Digitalisate

Hier finden Sie digitalisierte Ausgaben ethnologischer Zeitschriften und Monografien. Informationen zum Digitalisierungsprojekt finden Sie [hier].

Suchen in

Volltext: Jahrbuch für Volkskunde und Kulturgeschichte, 4=19.1976

232 
Besprechungen 
Kultur und Lebensweise des Proletariats. Kulturhistorisch-volkskundliche Studien und Materialien. 
Hrsg, vom Bereich Ethnographie, Sektion Geschichte der Humboldt-Universität zu Berlin durch 
Wolfgang Jacobeit und Ute Mohrmann. Berlin, Akademie-Verlag, 1973, 2. Aufl. 1974. 298 S. 
Bereits 1971 erschienen in einem Sonderheft der Wissenschaftlichen Zeitschrift der Humboldt- 
Universität zu Berlin Ethnographische Studien zur Lebensweise (Rez. JbfVkKg 16, 1973, S. 232 ff). 
Ihre Autoren waren in der Mehrzahl Museumsleiter, Absolventen des Fernstudiums „Volkskunde“ 
irrt Bereich Ethnographie (Matrikel 1966—1970). Insofern kann der nun vorliegende Sammelband 
als eine Fortsetzung jener Studien angesehen werden. Auch er enthält neben Aufsätzen von Fach 
wissenschaftlern kulturhistorischer Nachbardisziplinen mehrere Beiträge, die aus Diplomarbeiten 
der gleichen Matrikel von Fernstudenten hervorgegangen sind. 
Befaßten sich die Artikel jener ersten Publikation vorwiegend mit der Untersuchung einzelner 
Aspekte der Lebensweise des Proletariats um 1900 und in der sozialistischen Gegenwart, so streben 
die Aufsätze des zweiten Sammelbandes entsprechend dem erweiterten Titel (Kultur und Lebens 
weise) entweder eine komplexere Untersuchung des jeweiligen Themas an, oder sie konzentrieren sich 
auf bestimmte Erscheinungen der kulturellen Betätigung des Proletariats in seinen historischen Ent 
wicklungsphasen. — Die Hrsg, betonen erneut, daß es sich auch bei den vorliegenden „Studien und 
Materialien“ nur um erste Ansätze zu einer Erforschung von Kultur und Lebensweise des Proleta 
riats handeln könne. Im Gegensatz zu anderen sozialistischen Ländern, vor allem der Sowjetunion, 
der CSSR und der VR Polen, stecken derartige Untersuchungen in'der DDR noch weitgehend in 
den Anfängen. Umso verdienstvoller sind der Mut und die Mühe der Hrsg, zu werten, auch Versuche 
und Teilergebnisse „zur Diskussion zu stellen, um so — im Sinne der Forderungen des VIII. Partei 
tages der SED eine breite Öffentlichkeit auf die Notwendigkeit einer intensiveren Erforschung 
von Kultur und Lebensweise der Arbeiterklasse hinzuweisen, eine verstärkte interdisziplinäre Koope 
ration auf diesem Gebiet anzuregen, gleichzeitig aber auch zur ideologischen Auseinandersetzung 
mit der imperialistischen Volkskunde und Kulturgeschichte in der BRD beizutragen“ (Einleitung, 
S. I 3 I .). 
Der Rez. der Ethnographischen Studien wies mit Recht darauf hin, daß „außerhalb der volks 
kundlichen Institutionen an Akademie und Universität ein beachtliches Forschungspotential vor 
handen ist, das es für weitere Forschung nutzbar zu machen gilt“ (a. a. O. S. 235). Doch bilden nach 
meiner Meinung bereits die insgesamt 17 Aufsätze aus beiden Veröffentlichungen eine breite Basis 
für inhaltlich-dokumentarische und methodische Nutzbarmachung. Hier wurde der Versuch unter 
nommen, wichtige Bereiche des progressiven kulturellen Erbes der Arbeiterklasse konkret und ge 
zielt zu untersuchen und damit Forderungen zu erfüllen bzw. Desiderate abzudecken, wie sie auch 
in dem 1972 erschienenen Abriß Zur Geschichte der Kultur und Lebensweise der werktätigen Klassen 
und Schichten des deutschen Volkes vom 11. Jahrhundert bis 1945 genannt werden (= Deutsche Histo 
riker-Gesellschaft. Wiss. Mitteilungen 1972/1—III; Rez. JbfVkKg 17, 1974, S. 258 ff.). Leider erwähnen 
die Hrsg, des hier zu besprechenden Bandes diese umfangreiche Publikation nicht, an deren Konzep 
tion insbesondere der Perioden des Kapitalismus sie doch maßgeblich und mit großer Verantwortung 
beteiligt waren. 
Wie in den Ethnographischen Studien, so wurden auch hier Aufsätze und Materialberichte vor 
wiegend zu drei thematischen Schwerpunkten ausgewählt, welche für die Entwicklung von Kultur 
und Lebensweise des Proletariats von Bedeutung sind und auch im „Abriß“ ein gewichtiges Unter 
suchungsprinzip bilden: 1. Kulturrezeption und kulturelle Betätigung des Proletariats; 2. proleta 
risches außerfamiliäres Gemeinschaftsleben; 3. die proletarische Familie. Ein Teil der Aufsätze befaßt 
sich mit der aus der jeweiligen Stellung im Produktionsprozeß resultierenden ökonomischen und gesell 
schaftlichen „Lage“ des Industrieproletariats, vorwiegend am Ende des 19. Jhs. und in der Weimarer 
Republik, der Basis also, durch die Lebensweise und kulturelle Möglichkeiten der Arbeiterklasse 
geprägt und determiniert wurden. Das Geleitwort des Bandes — ein Zitat aus der Lage der arbei 
tenden Klassen in England — und natürlich das Werk Friedrich Engels 1 selbst bildeten die Grund 
orientierung der Vorlesungen und seminaristischen Übungen während des Fernstudiums. Wie Fried 
rich Engels aber weit über eine Nur-Lagebeschreibung und -einschätzung hinausgeht und „den kapi 
talistisch ausgebeuteten Proletarier als Element der sich formierenden Arbeiterklasse in einer dia 
lektisch-materialistischen und konkret-historischen Analyse seiner Lebensweise, d. h. in der Einheit 
seiner sozialen, politischen und kulturellen Lage“ darstellt (Einleitung S. 7), so bemühen sich auch
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.