Digitalisate

Hier finden Sie digitalisierte Ausgaben ethnologischer Zeitschriften und Monografien. Informationen zum Digitalisierungsprojekt finden Sie [hier].

Suchen in

Volltext: Deutsches Jahrbuch für Volkskunde, 2.1956

274 
Lutz Röhrich 
14. Oberweißbach (Kr. Neuhaus): Fröbelgedenkstätte; Leiter O. Leitholf. 
15. Renthendorf (Kr. Stadtroda): Brehm-Gedenkstätte; Leitung z. Z. unbesetzt. 
16. Stützerbach (Kr. Ilmenau): Goethe-Häuschen (privat). 
17. Weimar: Goethe- und Schiller-Gedenkstätten; Direktor Holtzhauer. 
18. Weimar: Nationale Gedenkstätte Buchenwald; Leiter Schaak. 
Die Kreise Altenburg und Schmölln gehören seit 1952 zum Bezirk Leipzig und sind daher 
hier nicht aufgeführt worden. 
Lutz Röhrich — Mainz 
Die Märchenforschung seit dem Jahre 1945 
Zweiter Teil 
§ 6 Gesamtdarstellungen 
Als eine der wichtigsten Neuerscheinungen darf man Max Lüthis Darstellung des 
europäischen Volksmärchens bezeichnen 1 ). Das äußerst anregende Buch bringt eine Fülle 
der feinsten Beobachtungen am Märchen, die der Märchenforschung wirklich neue Gesichts 
punkte geben. An einzelnen Punkten scheinen freilich Ergänzungen nötig, denn so nützlich 
Lüthis Beobachtungen sind, und so richtig sie die Erscheinungen registrieren, fragen sie 
doch nicht nach deren „Warum?“. Es handelt sich bei Lüthis Arbeit um keine eigentlich 
volkskundliche Untersuchung. Der Berner Literarhistoriker urteilt vielmehr bewußt als 
Literaturwissenschaftler, was sein Buch jedoch für den folkloristischen Märchenforscher 
nicht weniger interessant macht. Lüthi lehnt es ab, das Märchen vom Inhaltlichen her zu 
fassen, und ihn interessiert es nicht als Geschichtsquelle, nicht volkskundlich, Völker- und 
religionspsychologisch oder philologisch, sondern lediglich als Erzählung. Auch die Einzel 
motive beschäftigen den Yerf. nicht, geschweige denn ihre Geschichte, sondern nur die 
Art, wie das Märchen sie verwendet. Weil Lüthi auch nicht die einzelnen ethnischen Aus 
prägungen sucht, sondern die Grundform, die allen europäischen Märchen gemeinsam ist,, 
beruht seine Darstellung nur auf einigen ausgewählten Sammlungen meist aus der Reihe 
der Märchen der Weltliteratur, womit allerdings nur Buchtexte und keine erzählergetreuen 
Sammlungen benutzt worden sind. 
Es ist modern geworden, alles unter einem europäischen Gesichtspunkt zu betrachten,, 
und dies ist auch zweifellos ein Fortschritt gegenüber der nur nationalen Betrachtungsweise: 
der älteren Volkskunde. Günters Abendländische Legende, Danckerts Europäisches Volks 
lied, WlORAs Europäischer Volksgesang, Bosserts Europäische Volkskunst und die Wall 
fahrtsorte Europas von Kriss sind parallele wissenschaftliche Erscheinungen zu Lüthis 
Europäischem Volksmärchen. Aber das spezifisch Europäische am Märchen wird bei Lüthi 
leider nicht mit dem Märchen der Naturvölker konfrontiert, was längst einmal unter 
nommen werden müßte, jedoch sehr genaue folkloristische und zugleich ethnologische 
Kenntnisse verlangt. Es fragt sich nämlich, ob die Erzählungen orientalischer und primi 
tiver Völker so sehr „Gebilde eigener Art“ sind, wie Lüthi schreibt, daß sie bei einer 
Betrachtung des Märchens abseits stehen müßten. Vielmehr lassen gerade die Märchen der 
Naturvölker auch für die Entwicklungsgeschichte des europäischen Märchens wichtige 
Rückschlüsse zu. Das Märchen ist nicht an einen Kontinent gebunden, weshalb man ein 
europäisches Volksmärchen nicht zu streng absondern darf. 
x ) Max Lüthi: Das europäische Volksmärchen. Form und Wesen. Eine literaturwissen 
schaftliche Darstellung. Bern 1947.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.