Aus allen Erbteilen.
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Quelle des Manattan, eines Nebenflusses des Ottawa, ist.
Zwischen beiden befindet sich nur eine niedrige Bodenschwelle,
von einem sumpfigen alten Flußbett durchzogen, das beide
Seen verbindet. Seine höchste Erhebung liegt nur 25 Fuß
über dem Spiegel beider Seen. Dieses Flußbett benutzte
früher ein Abfluß der großen Seen, der also die Aufgabe
des heutigen Niagara erfüllte. Seine Existenz ist bewiesen
durch das Vorhandensein des alten Bettes, in dem außerdem
noch deutlich an der Nordseite in der Höhe von 50 Fuß eine
alte Userlinie, durch vorzüglich gerundete Flußgerölle bezeichnet,
zu sehen ist. Auch die Terrassen, die sich hoch über dem
heutigen Spiegel des Ottawa 10 Meilen von der Mündung
des Manattan abwärts befinden, sowie die Verhältnisse an
der Zusammenflußstelle beider sollen diese Ansicht bestätigen
und zeigen, daß früher eine sehr viel größere Wassermasse
hier ihren Weg nahm. Als sich später die Gegend nördlich
der Seen langsam hob, wurde dieser Abfluß versperrt und
der Niagara begann seine Thätigkeit, deren Dauer nach dem
heutigen jährlichen Rückschreiten der Fälle auf etwa lOOOu
Jahre beziffert werden kann. Er.
— Expedition van Kerckhoven im Uellegebiet.
Diese mit großen Mitteln ausgestattete Expedition des Congo-
staates ist in das Gebiet der Mombuttn und Niam-Niam
vorgedrungen, in die von Schweinfurth und Junker erforschten
Länder und hat daselbst gegen früher sehr veränderte Zustände
angetroffen. Auch zwischen dem Uelle und seinem nördlichen,
ihm im ganzen parallel laufenden Nebenflüsse Mbomn
(oder Kengo) sind auf den Trümmern des alten, noch von
Schweinfurth vor 20 Jahren in seinem Glanze gesehenen
Mombuttnstaates Sultanate entstanden, welche von van
Kerckhoven aufgesucht und für den Congostaat verpflichtet
wurden.
Da, wo am 25. Februar 1883 Junker seinen fernsten
Punkt am Heile erreichte (ungefähr 4° nördl. Breite, 23° östl.
Länge) und damals Ali Kobbo herrschte, dehnt sich jetzt das
Sultanat Dschabbir aus, am rechten Ufer des Uelle von
Ost nach West sieben Tagereisen lang und nördlich bis zum
Mbiliflnß reichend, welcher zwischen Uelle und Mbomn von
Ost nach West fließt. Dschabbir gehört dem in jener Gegend
herrschenden Stamme der Bandjia oder Bendscha an; derselbe
ist, wie Junker gezeigt hat, nach Sprache, Sitten und Ge
bräuchen mit den Niam-Niam (A-Sande) verwandt. Der
Sultan, welcher van Kerckhoven fürstlich empfing, hält sich
eine starke Leibgarde, die mit alten Steinschloßgewehren be
waffnet ist.
Nördlich vom eben erwähnten Sultanat und nördlich vom
Mbomuflnsse herrscht Sem io, den Junker wiederholt besuchte.
Er wurde von Milz, einem Begleiter van Kerckhovens, besucht,
welcher darüber folgendermaßen an das Congomiuisterium
berichtet: „Semio, von den Negern Dsamjo genannt, ist ein
Gentleman. Er hat die Vertreter des Congostaates fürstlich
empfangen. Zwei Stunden weit kam er uns entgegen, um
geben von 400 Mann Leibgarde. Die Offiziere gaben sich
Mühe, ihren Truppen ein möglichst strammes Aussehen zu
geben, und ließen sie in zwei langen Gliedern Aufstellung
nehmen. Wir wurden mit Salutschüssen, Trompetengeschmetter
und Trommelwirbel begrüßt. Semio führte uns zu dem
Orte, den er für unsern Aufenthalt bestimmt hatte und wo
er für uns 'zwei Häuser und für die schwarzen Soldaten
Kasernen hatte bauen lassen. Am andern Tage gab er mir
ein Geschenk von 75 Elfenbeinzähnen. Tags darauf machte
ich ihm einen Gegenbesuch in seiner Residenz, die einen
halben Kilometer vom Mbomn entfernt ist. Wieder
ließ er uns durch seine Leibgarde begrüßen und hatte in
seinem eigenen Hofe die Fahne des Congostaates gehißt.
