Digitalisate

Hier finden Sie digitalisierte Ausgaben ethnologischer Zeitschriften und Monografien. Informationen zum Digitalisierungsprojekt finden Sie [hier].

Suchen in

Bibliographische Daten: Tribus, 12.1963,N.F.

230 
Buchbesprechungen 
idealtypisch zu steigern. Jedenfalls: ein erster 
mutiger Schritt in Richtung auf eine Metho 
dologie der Feldforschung ist getan; hoffen 
wir, daß ihm andere bald folgen. 
L. G. Löffler 
LOBZANG JIVAKA: 
Imji Getsul. An english Buddhist in a Tibe- 
tan Monastery. London: Routledge and 
Kegan Paul. 1962. 201 S., 13 Abb., 1 Karte 
und 1 Glossar (S. 1—7). 
Dieses Buch, aus täglichen Niederschriften 
entstanden, ist der Bericht eines Europäers 
(Dr. Laurence Michael Dillon), der unter 
einem Klosternamen einige Zeit als Mönch 
in dem für strenge Klosterzucht bekannten 
Lamakloster Ri-tshong in Ladvags (Ladak) 
gelebt und sich dort als dGe-tshul (Novize) 
der Klostererziehung in aller ihrer Härte 
unterworfen hat (z. Klostererziehung vgl. 
auch M. E. Miller, Educational Practices of 
Tibet Lama Training, in: Folklore Studies, 
Vol. XVI, 1957). Dadurch unterscheidet sich 
diese Veröffentlichung, die man gut mit Theos 
Bernard, Land of a Thousand Buddhas, Lon 
don 1957, lesen kann, von fachwissenschaft 
lichen Abhandlungen und gibt lebendige Ein 
blicke in das Herzstück des Lamaismus, der 
die tibetische Kultur weitgehend geprägt hat. 
Den Ethnologen werden besonders die Er 
fahrungen mit der Mentalität des Tibeters, 
wie sie ein vorbehaltloses Zusammenleben in 
einem Konvent mit sich bringen muß, von 
Wert sein. 
Da der Verfasser in Ri-tshong (Rizong) 
seine Mönchslaufbahn In der Klosterküche 
begann, finden wir auch einige Angaben zur 
materiellen Kultur Tibets (Kap. 3 und 4: Zu 
bereitung des Tees mit dem Do-mo-Misch- 
gefäß, der Thug-pa genannten Gemüsesuppe 
und der Mittagsmahlzelt mit den berühmten 
rTsam-pa (Tsamba)-Klößchen, Par-pa ge 
nannt. Daneben wird die Herstellung von 
Tinte, Papier und Druckschriften erwähnt 
(S. 141 f.). Einen breiten Raum nehmen na 
türlich die Berichte über die religiösen Zeremo 
nien ein (S. 124: Angaben über verschiedene 
Initiationen, tib.: dBang [-skur]; S. 129 ff.: 
über die Inkarnationen, tib.: sPrul-sku, wobei 
beachtlich ist, daß die Inkarnation ein und 
derselben Gottheit zugleich auf den verschie 
denen Wirklichkeitsebenen buddhistischer 
Weltanschauung, das heißt im Dharmakäya, 
Sambhogakäya und Nirmanakäya, stattfin 
den kann, daß ferner der Dalai-Lama beim 
Aussterben einer Inkarnationsreihe eines Klo 
sters irgendeine Wiedergeburt zur Begrün 
dung einer neuen Inkarnationsfolge einsetzen 
kann. Den Ethnologen dürften aber vornehm 
lich die Regenmacher-Lamas in Kap. 7 inter 
essieren. Wenn bei den entsprechenden Zere 
monien ein philosophisches Werk des Refor 
mators Tsong-kha-pa (1357—1419) verlesen 
wird, obwohl dieses mit dem Wettermachen 
gar nichts zu tun hat, so muß das nach den 
Erklärungen, die von den Lamas gegeben 
wurden, in der Absicht einer Unterstützung 
der Konzentration begründet sein, die selbst 
ganz und gar auf den erbetenen Regen ein 
gestellt ist. Obwohl sich der Verfasser von 
der erfolgreichen Wirksamkeit der Wetter 
macher überzeugt weiß, was mit der Auffas 
sung auch anderer europäischer Augenzeugen 
übereinstimmt, so lehnt er es doch ab, andere, 
sogenannte übernatürliche, Fähigkeiten im 
Spiele zu sehen als eine erstaunliche Konzen 
trationskraft. Wir werden hier an die Berichte 
über den berühmten tibetischen Dichter- 
Yogi Mi-Ia-ras-pa (Milarepa, 1040—1123) 
erinnert, von dessen Lebensbeschreibung (tib.: 
rNam-thar) der Autor 1962 in London eine 
Ausgabe (’’The Life of Milarepa“) veranstal 
tet hat (vgl. S. Hummel, Mi-la-ras-pa und 
die bKa’-rgyud-pa. Einige Neuerscheinungen 
und Neuauflagen auf dem Büchertisch, in: 
Kairos, Salzburg 1963). Ein Bild mit Lamas 
beim Regcnzeremoniell zeigt H. Haslund- 
Christensen, Jabonah, Leipzig o. J., Abb. 113. 
— Zum Regcnzeremoniell (tib.: Char-’bebs) 
vgl. auch Ch. Bell, The People of Tibet, Ox 
ford 1928, S. 37 f. Nach F. Grenard, Tibet, 
London 1904, S. 322, benutzen manche Re 
genmacherlamas einen Stein, Chu-shel (Mond 
stein?) genannt. Der Mond gilt als Wasser 
halter (vgl. S. Hummel, Euras. Traditionen 
in der tibet. Bon-Religion, in: Opusc. Ethn. 
Mem. Lud. Biro Sacra, Budapest 1959, S. 
193). Ein Regenzauberritual befindet sich im 
Hevajra-tantra (cd. D. L. Snellgrove, The 
Hevajra Tantra, London 1959, Vol. I, S. 
51 f.). 
Da das vorliegende Buch, in geschmackvol 
lem Ganzleinen, nicht auf unglaubwürdige 
Sensationen ausgerichtet ist, wird es einen gu 
ten Platz auch in der Bücherei des Ethnolo 
gen haben können. 
S. Hummel
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.