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Volltext: Jahrbuch für Volkskunde und Kulturgeschichte, 9=24.1981

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PETRA CLEMENS 
hiérarchie (l’ancienne hiérarchie territoriale) mit ihrem Prinzip der Haupt-, Provinz- 
und Gemeindestädte sollen gleichgroße und gleichberechtigte Gemeinwesen errichtet 
werden, in denen etwa ioooo Menschen leben. Das scheint Dézamy das richtige Maß, 
um einerseits Raum und Bedingungen für wissenschaftliches und künstlerisches Leben 
zu gewähren und andererseits dem dörflichen Milieu nicht zu nahe zu kommen. Die 
Gemeinden verwalten ihre landwirtschaftliche und industrielle Produktion selbst und 
erstatten jährlich Bericht vor der Zentral Verwaltung, die für den notwendigen Aus 
gleich der Gemeinden zuständig ist. 39 40 41 
Die Ablehnung von Kunst und Luxus verdeutlicht den nachhaltigen Einfluß von 
Rousseau - vermittelt über Maréchals literarische Hinterlassenschaft und Buonarrotis 
Wirken - auf die Sozialauffassungen des 19. Jahrhunderts. Analogien in der Argu 
mentation bezüglich dieses Sachverhalts wie in bezug auf die Problematik des gesell 
schaftlichen Fortschritts generell, seine Bestimmung und Bewertung, sind unverkennbar. 
So lehnen die Kommunisten den Luxus nicht nur ab, weil er für sie Ausdruck der 
Lebensweise bürgerlicher Neureicher und feudaler Aristokraten, d. h. maßloser, perver 
tierter Ansprüche, der Prunksucht und der Verweichlichung ist, sondern vor allem auch 
aus der Erfahrung heraus, daß Luxus zu jener Zeit eine Quelle des Elends und des 
Unrechts für die unteren arbeitenden Schichten bedeutete, ja, daß überhaupt jeder 
kulturelle Fortschritt, darin eingeschlossen Kunst und Wissenschaft, bis dahin mit der 
kulturellen Niederhaltung der großen Mehrheit einher gegangen war. 
Diese Ansicht, die freilich im Vergleich zu Rousseaus Fortschrittsauffassung vulgär 
erscheint, wird deutlich aus einem Sitzungsprotokoll der Humanitaires vom 22. Juli 1841, 
in dem es heißt: „Wir haben einstimmig die Existenz des Fortschritts geleugnet, indem 
wir anerkannten, daß das, was man den Fortschritt nennt, das Unendliche sei, nur 
ewige Vermehrung des Guten und Bösen, die sich gegenseitig, das eine durch das 
andere bekämpfen und keine vollkommene Entwicklung des Guten zulassen, es gleich 
sam leugnen und jede Vervollkommnung zurückstoßen .“' i0 
Der Passus über die Kunst zielt insbesondere auf die Negation der sogenannten 
schönen Künste als zu bezahlender Arbeit. Ähnlich wie S. Maréchal unterscheiden 
die Humanitaires zwischen den schönen Künsten, also der Kunstproduktion im heu 
tigen Sinne, und den nützlichen Künsten als denjenigen Gewerben, die Güter des 
praktischen Bedarfs hersteilen. Während letztere als Berufe, also als zu entlohnende 
Leistungen gesellschaftlich anerkannt werden sollen, dürfen die schönen Künste nur 
noch als unbezahlte Freizeitarbeit ausgeübt werden. Denn der Humanitaire „zählte die 
schönen Künste zu den Bedürfnissen des Genusses und plazierte sie in der Konsequenz 
nach den elementaren Bedürfnissen der menschlichen Existenz und denen der Moral. 
Dézamy teilt diese Konsequenz nicht. Weder sucht er Wichtigkeit oder Unwichtig 
keit der schönen Künste durch den Vergleich zwischen Kunst- und Industrieproduktion 
zu entscheiden noch weist er ihnen lediglich den Charakter einer Freizeitbeschäftigung 
zu. Das hindert ihn jedoch nicht, für die Humanitaires Partei zu ergreifen, als diesen 
39 Ebenda, S. 31 ff. 
40 Zitiert bei Lorenz von Stein, a. a. O., Bd. 2, S. 519. 
41 „II (l’Humanitaire, d. V.) classait les beaux-arts dans la catégorie des besoins d’agrément et les 
plaçait en conséquence après les besoins de nécessité et les besoins moraux.“ Théodore Dézamy, Code 
de la communauté, a. a. O., S. 219.
	        
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