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Volltext: Globus, 51.1887

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Cecchi's Reisewerk: Von Zeila bis an die Grenzen von Kaffa. 
zu befehligen gedenke, auch sicher durch die Gallaländer 
bringen werde. Was es mit dieser überraschenden Bereit 
willigkeit ans sich hatte, sollte sich bald zeigen. Nur mit 
größter Mühe und unter Anwendung von allerhand kleinen 
Kriegslisten hatte Antinori es bis setzt möglich gemacht, 
etwa fünfzig im vorigen Jahre mitgebrachte und für die 
Ausrüstung der Expedition bestimmte Karabiner vor der 
Begehrlichkeit des Königs zu schützen. Nun wurde ihm der 
endlich für sicher gehaltene Schatz zur Bewaffnung für die 
versprochene Eskorte abgefordert, und gegen diesen klug 
ausgedachten Vorwand gab es kein Remonstriren. 
Die oft und viel gerühmte Anerkennung, die König 
Menilek der europäischen Kultur zollen soll, gipfelte 
nach Cecchi's Schilderung damals auch schon in der 
höchsten Wertbschätzung der europäischen Feuerwaffen und 
in dem unermüdlichen Bestreben, sich auf die eine oder die 
andere Weise möglichst viele derselben zu verschaffen. Diese 
zeitgemäße und bei einem Herrscher von Menilek's kriege 
rischen Neigungen doppelt begreifliche Vorliebe war durch 
das Kriegsglück des Kaisers Johannes, der im Jahre zuvor 
den Aegyptern 15000 Remington-Gewehre abgenommen 
hatte, noch bedeutend verstärkt worden. Hand in Hand 
mit ihr ging freilich ein kindisches Vergnügen an allerhand 
Spielereien und Thorheiten, die, bis sie den Reiz der 
Neuheit verloren hatten, den König tagelang beschäftigen 
und die Geduld der zur Theilnahme herangezogenen Europäer 
auf eine schwere Probe stellen konnten. Unter den von 
Cecchi überbrachten Geschenken fand neben einigen Jagd 
gewehren und Pistolen neuerer Systeme namentlich eine 
Laterna magica den höchsten Beifall, und als ganz unver 
geßlich schildert der Reisende den Abend, an welchem der 
König vor Freude über die an der Wand erscheinenden 
komischen Bilder sich im Vereine mit mehreren seiner 
höchsten Beamten in toller Ausgelassenheit am Boden 
wälzte. Eine eigenthümliche Verwendung fanden die durch 
je ein vollständiges Exemplar repräsentirten Uniformen 
sämmtlicher Regimenter der italienischen Armee, die als 
besondere Ehrengabe „dem befreundeten Fürsten" dar 
gebracht wurden. Menilek ordnete ihre sofortige Ver- 
theilung unter die höchsten Mitglieder des Klerus an, und 
seitdem kann man — eine treffende Illustration des bis 
zur Unkenntlichkeit entstellten und verzerrten Christenthums 
von Abessinien — die schoanischen Bischöfe und Erzpriester, 
als italienische Dragoner, Kürassiere n. s. w. verkleidet, 
mit Helm oder Käppi anstatt der Mitra ans dem Haupte, 
den Gottesdienst abhalten oder das Abendmahl austheilen 
sehen. 
Während nach wenigen Tagen der Ruhe die kleine 
italienische Kolonie in Let-Marefia sich eifrig mit den Vor 
bereitungen für die ans das Ende des Monats festgesetzte 
Abreise zu beschäftigen begann, trat das erste jener langen 
Reihe von Hindernissen ein, die den Abgang der Expedition 
bis zum Mai des nächsten Jahres hinausschieben sollten. 
Einige der an der Südgrenze des Reiches, am Hawash, 
wohnenden Gallastämme waren mit einander in Krieg ge 
rathen, das Passiren jenes Gebietes deshalb unmöglich. 
Um die Ruhe wieder herzustellen und zugleich den Statt 
halter (Ras) jener Provinz zu bestrafen, unternahm Menilek 
mit einem ansehnlichen Heere einen Kriegszug nach dem 
Hawash, von dem er nach kaum drei Wochen siegreich und 
mit einer Beute von fast 18 000 Stück Vieh heimkehrte. 
Der November war inzwischen herangekommen, und von 
einem Tage zum anderen erwarteten nun die Reisenden von 
dem durch seinen Erfolg in besonders gehobene Stimmung 
versetzten Könige die Erlaubniß zur Abreise zu erhalten. 
