Volltext: Globus, 52.1887

fjtif besonderer Herüedslchtrgung der Anthropologie und Ethnologie. 
Begründet von Karl Andree. 
In Verbindung mit Fachmännern herausgegeben von 
Dr. Richard Kiepert. 
Braunschweig 
Jährlich 2 Bände ä 24 Nummern. Durch alle Buchhandlungen und Postanstalten 
zum Preise von 12 Mark pro Band zu beziehen. 
1887 . 
Die Umgebung von Hsi-ning-fu in der chinesischen Provinz Kan-su. 
Von Prof. L. von Loczy. 
Die Expedition des Grafen Szochcnhi brachte den 
Sommer des Jahres 1879 zwischen den Alpen des Nan- 
shan und in der Gegend des Kuku-nor zu. Hsi-ning-fu war 
der Ausgangspunkt unserer Excursionen, welche zu den 
genußreichsten Wanderungen und den angenehmsten Er 
lebnissen unserer ganzen Chinareise gehörten. Hsi-ning-su 
liegt am südlichen Ufer des gleichnamigen Flusses (30° 
40' n. Br., 1020 6' L. L. Gr.) in einer Seehöhe von 
2300 w; der Ta-ling-ho ergießt sich hier von Norden, ein 
kleinerer Fluß von Süden in den Hauptfluß. Die Stadt 
nimmt die Mitte eines von jüngeren Süßwasser-Ablage 
rungen ausgefüllten Beckens ein; ringsherum bilden die 
erste Stufe der Gehänge die Wände der reichlich Gyps 
enthaltenden braunen und rothen Thonschichtcn; ihre An 
höhen zieren Pagoden und gegenüber der Stadt erblicken 
wir in der Felswand die Ueberreste eines riesigen Buddha- 
Bildnisses. In einem Kreise voit circa 30 Um Halbdurch 
messer umgeben die Stadt etwa 400 m hohe, von Löß 
bedeckte Hügel; das Becken von Hsi-ning-fu ist hier von 
einem schönen Alpenlande umsäumt, indem sich die Spitzen 
des Hochgebirges bis zu 3000 bis 4000 m Höhe erheben. 
Die grünenden Alpenfelder und zerrissenen Kaltfelsen, die 
gelbe Lößgcgcnd und die üppigen Gärten und Saaten der 
bewässerten Thäler Hsi-ning-fus vereinigen sich zu einem 
so abwechslungsvollen Gesammtbilde, wie wir cs nicht so 
bald wieder irgendwo finden. Hsi-ning-fn ist eine gut 
erhaltene Stadt, eine der reinsten Städte, die wir in China 
sahen; obschon sie in die Hände der aufständischen Moham 
medaner gerieth, wurde sie nicht zerstört. Ihre Bevölkerung 
beträgt 60 000 bis 70 000 Seelen; hier wohnt auch der 
Amban des Kuku-nor-Landes oder Tsing-Hai. Ehemals 
war die Stadt der Ausgangspunkt der Straße nach Lhafsa; 
die Karawanen versahen sich hier mit allem Nöthigen, 
besonders jene, die ihren Weg nach den Quellseen des Hoang-Ho 
nahmen. 
Am nördlichen Ufer des Hsi-ning-ho liegen die Städte 
To-pa und Ton-kerr (Tan-ko-örr), jene 25, diese 50Um 
westlich von Hsi-ning-fu, beide bedeutende Emporien des 
chinesisch-tibetanischen Handels. Zur Zeit unseres Besuches 
waren die beiden Städte ganz herabgekommcn; in den 
Kaufläden Ton-kerrs (bei Huc Tong-keu-öhl) konnten 
Karawanen selbst die nothwendigsten Waaren nicht erhalten; 
Pferde, Maulthiere, ja selbst Sättel waren in der ganzen 
Stadt nicht zu bekommen. Einen Haupthandelsartikel bildet 
hier der gepreßte Thee. Die Mautthiere, die denselben 
von Hsi-ning-fu nach Ton-kerr transportirten, kehrten leer 
zurück. Die Tanguten und Mongolen suchen Ton-kerr 
zweifelsohne oft auf. Hsi-ning-fu ist unter dem Namen 
Siling in fernen Landen bekannt; in Osttibct hörten wir 
oft, daß von Ta-tsiäN'lu und Tschiamdo hierher ein gerader 
Weg führe, auf dem ein guter Reiter die Stadt in 12 Tagen 
erreichen könne. Auch die Rupien, die ich in Hsi-ning-fn 
und Ton-kerr sah, deuten darauf hin, daß die tibetischen 
Karawanen auch jetzt noch zwischen Lhassa und Hsi-ning-fu 
verkehren. Die Mandarinen freilich leugneten dies und 
behaupteten, daß ans Furcht vor den Hsi-fan-Räubern seit 
acht Jahren keine Karawane nach Lhassa gezogen wäre, ja 
selbst die Lamas den Umweg über Tshing-tu-su vorzögen, 
wenn sie nach Lhassa reisten. 
In der Umgebung von Hsi-ning-fu bieten die Lama- 
Klöster am Fuße der Alpen großes Interesse; von diesen 
verdienen im Süden Kn mb um (Ta-örr-ß'), im Norden 
Globus 141. Nr. 11.
        

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