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A. Referate. Ethnologie nnd Ethnographie.
über 1901 bis 1905 mit 5,81 Proz. Wesentlich tritt der Rückgang hervor
bei den Zwillingsgeburten mit einem toten Kinde.
Betreffs des Geschlechtes hat sich seit 50 Jahren ein regelmäßiges An
steigen der gemischten Zwillingsgeburten gezeigt, und zwar von 35,9 Proz.
in den Jahren 1856 bis 1865 auf etwa 38,0 Proz. neuerdings. Es überwiegen
hierbei die gemischten über die gleichgeschlechtlichen Zwillinge um so mehr,
je mehr Kinder in derselben Ehe vorangegangen waren. So waren beispiels
weise von den Zwillingsgeburten Primiparer 35,8 Proz. gemischte, bei einer
größeren Zahl vorangegangener Kinder dagegen bis zu 45,2 Proz. Knaben
zwillingsgeburten gingen vorzugsweise männliche Kinder voraus (unter 1445
Ehen 874 mal, das ist etwa in 60,5 Proz.); bei gemischten Zwillingsgeburten
waren die vorausgehenden Kinder ebenfalls häufiger, wenn auch nicht so
häufig, Knaben. Weniger deutlich war das Verhältnis bei Mädchenzwillings
geburten: Bei kleinerer vorausgegangener Kinderzahl überwogen wohl die
Mädchen, bei größerer Kinderzahl dagegen nicht, ja es wurde das Verhältnis
sogar umgekehrt. Man kann also den Schluß ziehen, daß das „Geschlecht
der nachfolgenden Zwillinge vorzugsweise durch die Neigung der Mutter zur
Erzeugung des einen oder des anderen Geschlechts bestimmt wird“, daß aber
auch Zwillingen in höherem Maße Knaben vorangehen. Ferner aber scheinen
die Zahlen darauf hinzuweisen, daß mit zunehmender Kinderzahl die mütter
liche Neigung zur Erzeugung eines besonderen Geschlechtes abnimmt.
Dr. Kellner-Untergöltzsch.
III. Ethnologie und Ethnographie.
Allgemeines.
16. 0. Schneider: Muschelgeldstudien. Nach dem hinterlassenen
Manuskript bearbeitet von Carl Ribbe, herausgegeben vom
Verein f. Erdkunde zu Dresden. 191 S. m. 16 Taf. u. 33 Text
bildern. Dresden, E. Engelmanns Nachf., 1905.
In jahrzehntelanger mühsamer Kleinarbeit hat ein auch sonst durch
seinen wissenschaftlichen Eifer bekannter Mann alles zusammengetragen, was
ihm über Muschelgeld irgend erreichbar schien. Er hat die Vollendung seines
Werkes nicht erlebt, aber der durch seine ethnographischen Sammlungen und
sein Buch „Zwei Jahre unter den Kannibalen der Salomoinseln“ bekannte
Reisende Ribbe hat die Drucklegung sorgsam und pietätvoll besorgt.
Naturgemäß ist fast die Hälfte des Buches der Südsee gewidmet, auf
deren Inseln Muschelgeld ja seit jeher eine so große Rolle spielt. Fast ebenso
groß ist aber der Raum, den die Behandlung des Kaurigeldes einnimmt.
Enthält nun jener erste Teil des Buches eine große Fülle neuer und bisher
wenig bekannter Angaben, so scheint mir doch der das Kaurigeld behandelnde
Teil noch ungleich wichtiger und verdienstvoller. Dieser bildet eine Mono
graphie von einer fast erschöpfenden Vollständigkeit; von unseren Zeitgenossen
hätte höchstens R. Andree, dieser ethnographische Polyhistor, eine ähnliche
Arbeit leisten können.
Als den meisten Fachgenossen etwas ferner liegend, möchte ich aus
dem reichen Schatze dieser Abhandlung nur die zum Teil auf briefliche
Mitteilungen von Hirth zurückgehenden Angaben über Kaurigeld in China
hervorheben. Das Zeichen pei für Kaurischnecke kommt in Hunderten von
Zusammensetzungen vor, wo immer ein Wort irgend etwas mit Geld, arm,
reich, teuer, billig, Tribut, verschwenden usw. zu tun bat. Ebenso enthält
das Zeichen pau (kostbar, teuer) in seiner modernen Form ein Dach, unter