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Volltext: Centralblatt für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, 6.1901

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B. Referate. Ethnologie. 
diesen Zahlen Schlüsse zu ziehen, da die Berechnung nach den gleichzeitig 
Lebenden gemacht sein müsste. Die einzelnen Statistiken über die Todesarten 
wechseln zu sehr, als dass sie gewisse Beziehungen ergeben könnten. Die meisten 
Selbstmorde fielen auch hier in die warmen Monate April bis Juli (siehe das Referat 
über Leubuscher, zur Selbstmordstatistik, diese Zeitschrift, Jahrgang Y, Nr. 137). 
Geisteskrankheit war nur bei 5,3 °/ 0 höchstens 7,3 % festzustellen, eine Zahl, 
welche sicher als zu niedrig angenommen werden muss (Ref.). Yerf. wendet sich 
gegen die behauptete erbliche Übertragung des Selbstmordes und betont mit vollem 
Recht die sich im Selbstmord aussprechende abnorme Reaktionsweise auf geringste 
Anlässe, welche eine besondere Ursache haben müsse. Als solche hat er nun 
gefunden, dass in 24,3 °/ 0 die Selbstmörder zur Zeit der That von fiebernden Krank 
heiten befallen waren, dass ferner 47,4 °/ 0 der Frauen entweder gerade menstruierte, 
Schwangere oder Wöchnerinnen waren, physiologische Zustände, welche aber an 
sich bekanntermaassen Veranlassung zu krankhaftem psychischem Verhalten geben. 
Dem Alkoholismus ergeben waren 55,2 °/ 0 Männer und 10 °| 0 Frauen. Ausserdem 
spielten Morphinismus, Neuralgien und Syphilis nur eine untergeordnete Rolle. 
Alles in allem fand Heller „mässige, möglicherweise die Zurechnungsfähigkeit 
beeinträchtigende Befunde inl8°| 0 ; starke die Zurechnungsfähigkeit beeinträchtigende 
Befunde in 43°/ 0 .“ Also in fast der Hälfte der Fälle musste die Zurechnungs 
fähigkeit bei Begehung der That ausgeschlossen werden! Heller verlangt die 
obligatorische Sektion in allen Fällen von Selbstmord. — Ob die Beziehungen, 
welche Verf. zwischen Sektionsbefund und Selbstmord errichtet, verallgemeinert 
werden können, muss weiteres Material ergeben. Jedenfalls aber ist es sein 
Verdienst, in der Selbstmordfrage der Forschung neue Bahnen gezeigt zu haben, 
welche auch anthropologisch von hohem Interesse sein dürften. 
Dr. Kellner-Hubertnsburg. 
II. Ethnologie. 
A. Allgemeines. 
139. V. Jaekel: Studien zur vergleichenden Völkerkunde. Mit be 
sonderer Berücksichtigung des Frauenlebens. Berlin, S. Cron- 
bach. 1901. 8°. YII und 144 Seiten. 
Bei der grossen Anzahl der bis jetzt erschienenen ethnologischen Litteratur 
ist es notwendig, von Zeit zu Zeit wieder zusammenfassende Werke zu besitzen, 
die aus der grossen Masse vorhandener Thatsachen allgemeine Schlüsse ziehen. 
Ein solches Buch liegt nun in dem Jaekels vor, denn derselbe behandelt unter den 
16 Thematen, die er sich gewählt, nicht weniger als zwölf, von denen eine 
Zusammenstellung überhaupt noch nie versucht wurde. Da Verf. eine grosse 
Litteraturkenntnis besitzt, so haben seine Schlüsse und Folgerungen auch wirklich 
einen Nutzen für den Ethnologen. Besonders ist es das interessante Gebiet des 
Frauenlebens, das heute trotz Ploss und Anderer noch immer zu wenig durch 
forscht ist, was uns Verf. vorführt.
	        
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