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Volltext: Globus, 61/62.1892

Aus allen Erbteilen. 
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Quelle des Manattan, eines Nebenflusses des Ottawa, ist. 
Zwischen beiden befindet sich nur eine niedrige Bodenschwelle, 
von einem sumpfigen alten Flußbett durchzogen, das beide 
Seen verbindet. Seine höchste Erhebung liegt nur 25 Fuß 
über dem Spiegel beider Seen. Dieses Flußbett benutzte 
früher ein Abfluß der großen Seen, der also die Aufgabe 
des heutigen Niagara erfüllte. Seine Existenz ist bewiesen 
durch das Vorhandensein des alten Bettes, in dem außerdem 
noch deutlich an der Nordseite in der Höhe von 50 Fuß eine 
alte Userlinie, durch vorzüglich gerundete Flußgerölle bezeichnet, 
zu sehen ist. Auch die Terrassen, die sich hoch über dem 
heutigen Spiegel des Ottawa 10 Meilen von der Mündung 
des Manattan abwärts befinden, sowie die Verhältnisse an 
der Zusammenflußstelle beider sollen diese Ansicht bestätigen 
und zeigen, daß früher eine sehr viel größere Wassermasse 
hier ihren Weg nahm. Als sich später die Gegend nördlich 
der Seen langsam hob, wurde dieser Abfluß versperrt und 
der Niagara begann seine Thätigkeit, deren Dauer nach dem 
heutigen jährlichen Rückschreiten der Fälle auf etwa lOOOu 
Jahre beziffert werden kann. Er. 
— Expedition van Kerckhoven im Uellegebiet. 
Diese mit großen Mitteln ausgestattete Expedition des Congo- 
staates ist in das Gebiet der Mombuttn und Niam-Niam 
vorgedrungen, in die von Schweinfurth und Junker erforschten 
Länder und hat daselbst gegen früher sehr veränderte Zustände 
angetroffen. Auch zwischen dem Uelle und seinem nördlichen, 
ihm im ganzen parallel laufenden Nebenflüsse Mbomn 
(oder Kengo) sind auf den Trümmern des alten, noch von 
Schweinfurth vor 20 Jahren in seinem Glanze gesehenen 
Mombuttnstaates Sultanate entstanden, welche von van 
Kerckhoven aufgesucht und für den Congostaat verpflichtet 
wurden. 
Da, wo am 25. Februar 1883 Junker seinen fernsten 
Punkt am Heile erreichte (ungefähr 4° nördl. Breite, 23° östl. 
Länge) und damals Ali Kobbo herrschte, dehnt sich jetzt das 
Sultanat Dschabbir aus, am rechten Ufer des Uelle von 
Ost nach West sieben Tagereisen lang und nördlich bis zum 
Mbiliflnß reichend, welcher zwischen Uelle und Mbomn von 
Ost nach West fließt. Dschabbir gehört dem in jener Gegend 
herrschenden Stamme der Bandjia oder Bendscha an; derselbe 
ist, wie Junker gezeigt hat, nach Sprache, Sitten und Ge 
bräuchen mit den Niam-Niam (A-Sande) verwandt. Der 
Sultan, welcher van Kerckhoven fürstlich empfing, hält sich 
eine starke Leibgarde, die mit alten Steinschloßgewehren be 
waffnet ist. 
Nördlich vom eben erwähnten Sultanat und nördlich vom 
Mbomuflnsse herrscht Sem io, den Junker wiederholt besuchte. 
Er wurde von Milz, einem Begleiter van Kerckhovens, besucht, 
welcher darüber folgendermaßen an das Congomiuisterium 
berichtet: „Semio, von den Negern Dsamjo genannt, ist ein 
Gentleman. Er hat die Vertreter des Congostaates fürstlich 
empfangen. Zwei Stunden weit kam er uns entgegen, um 
geben von 400 Mann Leibgarde. Die Offiziere gaben sich 
Mühe, ihren Truppen ein möglichst strammes Aussehen zu 
geben, und ließen sie in zwei langen Gliedern Aufstellung 
nehmen. Wir wurden mit Salutschüssen, Trompetengeschmetter 
und Trommelwirbel begrüßt. Semio führte uns zu dem 
Orte, den er für unsern Aufenthalt bestimmt hatte und wo 
er für uns 'zwei Häuser und für die schwarzen Soldaten 
Kasernen hatte bauen lassen. Am andern Tage gab er mir 
ein Geschenk von 75 Elfenbeinzähnen. Tags darauf machte 
ich ihm einen Gegenbesuch in seiner Residenz, die einen 
halben Kilometer vom Mbomn entfernt ist. Wieder 
ließ er uns durch seine Leibgarde begrüßen und hatte in 
seinem eigenen Hofe die Fahne des Congostaates gehißt. 
