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Rudolf Weinhold
Grimmen, Goldberg, Prerow und Zingst — boten uns reiches Material. Schier un
erschöpflich waren die Bestände der Schweriner Sammlung. Hier, an einer der
Wirkungsstätten RICHARD WossiDLOs, offenbarte sich uns ganz eindringlich die
vorbildliche Leistung dieses Mannes. Er hat das Leben seiner Mecklenburger nicht
nur in seinen Schriften festgehalten. Die volkskundliche Abteilung des Schweriner
Museums belegt überzeugend, welche Sorgfalt er auch den Äußerungen ihrer Sach-
kultur zuwandte. Nichts ist ihm entgangen, kein Ding zu klein oder zu bedeutungslos
erschienen — alles hat seinen Platz in dieser wahrhaften Schatzkammer des Volksgutes
gefunden. Dabei ließ sich Wossidlo in seiner Tätigkeit als Sammler von streng wissen
schaftlichen Gesichtspunkten leiten. Das offenbart sich schon in den beiden umfang
reichen Tagebüchern, die handschriftliche Notizen zu jedem von ihm erworbenen
Gegenstand enthalten. Besonders eindringlich aber beweist sich die Gründlichkeit
seiner Bestandaufnahme in der Tatsache, daß eben nicht nur die künstlerisch erhöhte
Leistung des Volkes Berücksichtigung fand, sondern alles Sachgut seine Aufmerk
samkeit erregte und seinen gebührenden Platz im Museum erhielt. In zahlreichen
Kojen und Stuben dokumentiert sich das Leben des mecklenburgischen Land
volkes: sein Werken im Tageslauf, seine Kleidung und Wohnung und natürlich auch
sein bildnerisches Schaffen in den verschiedensten Materialien, seine kleinen und
großen Freuden in Spiel und Fest. Und bieten schon die Ausstellungsräume dem
Besucher mannigfache Erkenntnis, so gibt die überquellende Fülle des Magazins durch
Zahl und Vielfalt der Stücke dem Wissenschaftler immer neue Anregungen zu Studium
und Forschung.
Durch diese ethnographische Vollständigkeit unterscheidet sich die Wossidlo-
sche Sammlung in erfreulicher Weise von vielen Museen, deren Bestände nach rein
ästhetischen Gesichtspunkten zusammengetragen worden sind. Nur in wenigen
deutschen Sammlungen findet man zum Beispiel eine so lückenlose Darstellung des
bäuerlichen Gerätes vergangener Zeiten wie in Schwerin. Hervorzuheben ist dabei
die musterhafte Aufstellung des Materials, die einen guten Überblick zu den Themen
von Haus- und Feldarbeit bietet.
Freilich, und das liegt an den räumlichen Grenzen, die Wossidlo sich in seiner
Tätigkeit gesetzt hatte, sind auch hier nur Teile unseres Studiengebietes erfaßt
worden. Der Osten des Landes harrt vorläufig einer ähnlich gründlichen Sichtung
und wird für den aufmerksamen Sammler noch manche Überraschung bereithalten.
Wir mußten uns im Augenblick mit dem begnügen, was schon zusammengetragen
war. Feldforschungen, die uns auch über die Funktion der Geräte genauer unter
richten werden, ikonographische Beobachtungen und Archivstudien müssen dieses
Bild ergänzen und unter Umständen berichtigen. Dieser zweite Schritt jedoch ist erst
möglich, wenn durch Museumsaufnahmen gewissermaßen ein Gerüst geschaffen
ist, das erste, grundsätzliche Erkenntnisse zu vermitteln in der Lage ist und somit
Anhalt gewährt für weitere Erhebungen.
Diese Einschränkung mußte vorausgeschickt werden, wenn wir es unternehmen,
einige Beispiele unserer mecklenburgischen Belege darzustellen und nach vorläufigem
Wissen zu erläutern. Sie sind vor allem den Themenkreisen der Feldbestellung, det
Bewahrung und Verarbeitung der Ernteerzeugnisse, der Torfgewinnung, der Milch -