Volltext: Globus, 52.1887

Dr. Richard Kiepert. 
SRvrtimVnotrt Jährlich 2 Bünde à 24 Nummern. Durch alle Buchhandlungen und Postanstalten 1 QQ 1 ) 
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Prshewalski's dritte Reise in Central-Asien. 
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Die ersten Tage des Rückmarsches erschienen den 
Reisenden ganz besonders langweilig. Lhassa war ihnen 
unerreichbar gewesen — und nun lagen wieder viele Hunderte 
von Kilometern schwierigen Weges durch Nordtibet vor ihnen 
in der Eiseskälte des tiefen Winters! Dabei drohten aus 
dem 4mnla die Jegräer und der Ausland der Karawane war 
bei weitem nicht mehr befriedigend. Trotz aller Anstrengungen 
hatten an der Quelle Nier-tschungu nur 10 Pferde gekauft 
werden können; von deu Kameelen waren nur noch 26 Stück 
brauchbar, und darunter war fast die Hälfte sehr schwach. 
Au Nahrungsmitteln hatte man außer einigen Schafen, 
sowie etwas Butter, nur 5 Pud (80 kg) Dsamba und 8^ 
sehr schlechten Ziegelthees beschaffen können, schließlich 
waren die Reisenden durch das Ausbleiben aller Nachrichten 
aus der Heimath verstimmt worden; sie hatten die an 
sie gerichteten Briefe von Peking nach Lhassa befördern lassen, 
aber die tibetischen Gesandten weigerten sich mit Entschieden 
heit, für dieselben zu sorgen; sie erklärten, daß, falls der 
chinesische Resident in Lhassa wirklich Briefe aus Peking 
erhalten hätte, dieselben wiederum nach Peking zurückgeschickt 
werden würden, lind so geschah es wirklich. 
Ais Führer diente der Expedition der schon genannte 
Mongole ausTzaidam, Namens D ad ai; er war ein Nesse 
des Mongolen Tschutun-dsamba, welcher bereits 1672 und 
1873 Führerdienste geleistet hatte. Dadai kannte den Weg 
ausgezeichnet; bereits acht Mal hatte er mit Pilgern oder 
Kaufleuten die Wegstrecke von Tzaidam bis nach Lhassa 
zurückgelegt. Er erhielt eine Bezahlung von 40 Lau (etwa 
240 Mark); außerdem mußte Prshewalski ihm ein Reit 
pferd liefern und ihn verpflegen. 
Dadai war ein vortrefflicher Führer: unter seiner Bei 
hilfe wurden einige Nahrungsmittel und noch vier Reitpferde 
Globus Ui. Nr. 4. 
erworben. Er verrieth den Reisenden auch, daß hinter ihnen 
etwa in einer Entfernung von einer Tagereise eine Abtheilung 
von 30 berittenen tibetischen Soldaten folge; dieselben hätten 
die Verpflichtung, täglich nach Naptschu zu berichten, was 
die Expedition mache; unterdeß blieben die Gesandten au 
Ort und Stelle, um abzuwarten, bis Prshewalski den Tanla 
überschritten hätte. 
Der Rückmarsch wurde anfangs ans demselben Wege, 
wie der Hinmarsch, gemacht, dann aber wurde etwas ab 
gewichen, um den Tanla an einer anderen Stelle zu über 
schreiten und dadurch denJegräern aus dem Wege zugehen. 
Drei Tage wurde am Flusse Santschu gerastet, dann folgte 
man dem Flusse Tantschu, allmählich zum Tanla heran 
steigend. Der Weg ist gut — von den Jegräern war nichts 
zu sehen; so konnte der Paß desTanla-Gebirges, auf dessen 
Höhe sich ein „Obo" befand, in Ruhe überschritten werden. 
Dabei erzählte der Führer Dadai zwei Legenden, welche 
an jene Gegend anknüpfen. Die erste lautete: 
In alten Zeiten lebte auf jenen Bergen nahe am Paß 
ein böser Geist, welcher den vorbeiziehenden Karawanen nur 
Unannehmlichkeiten bereitete. Durch keinerlei Opfer ließ er 
sich versöhnen. Da legte sich ein tibetischer Heiliger, welcher 
von Lhassa nach Peking reiste, ins Mittel; er brachte mittels 
seiner Gebete und Beschwörungen den bösen Teufel so weit, 
daß dieser sich zum Buddhaglauben bekehrte und in einen 
guten Geist („Bnrchan") verwandelte, der nun die Wan 
derer beschützte. Seit der Zeit ist es hier viel sicherer als 
früher. 
Die zweite Sage erzählt: Vor vielen Jahren, als noch 
alle Buddhaheiligen nach Tibet kamen, machte sich Galdsn- 
abnte, der Chan der Chalcha, mit einem Kriegsheere auf 
den Weg, um den Dalai-Lama zu rauben und ihn in seine
        

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