besonderer Berücksichtigung der Anthropologie und Ethnologie. 
Begründet von Kart Andree. 
In Verbindung mit Fachmännern herausgegeben von 
v i-. Richard Kiepert. 
Braunschweig 
Jährlich 2 Bünde à 24 Nummern. Durch alle Buchhandlungen und Postanstaltcn 
zum Preise von 12 Mark pro Band zu beziehen. 
1887 . 
Prshewalski's dritte Reise in Central-Asien. 
IV. '} 
Mit beut Namen Tzaidam wird ein Gebiet bezeichnet, I 
welches die erste Terrasse der tibetischen Vorberge darstellt; 
dasselbe liegt nicht weit westlich vom Kuku-Nor. Im Norden 
wird es von den Bergen des Nan- schau und Altyn-tag 
begrenzt, im Süden bilden die gewaltigen vom Burchan- i 
bndda nach Westen sich hinziehenden Gebirgsmassen die 
Grenze; die westlichen Grenzen sind unbekannt, im Osten 
aber erheben sich Berge, welche als die westlichen Ausläufer 
der Gebirge am Ursprung des Hwang-Ho angesehen werden. 
Die Ausdehnung des Gebietes von Tzaidam beträgt in der 
Richtung von Osten nach Westen etwa 800 Werst (Kilom.); 
die Breite dagegen, welche im Osten nur etwa 100 Werst 
mißt, wird in der Mitte sehr beträchtlich; die Erhebung Uber 
die Meercsfläche beläuft sich auf etwa 9000 bis 11000 Fuß 
(2700 bis 3300 na). Man kann das ganze Tzaidam in 
zwei scharf von einander geschiedene Theile zerlegen: den süd 
lichen, welchen die Mongolen insonderheit Tzaidam nennen, 
und welcher unzweifelhaft einst der Boden eines weit aus 
gedehnten Salzfees war, ist eben, reich an Salzmorästcn 
und Sümpfen und bedeckt mit Salzgewächsen; der nörd 
liche Theil ist höher gelegen, bergig, mit unfruchtbarem 
sandigem Boden und wird hier und da von Salzmorästen 
und kleinen Bergketten durchzogen. 
Tzaidam ist — abgesehen von wenigen den östlichen 
Theil bewohnenden Tanguten — von Mongolen bevölkert, 
Fortsetzung von S. 296 des vorigen Bandes. 
Globus LU. Nr. l. 
welche gleich den Bewohnern von Kuku-Nor zu den Oljuten 
gehören, die ihren eigentlichen Typus vielfach verloren haben. 
Man stößt oft auf Mischlingsformen zwischen Tanguten 
und Mongolen, und ebenso oft auf chinesische Physiognomien. 
Ueber den Charakter und die moralischen Eigenschaften 
der Tzaidam-Mongolen läßt sich wenig Gutes sagen. Sie 
sind faul und apathisch wie alle ihre Mitbrüder, daneben 
sind sie große Spitzbuben und Betrüger, vor allen diejenigen, 
welche sich in häufiger Berührung mit Tanguten und 
Chinesen befunden haben. Hier wie in anderen Grenzgegcn- 
den der Mongolei zeigt sich der fremde Einfluß auf die 
Notnaden vor allem darin, daß sie moralisch verdorben 
werden. Die Tzaidam-Mongolen stehen in geistiger Be 
ziehung noch niedriger als die Chalcha - Mongolen, obgleich 
auch diese letzteren schon sehr gleichgültig sind gegen Alles, 
was nicht ihr tägliches Leben betrifft. 
Zur Kleidung gebrauchen die Tzaidam-Mongolen ge 
wöhnlich ihre eigenen gewirkten Filze. Sie fertigen sich 
daraus lange schlafrockähnliche Gewänder, welche in gleicher 
Weise von Männern wie Frauen getragen werden. Leib 
wäsche, wie Hemden und Unterkleider, ist nicht im Gebrauch; 
der Körper selbst wird nie gewaschen und die Tzaidam- 
Mongolen sind daher äußerst schmutzig. Hosen aus Schaf 
fellen werden nur Winters getragen, ebenso Schafpelze. 
Im Winter bedecken sie den Kopf mit einer Mütze aus 
Schaffell, im Sommer mit einem rothen turbanartig zu 
sammengelegten Tuche. An den Füßen tragen sie chinesische 
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