Digitalisate

Hier finden Sie digitalisierte Ausgaben ethnologischer Zeitschriften und Monografien. Informationen zum Digitalisierungsprojekt finden Sie [hier].

Suchen in

Volltext: Der Erdball, 4.1930

— 57 
ihre Einkäufe, handeln, feilschen 
und kauen Betel dazu nach 
Herzenslust. Würdig aussehende 
Buddhapriester in langwallenden, 
gelben Togen, lassen sich von 
ihren Schülern rudern. Flink 
steuern pflichtbewußte Brief 
träger, dickbauchige Postsäcke ge 
schickt im kleinen Sampan balan 
cierend, hindurch, und liefern den 
Empfängern ihre Briefschaften ab. 
Langgezogen ertönen die Rufe 
chinesischer Kochkünstler, die 
heißen Reis, den sie auf primitiven 
Oefchen in schaukelnden Nuß 
schalen bereiten, anbieten. 
Andere rufen „Plaa tu hoi! — 
Piaa tong ko“, und preisen die so 
sehr beliebten Fischzutaten zum 
Reis an, die sie fabelhaft geschickt 
in kleinsten Fahrzeugen um sich 
herum verstauen. 
Mit wahrer Begeisterung wird 
diesen „Tischlein deck dich“ von 
den Bewohnern der schwimmen 
den Häuser und den ungezählten 
Bootsleuten zugesprochen, und die 
unternehmenden Jünger der Koch 
kunst machen glänzende Ge 
schäfte. Auch die rudernden 
Obsthändler finden reißenden Ab 
satz für ihre duftende Ware, wir 
können uns nicht versagen, eine 
köstliche Ananas, einige Mangos 
und Mangostins zu erstehen. 
In der Mitte des Stromes be 
wegen sich schwerfällig chinesi 
sche Dschunken, denen groteske 
Riesenaugen aufgemalt sind, strom 
abwärts. Langgestreckte Haus 
boote mit aufwärts gebogenem 
Kiel verleihen dem Bild eigen 
artigen Reiz. 
Mit der Flut bringen mächtige 
Reisschiffe die letzte Ernte in die 
Reismühlen unterhalb Bangkoks. 
Gewaltige Teakholzflöße, seit 
Jahren vielleicht schon auf der 
Wasserreise aus dem hohen Nor 
den, werden von Dampfbarkassen 
im Schlepptau zu den Sägemühlen 
gebracht. 
Ladend liegen große Segel 
schiffe, die das wertvolle Teak 
und andere Edelhölzer nach allen 
Teilen der Erde tragen, vor Anker. 
Ozeandampfer, von deren Mast 
bäumen die Flaggen vieler 
Nationen grüßen, liegen im Hafen. 
Pfeilschnell flitzen ungezählte 
Motorboote hin und her, von Ufer 
zu Ufer, kreuz und quer, Hinauf 
und hinunter. 
Auf das farbenprächtige Bild 
gießt die Tropensonne gleißendes 
Gold. 
Kurz nach Mitternacht erleben 
wir auf dem Menam das inter 
essanteste Schauspiel. Zur Geister 
stunde geben sich Hunderte winzi 
ger Nachen, jeder mit kleinem 
Lämpchen beleuchtet, ein lustiges 
Stelldichein und halten einen 
regelrechten Markt ab, bei dem 
die Handeltreibenden nur der hol 
den Weiblichkeit angehören. 
Phosphoreszierend glitzern des 
Menam bewegte Wellen, als perle 
flüssiges Silber in jedem Wasser- 
tröpflein, das die tänzelnden 
Kähne und jeden Ruderschlag 
umspielt. 
Munter fliegen lustige Scherz 
worte hin und her, und die drolli 
gen kleinen Marktweiber bieten 
ihre Erzeugnisse: Früchte, Ge 
müse, Geflügel und Eier mit be 
wundernswerter Zungenfertigkeit 
zum Kauf an. Unter Lachen, 
Schwatzen und Betelkauen wickelt 
das Geschäft sich ab. 
Mae Song, das niedliche Fräulein 
Apfelsinchen, erzählt ihren Freun 
dinnen, den nicht minder koket 
ten kleinen Siamesenmädelchen 
kichernd allerlei wichtige Neuig
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.