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Volltext: Zeitschrift für Volkskunde, 52.1955

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Der Plan eines westfälischen Freilichtmuseums 
Von Bruno Schier, Münster/Westf. 
An der Wiege aller Bemühungen zur Begründung von Museen und 
Freilichtmuseen steht sozusagen ein eschatologisches Erlebnis, näm 
lich das schmerzliche Bewußtsein von dem unabwendbaren Dahin 
schwinden aller Äußerungen unserer alten Yolkskultur, das minde 
stens seit den Tagen Einhards, des Biographen Karls des Großen, 
alle verantwortungsbewußten Menschen des Abendlandes unablässig 
quält. Volkstümlich ausgedrückt, ist es die Sorge um den Untergang 
der „Guten alten Zeit“, die fast jede Generation in die Epoche ihrer 
Großväter verlegt. Diese latente Untergangsstimmung erhielt ihre 
besondere Weihe, seit die deutsche Romantik die Welt des Mittel 
alters wiederentdeckt und als einen körperlich-seelischen Kosmos 
von einzigartiger Geschlossenheit erkannt hatte. 
Nachdem der von Herder angeregte Weckruf Johann Georg Sulzers 
(1720-1779) zur Anlage musealer Sammlungen vom Jahre 1771 un- 
gehört verhallt war, kommt Johann Wolf gang von Goethe sowie 
dem Freiherrn vom Stein das Verdienst zu, dem Museumsgedanken 
in Deutschland erfolgreich die Bahn gebrochen zu haben. Goethes 
Rheinreise mit dem Freiherrn vom Stein im Jahre 1815 war der 
äußere Anlaß seines Aufsatzes über „Kunst und Altertum am Rhein, 
Main und Neckar“, in dem der Sinn künftiger „Heimatmuseen“ 
darin gesehen wird, den Besuchern vom Boden des heimatlichen 
Natur- und Kulturerlebens aus eine weltweite Kenntnis der Mensch 
heitsentwicklung zu vermitteln. 
Dieser Gedanke wurde mit besonderem Erfolg von dem Preußischen 
Staatskanzler Karl August Fürst von Hardenberg (1750-1822) auf 
gegriffen, der im Jahre 1820 das „Rheinische Museum vaterländischer 
Altertümer“ in Bonn begründete und damit seit 1822 den Anstoß 
zur allmählichen Entfaltung des „Westfälischen Landesmuseums“ 
in Münster gab. So dürfen das Rheinland und Westfalen für sich 
das Verdienst in Anspruch nehmen, auf deutschem Boden die Ge 
burtsstätte des modernen Museumsgedankens zu sein. 
Waren die ältesten Museen, die sich nach dem Plane Goethes, Steins 
und Hardenbergs entwickelten, noch vorwiegend auf die Sammlung 
höfischer und oberschichtlicher Kulturdenkmale eingestellt, so 
stammt doch auch der zweite Gedankenstrom, welcher die Pflege 
des bäuerlichen und unterschichtlichen Kulturgutes begünstigte, aus
	        
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