20 Friedr. Kofler:
ciellen Bericht stützt, den er auch anführt, dass dieselben noch lange nach
der Eroberung bewohnt waren.
Um einen eigentlichen und sicheren Grund der Behauptung aufstellen
zu können, wäre es vor allen Dingen nothwendig nachzuweisen, ob die Mo-
numentalbauten, welche die Spanier an der Küste vorfanden und welche zur
Zeit bewohnt waren, derselben Periode angehörten, wie die im Innern des
Landes, und ob sie auch in der Architectur mit diesen übereinstimmten. Die
Beschreibungen, welche sie uns von dem Aeusseren jener Bauwerke liefern,
scheinen auf eine genaue Aehnlichkeit hinzuweisen, und die Bildwerke in
den Tempeln erinnern uns lebhaft an Uxmal, Chichen und Palenque; die
Berichte erwähnen aber Nichts von den wunderbaren inneren Einrichtungen,
der ,boveda“, das ist ein Spitzbogen-Gewölbe, dem Gothischen ähnlich,
vielleicht sogar eine Nachahmung desselben. Ich habe jedoch Gelegenheit
gehabt mich hinreichend zu überzeugen, dass diese Eigenthümlichkeit, so-
wohl bei den Gebäuden an der Küste, wie im Innern vorkommt, und ich
halte mich daher für berechtigt zu sagen, dass diese Monumentalbauten in
ihrem Charakter identisch sind.
Es entsteht nun die Frage: Stammen sie denn aus gleicher Zeit? Hier-
bei muss ich zuerst bemerken, dass alle Monumentalbauten an der Küste
weit mehr zerfallen sind, als die im Innern des Landes; die Pyramiden
stehen noch, aber zu Cozumel, Silan, Campeachy, Carmen, Centla und
Tonala sind die einst darauf ruhenden Oberbauten verschwunden. Dies be-
weist jedoch keineswegs eine Verschiedenheit im Alter; die eine mag nicht
mehr denn die andere zerstört worden und der Einwirkung der Zeit mag
allein die Schuld an dem Unterschiede in dem gegenwärtigen Zustande bei-
zumessen sein.
Meine letzte Entdeckung machte ich, wie schon bemerkt, zu Comal-
calco, in 18° 15’ nördlicher Breite und nordwestlich von San Juan Bautista,
der jetzigen Hauptstadt Tabasco's, zwischen der Barre von Chiltepec und
Dos Brazos und an den Ufern des Rio Seco. Hier, zu Comalealco, fand ich
die Ueberreste einer bedeutenden Stadt. Tausende von Pyramiden von un-
geheuren Dimensionen breiten sich in nordóstlicher Richtung aus, über-
schreiten die Lagune von Mecoacan, und ihr Zug setzt sich noch über die
Insel Bellote fort, weithin bis zum Meere. Ich wählte mir eine der Pyra-
miden zur Untersuchung und zum Studium. Sie ist, wie ich hórte, noch
eine der wenigen, auf der sich Ueberreste von Gebáuden zeigen. Von un-
regelmüssiger Form, misst sie an einer Stelle gegen 300 Ellen (yards) im
Durchmesser, das Plateau auf ihrer Spitze beinahe 200 Ellen auf jeder Seite.
Auf diesem Plateau standen einst einige sehr grosse Gebäude; eins dersel-
ben ist ein Palast mit einer Front von 80 Ellen Länge. Auf den beiden
Seiten, im Süden und Westen, wird der Bau überragt von zwei viereckigen
Thürmen, ähnlich den Thürmen zu Palenque, nur reicher verziert und gross-
arüger. Von den Zimmern dieses Palastes ist nur noch eins erhalten, doch
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