Sie warteten vergeblich; denn in einer Weise, die dem 
größten Diplomaten Ehre gemacht haben würde, wußte 
Menilek ihren fast täglich erneuerten Bitten und Anfragen 
auszuweichen. Bald schien ihm das ganze Unternehmen zu 
gefährlich und ein weiteres Ueberlegen noch geboten, bald 
konnte er die Maulthiere, die er für die Karawane liefern 
wollte, nicht erhalten, bald wollte er das Eintreffen eines 
besonders zuverlässigen Begleiters für die Expedition ab 
warten. Zuletzt gab er sich nicht mehr die Mühe, einen 
Vorwand zu ersinnen, stellte sich ihren Fragen gegenüber 
einfach taub und sprach freundlich und scheinbar unbefangen 
von anderen Dingen. 
Der Aerger der Reisenden war schon aufs Höchste ge 
stiegen, als der König plötzlich am 15. November ihnen sehr 
entschieden erklärte, er könne seine Zustimmung zu der 
Expedition nur unter der Bedingung ertheilen, daß Martini 
noch einmal nach Italien gesandt werde, um ihm dort eine 
bestimmte Anzahl von Gewehren zu verschaffen. Alle Ein 
wendungen Antinori's und des sonst von dem Könige hoch 
verehrten Bischofs Massaja scheiterten an dem kindischen 
Eigensinn des Herrschers. Martini's Abreise wurde auf 
die ersten Tage des December festgesetzt, bis wohin der 
goldene Filigranschmuck, den Menilek dem Könige von 
Italien zu übersenden gedachte, fertig sein würde. Unmittel 
bar daraus sollte dann die Expedition, mit allem Nöthigen 
reich versehen, unter sicherem Schutze ihren Marsch nach 
Süden antreten, und endlich auch die Urkunde aufgesetzt 
werden, durch welche die Niederlassung in Let-Marefia mit 
den dazu gehörigen 95 Hektaren kultnrfühigen Landes zum 
festen Eigenthume der italienischen Krone gemacht werden 
würde. Daß die Expedition durch diese Abordnung Mar 
tini's eines muthigen und unternehmenden Mitgliedes beraubt 
werden sollte, war ein Mißgeschick, das die klebrigen um so 
schwerer empfanden, als auch Antinori durch seinen Gesund 
heitszustand an der Theilnahme verhindert wurde. Eine 
Schnßverletzung an der rechten Hand, die er vor einigen 
Monaten sich zugezogen, hatte ihn nicht nur des Gebrauches 
der Hand bis jetzt gänzlich beraubt, sondern noch allerhand 
andere Leiden zur Folge gehabt, die in seinem Alter und 
bei der immerhin nur mangelhaften Pflege gar leicht jetzt 
schon einen ernsthaften Charakter annehmen konnten. So 
blieben einstweilen nur Cecchi und Chiarini für das so groß 
geplante Unternehmen übrig; denn auch die drei italienischen 
Diener, deren Reiselust durch alles bisher Erlebte gründlich 
abgekühlt war, zogen es vor, unter dem Schutze der mili 
tärischen Eskorte, die Martini nach Zeila begleiten und 
seine Rückkunft dort erwarten sollte, nach Italien zurück 
zukehren. Mit dem festen Versprechen, den sehr wider 
Willen übernommenen Auftrag möglichst rasch zu erledigen, 
um den Gefährten noch nachfolgen zu können, verließ Mar 
tini am 2. December Litsche. Wie zu erwarten stand, dachte 
Menilek auch nun nicht daran, sein Versprechen der sofor 
tigen Ausrüstung der Expedition zu halten. Lange Ver 
handlungen über die von den Reisenden noch benöthigte 
Summe, über die Zahl der Lastthiere u. s. w. füllten die 
nächsten Wochen aus, und als endlich die Sache dem Ab 
schluß nahe schien, kam abermals die Nachricht von einen: 
Aufstande in einer der Gallaprovinzen des Königreiches. 
Der Statthalter dieser Provinz, Ras Maschascha, war ein 
Vetter des Königs und von diesem wegen seiner offenkun 
digen Absichten auf den Thron von Schon schon einmal 
jahrelang gefangen gehalten worden. Jetzt konnte der Auf 
ruhr in der ihm unterstellten Provinz ihn leicht zur Wieder 
aufnahme jener alten Pläne veranlassen, und um dieser 
Gefahr vorzubeugen, ging Menilek am 17. December wieder 
mit einem starken Heere nach jener Provinz ab. Durch 
erbarmungsloses Morden, Verwüsten des Landes und Nieder
	        
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