Volltext: Globus, 52.1887

Mit besonderer Herurksichtigung der Anthropologie und Ethnologie. 
Begründet von Karl Andrer. 
In Verbindung mit Fachmännern herausgegeben von 
Dr. Richard Kiepert. 
Braunschweig 
Jährlich 2 Bände ä 24 Nummern- Durch alle Buchhandlungen und Postanstalten 
zum Preise voll 12 Mark pro Band zu beziehen. 
1887 . 
Cagnatts und Saladillas Reisen in Tunesien. 
XIII. >) 
Wir hatten die Reisenden verlassen, als sie die Nuinen- 
stätte Kasserin verließen, um in nordwestlicher Richtung 
über die Berge hinweg diejenige von Haidra zu erreichen. 
Eine Stunde nach dem Aufbruche überschritten sie das Wed 
el-Hathob und rasteten kurze Zeit bei derKubba desSidi- 
bu-el-Aaba, gleichfalls einer Stelle, wie Kasserin, wo der 
Kaid der Fraischisch gern seine Smalah aufschlagt, wenn 
ihn Mangel an Weideplätzen und Uebersluß an Flöhen in 
den Zelten von feinem bisher eingenommenen Standorte 
vertreibt. In Bu-el-Aaba hat er sich sogar einige Häuser 
bauen lassen, die aber schon wieder verfallen sind, und eine 
Art oben offenen Bades, das niemals vollendet wurde. 
Diese Nomaden des inneren Tunesien sind eben so wenig 
an Häuser gewöhnt, daß, wenn sie aus Laune oder Eitelkeit 
sich ein solches errichten lassen, dasselbe meist gar nicht fertig 
oder so oberflächlich gebaut wird, daß es bei der ersten Ge 
legenheit wieder zusammenstürzt. 
_ Jenseits Bn-el-Aaba gelangt man, dem Wed el-Hathob 
aufwärts folgend, in eine ausgedehnte Ebene, Bahirt 
ttnssana genannt, zu deren Durchkreuzung die Reisenden 
ornen vollen Tag gebrauchten; nach den zahlreichen Dorf 
ruinen, welche sie trägt, muß sie einst sehr gut angebaut 
ñewesen sein. Die Namen auf den Leichenstcinen dieser 
Drte sind in der Mehrzahl römisch, in der Minderzahl ein 
heimisch, woraus sich die Herkunft der hier einst angesiedelten 
Bauern klar ergicbt. Aehnlich stand es übrigens im ganzen 
römischen Afrika, wo das phönikische und libysche Element 
vor den römischen Eroberern und Kolonisatoren in die Ge 
orge zurückwich. Alle diese Dörfer, Henschir el-Gallal, 
*) Fortsetzung von Band 51, S. 36. 
Globus Ul. Nr. 5. 
Henschir Ktöf u. s. w. besitzen zahlreiche Reste von Oel- 
uttd Weinkeltern, und wo sich solche finden, kann man sicher 
sein, daß man den Wiederanban von Oelbäumen und Reben 
mit Erfolg versuchen kann. Ebenso geben die Stauwerke 
und Dämme, welche man vielfach noch in Ruinen antrifft, 
einen Hinweis darauf, wie und wo man am besten durch 
Ansammeln von Wassern und Anlage von Berieselungs 
gräben der Landwirthschaft zu Hilfe kommen kann. Die 
Dörfer in der Fussana-Ebene, welche die Reisenden be 
rührten, liegen z. B. vom Wed el-Hathob ziemlich weit ent 
fernt, aber ihre Felder wurden durch die Bäche, welche von 
den Bergen im Norden (Dschebel B i r e n o) herunterkommen, 
getränkt; im Wed Gergur z. B. wurde dicht unterhalb der 
Berge das Wasser durch einen 2 y 2 m dicken Damm auf 
gestaut und durch jetzt nicht mehr vorhandene Leitungen 
über die tiefer gelegenen Felder vertheilt. Daß in dieser 
Ebene in alten Zeiten reges Leben und ein gewisser Wohl 
stand geherrscht haben muß, das beweisen außer den Dorf- 
ruinen die Wein- und Oelpressen, sculptirte Gesimse, Kapitale 
aus christlicher Zeit und zahlreiche steinerne Sarkophage, 
die herumliegen. 
Die Nacht brachten die Reisenden in einem gastfreund 
lichen Duar beim Henschir (Ruinenstätte) Zuairuhu 
am Nordrande der Ebene zu; dicht vor sich hatten sie dort 
die bewaldeten Berge, welche sie zu überschreiten hatten, um 
auf dem kürzesten Wege Haidra zu erreichen. Die Land 
schaft wird von da ab eine vollständig andere; statt der 
kahlen, schattenlosen Ebenen bergiges Terrain, zum Theil, 
bedeckt mit hohen Bäumen, dichtem Buschholz oder Gestrüpp, 
in welchem noch ab und zu Löwen und Panther vorkommen. 
Dieselben waren einst so zahlreich, daß die Beys von Tunis 
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