Der Anblick der Residenz überraschte mich noch mehr, als der
Empfang. Wie eine richtige europäische Festung ist dieselbe
mit Palissaden, Bastionen, Türmen und Wällen umgeben
und ist mehrere Hektar groß. Das Haus liegt inmitten
einer Anzahl von Gebäuden, ist aus Ziegeln erbaut und hat
meterdicke Mauern. In dem Zimmer, in das man uns
führte, befanden sich ein türkischer Divan, ein Tisch und
europäische Stühle. Ans einer großen Silberplatte wurde
uns ein Frühstück serviert. Aus grünen Gläsern (Römern)
tranken wir Arak. Der Sultan machte die Honneurs seines
Hauses mit vollendeter Höflichkeit. Ich habe in ganz Afrika
noch keinen so gebildeten Schwarzen gesehen. Ich gebe diese
Einzelheiten deshalb wieder, nur diesen Mann, mit dem wir
hier zu thun haben, zu kennzeichnen. Er ist höchst intelligent,
hat weitschauenden Blick, und er versicherte uns, er stehe mit
Vergnügen zur Verfügung des Congostaates."
Van Kerckhoven selbst hat den Makna (oberen Uelle)
weiter erforscht, sein Begleiter Leutnant Ponthicr den südlichen
großen Zufluß desselben, den Bomokandi. Zwischen beiden
Flüssen hatten sich Araber festgesetzt, welchen die Belgier eine
Niederlage beibrachten. Es sind jedenfalls ans der Expedition
van Kerckhoven noch wichtige Ergebnisse für die Geographie
jener Landstriche zu erwarten, welche Junkers Forschungen
ergänzen werden.
— „Die Nordabessinier oder Tigriner", schreibt
Georg Schweinfnrth gelegentlich seines letzten Besuchs in
deren Lande, „sind jedenfalls eine sehr gemischte Rasse und
die große Ungleichartigkeit ihrer Schädel hat nichts Über
raschendes. So vieler Tausende ich auch auf den Straßen
ansichtig geworden bin, so war ich doch stets außer stände,
auch nur ein gemeinsames Merkmal, eine charakteristische
Eigentümlichkeit ihrer äußeren Erscheinung ausfindig zn
machen, wodurch man die Mehrzahl von den andern, mehr
national ausgeprägten Rassen dieser Gegenden, z. B. den
hamitischen Nomadenvölkern der Habab und Beni Amer,
hätte unterscheiden können. Das einzige Gemeinsame, was
sie verbindet, ist eben nur die Sprache, ein Ableger des alten
Geez, und, wenn man will, die Religion. Die Amahrener
scheinen mehr ausgeprägte Nationaltypen zu haben — eine
neuere und weniger abgelebte Völkerbildung. Die Tigriner
aber fontmett mir vor, wie ein verwüsteter und entarteter
Wald in den Gebirgen des Orients, wo es nur noch Krüppel
zeug giebt." (Verhandl. d. Berl. Anthropol. Gesellschaft am
19. März 1892.)
— Über die Arbeiten an der Congobahn und die
Fortschritte derselben hat der Erbauer, Ingenieur C h a r m a n n e,
in Löwen einen Vortrag gehalten, dem das Nachstehende
entnommen ist. Die Mündung des Congo ist bis Matadi
für große Seeschiffe fahrbar. Dort beginnen die Fälle und
Stromschnellen, welche bis zum Stanley-Pool reichen und
den Fluß für den Verkehr sperren. Östlich von: Pool aber
dehnt sich, fast halb Afrika umfassend, das ungeheure Strom
system des Congo mit seinen zahlreichen schiffbaren Neben
flüssen aus, ein schiffbares Stromnetz von 6000 km int
fruchtbarsten Lande. Es ist daher die direkte 300 km lange
Strecke zwischen dem Pool und Matadi durch eine Eisenbahn
zu bewältigen, um die Erzeugnisse des Inneren unmittelbar
an die Küste zn bringen. Auf dieser Strecke werden jetzt
schon 100 000 Lasten, jede zn 30 kg, durch Menschen jährlich
befördert.
Die im Bau begriffene Bahn besteht ans zwei deutlich
geschiedenen Teilen. Die heute vollendeten ersten 25 km
von Matadi ab führen durch das denkbar schwierigste Fels
gelände, zu deren Ban man zwei Jahre gebraucht hat; damit
sind aber die wesentlichsten Schwierigkeiten bewältigt und die
folgenden 400 km (die Bahn umgeht in einem weiten süd-