Der Anblick der Residenz überraschte mich noch mehr, als der 
Empfang. Wie eine richtige europäische Festung ist dieselbe 
mit Palissaden, Bastionen, Türmen und Wällen umgeben 
und ist mehrere Hektar groß. Das Haus liegt inmitten 
einer Anzahl von Gebäuden, ist aus Ziegeln erbaut und hat 
meterdicke Mauern. In dem Zimmer, in das man uns 
führte, befanden sich ein türkischer Divan, ein Tisch und 
europäische Stühle. Ans einer großen Silberplatte wurde 
uns ein Frühstück serviert. Aus grünen Gläsern (Römern) 
tranken wir Arak. Der Sultan machte die Honneurs seines 
Hauses mit vollendeter Höflichkeit. Ich habe in ganz Afrika 
noch keinen so gebildeten Schwarzen gesehen. Ich gebe diese 
Einzelheiten deshalb wieder, nur diesen Mann, mit dem wir 
hier zu thun haben, zu kennzeichnen. Er ist höchst intelligent, 
hat weitschauenden Blick, und er versicherte uns, er stehe mit 
Vergnügen zur Verfügung des Congostaates." 
Van Kerckhoven selbst hat den Makna (oberen Uelle) 
weiter erforscht, sein Begleiter Leutnant Ponthicr den südlichen 
großen Zufluß desselben, den Bomokandi. Zwischen beiden 
Flüssen hatten sich Araber festgesetzt, welchen die Belgier eine 
Niederlage beibrachten. Es sind jedenfalls ans der Expedition 
van Kerckhoven noch wichtige Ergebnisse für die Geographie 
jener Landstriche zu erwarten, welche Junkers Forschungen 
ergänzen werden. 
— „Die Nordabessinier oder Tigriner", schreibt 
Georg Schweinfnrth gelegentlich seines letzten Besuchs in 
deren Lande, „sind jedenfalls eine sehr gemischte Rasse und 
die große Ungleichartigkeit ihrer Schädel hat nichts Über 
raschendes. So vieler Tausende ich auch auf den Straßen 
ansichtig geworden bin, so war ich doch stets außer stände, 
auch nur ein gemeinsames Merkmal, eine charakteristische 
Eigentümlichkeit ihrer äußeren Erscheinung ausfindig zn 
machen, wodurch man die Mehrzahl von den andern, mehr 
national ausgeprägten Rassen dieser Gegenden, z. B. den 
hamitischen Nomadenvölkern der Habab und Beni Amer, 
hätte unterscheiden können. Das einzige Gemeinsame, was 
sie verbindet, ist eben nur die Sprache, ein Ableger des alten 
Geez, und, wenn man will, die Religion. Die Amahrener 
scheinen mehr ausgeprägte Nationaltypen zu haben — eine 
neuere und weniger abgelebte Völkerbildung. Die Tigriner 
aber fontmett mir vor, wie ein verwüsteter und entarteter 
Wald in den Gebirgen des Orients, wo es nur noch Krüppel 
zeug giebt." (Verhandl. d. Berl. Anthropol. Gesellschaft am 
19. März 1892.) 
— Über die Arbeiten an der Congobahn und die 
Fortschritte derselben hat der Erbauer, Ingenieur C h a r m a n n e, 
in Löwen einen Vortrag gehalten, dem das Nachstehende 
entnommen ist. Die Mündung des Congo ist bis Matadi 
für große Seeschiffe fahrbar. Dort beginnen die Fälle und 
Stromschnellen, welche bis zum Stanley-Pool reichen und 
den Fluß für den Verkehr sperren. Östlich von: Pool aber 
dehnt sich, fast halb Afrika umfassend, das ungeheure Strom 
system des Congo mit seinen zahlreichen schiffbaren Neben 
flüssen aus, ein schiffbares Stromnetz von 6000 km int 
fruchtbarsten Lande. Es ist daher die direkte 300 km lange 
Strecke zwischen dem Pool und Matadi durch eine Eisenbahn 
zu bewältigen, um die Erzeugnisse des Inneren unmittelbar 
an die Küste zn bringen. Auf dieser Strecke werden jetzt 
schon 100 000 Lasten, jede zn 30 kg, durch Menschen jährlich 
befördert. 
Die im Bau begriffene Bahn besteht ans zwei deutlich 
geschiedenen Teilen. Die heute vollendeten ersten 25 km 
von Matadi ab führen durch das denkbar schwierigste Fels 
gelände, zu deren Ban man zwei Jahre gebraucht hat; damit 
sind aber die wesentlichsten Schwierigkeiten bewältigt und die 
folgenden 400 km (die Bahn umgeht in einem weiten süd-
	        
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