Fischzutaten zum
Reis an, die sie fabelhaft geschickt
in kleinsten Fahrzeugen um sich
herum verstauen.
Mit wahrer Begeisterung wird
diesen „Tischlein deck dich“ von
den Bewohnern der schwimmen
den Häuser und den ungezählten
Bootsleuten zugesprochen, und die
unternehmenden Jünger der Koch
kunst machen glänzende Ge
schäfte. Auch die rudernden
Obsthändler finden reißenden Ab
satz für ihre duftende Ware, wir
können uns nicht versagen, eine
köstliche Ananas, einige Mangos
und Mangostins zu erstehen.
In der Mitte des Stromes be
wegen sich schwerfällig chinesi
sche Dschunken, denen groteske
Riesenaugen aufgemalt sind, strom
abwärts. Langgestreckte Haus
boote mit aufwärts gebogenem
Kiel verleihen dem Bild eigen
artigen Reiz.
Mit der Flut bringen mächtige
Reisschiffe die letzte Ernte in die
Reismühlen unterhalb Bangkoks.
Gewaltige Teakholzflöße, seit
Jahren vielleicht schon auf der
Wasserreise aus dem hohen Nor
den, werden von Dampfbarkassen
im Schlepptau zu den Sägemühlen
gebracht.
Ladend liegen große Segel
schiffe, die das wertvolle Teak
und andere Edelhölzer nach allen
Teilen der Erde tragen, vor Anker.
Ozeandampfer, von deren Mast
bäumen die Flaggen vieler
Nationen grüßen, liegen im Hafen.
Pfeilschnell flitzen ungezählte
Motorboote hin und her, von Ufer
zu Ufer, kreuz und quer, Hinauf
und hinunter.
Auf das farbenprächtige Bild
gießt die Tropensonne gleißendes
Gold.
Kurz nach Mitternacht erleben
wir auf dem Menam das inter
essanteste Schauspiel. Zur Geister
stunde geben sich Hunderte winzi
ger Nachen, jeder mit kleinem
Lämpchen beleuchtet, ein lustiges
Stelldichein und halten einen
regelrechten Markt ab, bei dem
die Handeltreibenden nur der hol
den Weiblichkeit angehören.
Phosphoreszierend glitzern des
Menam bewegte Wellen, als perle
flüssiges Silber in jedem Wasser-
tröpflein, das die tänzelnden
Kähne und jeden Ruderschlag
umspielt.
Munter fliegen lustige Scherz
worte hin und her, und die drolli
gen kleinen Marktweiber bieten
ihre Erzeugnisse: Früchte, Ge
müse, Geflügel und Eier mit be
wundernswerter Zungenfertigkeit
zum Kauf an. Unter Lachen,
Schwatzen und Betelkauen wickelt
das Geschäft sich ab.
Mae Song, das niedliche Fräulein
Apfelsinchen, erzählt ihren Freun
dinnen, den nicht minder koket
ten kleinen Siamesenmädelchen
kichernd allerlei wichtige Neuig