Volltext: Globus, 52.1887

Mit besonderer Herürkslchtlgung der Anthropologie und Gthnologre. 
Begründet von Karl Andrer. 
In Verbindung mit Fachmännern herausgegeben von 
Dr. Richard Kiepert. 
Jährlich 2 Bände ä 24 Nummern. Durch alle Buchhandlungen und Postanstalten 1 QÖ7 
•orClUllIUJIPtig zum Preise von 12 Mark xro Band zu beziehen. 
Dienlaf 0 y' s Ausgrabungen in Susa. 
Nach dem Französischen der Madame Jane Dienlafoy. 
IV. 
sDie Abbildungen nach Photographien der Expedition Dienlafoy.s 
Erpressungen, welche Mirza Abdul-Kai'in, der „Com- ^ 
missar" des Statthalters, den Arbeitern gegenüber ins 
Werk setzte, und über welche letztere sich beklagten, hätten 
den Ausgrabungen säst ein Ende bereitet oder dieselben 
doch auf einige Zeit unterbrochen. Festzustellen war nichts; > 
denn mit dem Obersten, der alles leugnete, confrontirt, 
wagten die Arbeiter nicht, ihre früheren Beschuldigungen 
zu wiederholen. Entlassen konnte sie Dicnlafoy auch nicht, 
da die Wcgräumung des Schuttes von Tag zu Tag 
schwieriger wurde. Man war aus Neste arabischer oder 
sassanidischer Häuser gestoßen und darunter auf Lagen festen 
Thones, welche aber keine zusammenhängende Schicht 
bildeten, sondern scharf begrenzte Zonen einnahmen. In 
Folge dessen machten die einzelnen Gräben unregelmäßige 
Fortschritte; stellenweise erreichte der GrabenO 1,40 m; 
in B, wo man an manchen Punkten bis 2,30 m vorgedrun 
gen war, entdeckte man große Ziegelsteine, die auf einer 
sehr dicken Schicht von Kieseln lagen, eine Art Bettung, 
welche in gleichmäßiger Weise unter dem ganzen Palaste 
und seinen Nebengebäuden hergestellt war. Das Ziegel 
pflaster aber reicht genau bis zur oberen Kante der gewal 
tigen Steinplatten, auf welchen die Säulenbasen der achä- 
menidischen Thronhalle stehen. Abgesehen von diesem 
Fußboden, der fast in der ganzen Länge des Grabens B 
bloßgelegt worden war, hatte man keine Spur von den 
Umfassungsmauern oder Thoren gefunden, welche M. Dieu- 
lafoy in der Achse des Palastes aufzudecken gehofft hatte. 
Die Enttäuschung war groß, denn die noch wegzuschaffende 
Globus vH. Nr. 22. 
Erdmasse war zu gering, um noch irgend welche baulichen 
Reste von Bedeutung zu bedecken; man beschloß, diesen 
Graben zu verlassen und die frei werdenden Arbeiter ans 
den Graben 0, der inzwischen schon etwa 2 m Tiefe erreicht 
hatte, zu concentriren. Die Nachgrabungen bei A nahmen 
den besten Fortgang; man war auf Trümmer von Doppel 
stieren gestoßen, welche einst Sänlenkapitäle bildeten, und 
hatte dieselben mit Hilfe von Winden gehoben. Beim An 
blicke dieser Maschinen machten die Dizfuler ganz verdutzte 
Gesichter; so etwas war ihnen anscheinend noch nicht vor 
gekommen, denn sie schienen dabei vollkommen den Begriff 
der Schwere zu verlernen und hätten sich ohne die sorg 
fältigste Vorsicht und eine beständige Ueberwachnng zer 
malmen lassen. Die Neste waren zahlreich genug, um 
wenigstens im Geiste das Riesenthier reconstruircn zu 
können; dasselbe ruhte auf zwei Gruppen von acht Voluten, 
welche eine Säule von 20 m Höhe krönten. Deutlich 
konnte man den mit lockigen Haaren bedeckten Bauch des 
Thieres, feine plumpen Knie und den Hals erkennen, der 
mit einer Kette von Tausendschön und einer Lotusblume 
als Gehänge verziert war. Neben einer Säulenbasis lag 
der Kopf des Stieres, ähnlich denjenigen, welche die Kapi- 
täle in Persepolis krönten, und deren Bild auf der Säulen- 
fatzade der achämcnidischen Hypogäen wiederkehrt; nur die 
Spitze der Schnauze, die Hörner und die Ohren, welche 
durch Zapfenlöcher angedeutet waren, fehlten noch. 
Diese Skulpturen waren in einem schwarzen, sehr- 
feinkörnigen Kalkstein ansgeführt und gaben Zeugniß von 
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