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Volltext: Zeitschrift für Volkskunde, 95.1999

7.ur Mobilisierung der „Heimatfront 
e kannte Legende rankte 9 , nagelte die Wiener Bevölkerung am 6. März 1915 einen 
»Eisernen Wehrmann“. Als man Ende April 1915 in Darmstadt erstmals auch auf 
^ em Boden des Deutschen Reiches nagelte, da tat man dies unter ausdrücklicher 
Bezugnahme auf die Wiener Erstnagelung. Auch die zweite deutsche Stadt, die ein 
j^ a gelungsobjekt aufstellte - Heilbronn am Neckar -, scheint zumindest in figür- 
lc her Hinsicht sich auf Wien bezogen zu haben, nagelte man dort doch am 7. Mai 
^15, ganz der Wiener Formensprache entsprechend, mit dem „Eisenhart“, der 
^ r sten vollplastischen Figur auf deutschem Boden, ebenfalls eine wehrhafte Ritter- 
hgur. 
Es mag ein Beweis dafür sein, daß der alte Nagelbrauch noch nicht überall ganz 
aus d ena Bewußtsein der Bevölkerung verdrängt war, daß in mindestens zwei deut 
schen Städten Kriegsnagelungen durchgeführt wurden, noch bevor dieser Brauch 
Ur ch das Nageln in Wien und in Darmstadt wieder auflebte. So wird im Dezember 
|^15 aus Ruhla berichtet, daß im dortigen Gasthaus „Kaiserhof“ „seit vorigen 
mter“ ein Eisernes Kreuz genagelt wurde. 10 Gesicherter sind zwei frühe Nage- 
n gen in Villingen. Verwundert berichtet die dortige Tageszeitung am 11. Februar 
^15: „Eine eigenartige Sammlung haben einige Stammgäste der Brauerei ‘Ott’ hier 
j^ n geleitet. Auf den Stammtisch wurde ein großes Eisernes Kreuz gezeichnet. 
lese ^ eic hnung soll mit Schuhnägeln beschlagen werden, für jeden Nagel ist ein 
einer Betrag zu entrichten, der für Zwecke des Roten Kreuzes bestimmt ist. So 
" rf üUt diese Sammlung nicht nur einen wohltätigen Zweck, sondern das entste- 
ende Eiserne Kreuz ist auch für den Stammtisch eine bleibende Erinnerung an den 
e ’•krieg und zeigt, wie die Daheimgebliebenen auf alle Arten für die Unterstüt- 
z ^ n g der im Feld stehenden Brüder bedacht sind.“ 11 Auch wenn diese Aktion 
I e nsichtlich noch keine über die eigene Stadt hinausreichende Wirkung erzielte, 
sie doch in der Stadt Villingen selbst weitere Bewohner zu einer vergleichbaren 
em °nstration patriotischer Gesinnung angestiftet. Denn wenige Wochen später 
na gelte ein Stammtisch des Gasthofes „Zum Schwanen“ „zur bleibenden Erinne- 
p Un § a n die große Zeit 1914-15, wo Deutschlands beste Söhne gegen eine Welt von 
ln aen das liebe Vaterland vor dem Einbruch unserer Feinde bewahren“, ein ver- 
» Gehbares, jetzt aber schon sehr viel kunstvoller gestaltetes Kriegssymbol, und 
ZWa i „eine Platte mit dem Reichsadler, der zwischen den Fängen im Schnabel ein 
ünstvolles Eisernes Kreuz über dem Schwert hält“. Auch hier sollten die Spenden 
Y ^oten Kreuz zufließen. Jeder Nagelnde konnte seinen Namen in eine dort auf- 
le gende Spenderliste eintragen. 12 Manches von dem, was die späteren Nagel- 
Seine Geschichte erzählt/. Lasius: Kriegswahrzeichen (wie Anm. 2), S. 133 f. Vgl. auch August 
Neuhaus-. Der „Stock-im-Eisen“ in Wien und sein Gegenstück aus Kiel im Germanischen 
Kationalmuseum in Nürnberg In: Niedersachsen 21 (1915/16), Nr. 9, S. 145-147. 
0 Weimarische Zeitung Nr. 290 vom 11.12.1915. Die Stadtverwaltung Ruhla hat bisher auf meine 
I. diesen Vorgang betreffende Anfrage nicht geantwortet. 
Der Schwarzwälder Nr. 40 vom 11.2.1915. 
Z Der Schwarzwälder Nr. 75 vom 19.3.1915. Dem Bericht zufolge begann die Nagelung vor 
»etwa 14 Tagen“ und hat seitdem rund 100 Mark erbracht.
	        
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