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Volltext: Sociologus, N.F. 29/31.1979/81

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Buchbesprechungen 
Es ist nun möglich, daß diese Vielfalt dazu beigetragen hat, das Lesen der 
Arbeit sowie den exakten Nachvollzug der Argumentationen mitunter etwas 
mühevoll zu machen. Das hat weniger mit Ausdrucksweise bzw. Wortwahl 
zu tun, d. h. es herrscht kein Fach jargon. Dennoch ist die Absicht des Autors, 
die in dem Satz „die Darstellungsweise soll Verständlichkeit ermöglichen“ 
(S. 14) zutagetritt, nicht voll „durchgeschlagen“. Zum einen hätte angesichts 
der erwähnten Fülle des Behandelten die Gliederung noch differenzierter 
sein müssen (obwohl sie auch jetzt schon nicht etwa grobschlächtig ist), doch 
wäre das zweifellos nur durch ein Überdenken der gesamten Darstellungs 
konzeption zu erreichen. Außerdem sind Abschnitte, die über mehr als 1 V2 
Seiten gehen, mit Sätzen, die z. T. sieben oder noch mehr Zeilen lang sind, 
ziemlich strapaziös. Zum anderen ist der Text mit Nennungen von bzw. Hin 
weisen auf Ergebnisse der verschiedensten Wissenschaften, deren Kenntnis 
anscheinend voraugesetzt wird, an einigen Stellen so angefüllt, daß sich dar 
aus für viele Leser Orientierungsfragen ergeben dürften. Wer mit den Pro 
blemen einer allgemeinen Anthropologie vertraut ist, wird diese Mühe zwar 
kaum haben, aber wer ist das bei der heutigen fachwissenschaftlichen Zer 
splitterung schon? Den Äußerungen von Claessens ist jedenfalls zu entneh 
men, daß er an einen breiteren, wenn auch wohl im wesentlichen aus Wissen 
schaftlern bestehenden, Leserkreis gedacht hat. 
Die inhaltliche Durchführung erscheint konsequent, selbstverständlich mit 
den stets vorhandenen Möglichkeiten, hier oder dort Veränderungen für 
besser zu halten, doch geht das kaum über „Geschmackssachen“ hinaus. Auch 
mit den erarbeiteten Thesen bzw. Hypothesen an und für sich soll hier nicht 
gerechtet werden. Der Rezensent hätte zwar eine ganze Menge, auch Ab 
weichendes, dazu zu sagen, doch würde das bei der angedeuteten Komplexi 
tät der Arbeit den Rahmen einer Rezension weit überschreiten, wenn es nicht 
ganz fragmentarisch und zusammenhanglos bleiben soll. Manches in dieser 
Richtung ergibt sich allerdings mit einer gewissen Automatik aus den folgen 
den Bemerkungen zu vorausgesetzten Hypothesen/Thesen und zur Material 
basis dieser „deduktiven Anthropologie“. 
Oben wurde das Buch als in entscheidenden Hinsichten spekulativ bezeich 
net, natürlich nicht als Kritik, denn das ist bei dem Thema unvermeidlich. 
Immerhin lassen sich in diesem Zusammenhang bestimmte Einwendungen 
Vorbringen, die sich also nicht gegen die Spekulation an sich, sozusagen als 
„Qualität“, richten, sondern gleichsam von „quantitativer“ Art sind. 
So gibt es nicht selten lange „Spekulations-Ketten“, aus denen plötzlich 
Folgerungen gezogen werden, die dann die Basis für (scheinbar) positive 
Feststellungen abgeben. Das ist am besten durch ein etwas längeres Zitat zu 
illustrieren. Im Zusammenhang mit der These, daß die Erlebnisse früher 
Menschen mit Bestandteilen ihrer natürlichen und sozialen Umwelt emotio 
nale Reaktionen und damit verbunden lautliche Reaktionen hervorriefen, 
wird gesagt (Hvhbg. v. Rez.): 
„Daß eine solche Innen-/Außen-Situation auch lautlich bewältigt wird, 
muß angenommen werden. So wird es sicher schon sehr früh eine lautliche 
Untermalung von Trauer gegeben haben. ... Laute wurden sicher auch ver 
wendet, um Fundstellen mitzuteilen, Überraschung, Verwunderung auszu 
drücken. Eine lautliche ,Untermalung* ... gemeinsamer Anstrengung liegt 
ebenso nahe ... die reguläre Arbeit in unserem Sinn — wird sich ... in dem 
Maße in das Leben der Menschen hineingeschoben haben, in dem reguläre 
Aufgaben entwickelt wurden. ... Da das lautliche Untermalen von Tätigkei
	        
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