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Volltext: Zeitschrift für Volkskunde, 73/74.1977/78

Peter Assion 
2 
1. Abgrenzungen 
Von den ca. 3,5 Millionen Einwohnern europäischer Abstammung 
(und den 22,1 Millionen der Gesamtbevölkerung) sind im heutigen Süd 
afrika ca. 27 000 durch den täglichen Gebrauch der deutschen Sprache 
als „Germans“ ausgewiesen. 3 Deutsche Einwanderer waren schon im 17. 
Jahrhundert mit ins Land gekommen, dann aber im Kapholländertum 
aufgegangen, 4 während die Deutschen von heute allenfalls in vierter 
Generation hier leben. Die meisten sind als Geschäfts- und Fachleute für 
technisches Know-how in den Großstädten anzutreffen (Kapstadt, Dur 
ban, Johannesburg, Pretoria, Bloemfontein), wo sie eigene Kirchen, 
Schulen und Vereine unterhalten, im übrigen aber weit stärker an ihre 
burisch-englische 'Umgebung assimiliert sind als das kontaktärmere, zwar 
zahlenmäßig kleinere, im allgemeinen und im wissenschaftlichen Bewußt 
sein aber ungleich stärker präsente ländliche Deutschtum. 5 6 Es ist angesie 
delt in den Weiten der Provinz Natal, im südlich angrenzenden Kapland 
und nördlich auch jenseits der Grenze zur Provinz Transvaal. Seinen 
Kern bilden die zur Hermannsburger Synode zusammengeschlossenen 
deutsch-lutherischen Gemeinden, denen sich zur Zeit ca. 5000 Kirchen 
mitglieder zurechnen. Nicht ganz die gleiche Zahl dürften die konkurrie 
rende Evangelisch-lutherische Freikirche und die benachbarten Kapland- 
und Transvaal-Synoden zusammen erreichen. 
Wählt man sich sprachliche Enklaven dieser Art zum Forschungsgegen 
stand, so scheint deren Ethnozentrismus zwangsläufig einseitige Sehweisen 
Platzgründe, im Rahmen des vorliegenden Aufsatzes auch die nötigen methoden 
kritischen Reflexionen auszubreiten. Dank für Anregungen und Hinweise zur Vor 
bereitung des Unternehmens sei in Freiburg den Professoren Johannes Künzig und 
Rolf Wilh. Brednich erstattet. Auch in Südafrika selbst erhielt Verf. mannigfache 
individuelle Unterstützung, für die er hier zu danken hat. 
3 Standard Encyclopaedia of Southern Africa, Bd. 5, Kapstadt 1972, S. 178 (Stich 
wort „German“). Hinzu kommen 17 000 (nach anderen Quellen: bis zu 30 000) 
deutschstämmige Einwohner in der ehemaligen Kolonie, dem heutigen Mandat Süd 
westafrika, die aber nachfolgend außerhalb der Betrachtung bleiben. 
4 Werner Schmidt-Pretoria, Der Kulturanteil des Deutschtums am Aufbau des Buren 
volkes (= Sonderveröffentlichung II der Geographischen Gesellschaft zu Hannover), 
Hannover 1938; Oskar Plintrager, Geschichte von Südafrika, München 1952, S. 38 ff. 
5 Grundlegend dazu: Werner Schmidt-Pretoria, Deutsche Wanderung nach Südafrika 
im 19. Jahrhundert, Berlin 1955 (mit Einschluß von Nachrichten zur städtischen 
Niederlassung von Deutschen). Als neueste Spezialuntersuchung liegt vor: Hilde 
gard Irma Stielau, Nataler Deutsch. Der Einfluß des Englischen und Afrikaansen 
auf die deutsche Sprache in Natal, Diss. Köln 1965 (hektographiert). 
6 Vgl. Ina-Maria Greverus in ihrem Diskussionsbeitrag zu Don Yoder, Akkulturations- 
probleme deutscher Auswanderer in Nordamerika, in: Kultureller Wandel im 19. 
Jahrhundert. Verhandlungen des 18. Deutschen Volkskunde-Kongresses in Trier 
(= Studien zum Wandel von Gesellschaft und Bildung im Neunzehnten Jahrhun 
dert 5), Göttingen 1973, S. 184-203, hier S. 240.
	        
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