Volltext: Globus, 48.1885

Mit besonderer Herüeksrchtrgung der Anthropologie und Ethnologie. 
Begründet von Karl Andrer. 
In Verbindung mit Fachmännern herausgegeben von 
Dr. Richard Kiepert. 
Jährlich 2 Bände ä 24 Nummern- Durch alle Buchhandlungen und Postaustalten 1 
O l U UIX10) W C19 zum Preise von 12 Mark pro Band zu beziehen. 
Dieulafol/s Reise in Westpersien und Babylonien. 
XXV. 
(Die Abbildungen nach Photographien der Madame Jane Dieulafoy.) 
Die Entfernung von Ahram nach Buschir beträgt nicht 
Uber 8 Farsach, und dennoch war es den Reisenden mcht 
möglich, dieselbe mit ihren schlechten Pferden in einer Tage 
reise zurückzulegen; sie muhten vielmehr nochmals, und zwar 
im Dorfe Gurek, übernachten. Dort konnten sie sich 
auch einen Kübel ziemlich süßen Wassers verschaffen, was 
ihnen zugleich gestattete, Nahrung zu sich zu nehmen. Dre 
Hütten des Dorfes sind, wie überall im südlichen Fars, 
aus Palmstämmen und -zweigen erbaut; in den Güßchen 
zwischen denselben tummeln sich hübsche Kinder, gelbe 
Hunde und schwarze Hühner, alle von gleicher Wildheit, 
und ringsum dehnt sich eine weite Ebene aus, die nur mit 
dürftigen Kräutern und Gesträuchen bedeckt, aber keineswegs 
unfruchtbar ist. Denn in nicht großer Entfernung zeigen 
stch üppige Getreidefelder, und sowohl die kräftigen Ge- 
stalten der Dorfbewohner, als auch ihre sehr reinlichen 
Gewänder legen Zeugniß ab von ihrem Wohlstände. Der 
Scheich von Gurek führt ein Leben, welches sich demsenigen 
der einstigen großen Feudalherren vergleichen läßt, und 
ergötzt sich nach Herzenswunsch an Hetz- und Falkenjagden, 
Vergnügungen, die bei allen Persern in'hohen Ehren stehen, 
aber nur denjenigen Stammeshäuptlingen zugänglich sind, 
welche Macht und Reichthum genug besitzen, um Pferde, 
Hunde und Jagdvögel halten zu können. Denn es ist 
nicht allein der innere Werth eines Geierfalken von guten 
Eigenschaften und trefflicher Erziehung oft ein sehr ansehn 
licher; auch ihre Ernährung, welche aus Geflügel und 
Globus xvvill. Nr. 7. 
Hammelfleisch besteht, kostet viel, und für jeden Vogel muß 
ein Diener und für jeden Diener wieder ein gutes Pferd 
gehalten werden. Im Ganzen kann man die Kosten für 
einen solchen Vogel, für seinen Wärter und für dessen 
Renner auf 650 bis 800 Mark im jährlichen Durchschnitte 
veranschlagen. 
Am nächsten Tage (16. November) legten die Reisenden 
die letzte Strecke zurück, welche sie noch von Buschir trennte. 
Dünen beweglichen Sandes, in welchen die Pferde bis zu 
den Knien einsanken, ziehen sich zwischen der Ebene von 
Gurek und dem Meere hin, und dann galt es, einen tiefen 
Sumpf zu durchreiten, wo die Thiere wiederholt stürzten. 
Aber der Anblick der aus dem Wasser auftauchenden Stadt 
Buschir flößte den Reisenden neuen Muth ein. Ueber 
einer von Thürmen flankirten Ringmauer steigen mehr 
stöckige Häuser empor, gekrönt von zahlreichen Badgirds 
(Thürme zum Auffangen des Windes), die schlank wie 
Kirchthürme in die Luft ragen, und der Hafenstadt Süd 
persiens einen ganz anderen Charakter verleihen, als ihn 
die Städte des Inneren besitzen. Buschir, vom Meere und 
Sumpfstrecken rings umgeben, ist naturgemäß feucht und 
ungesund; in Folge dessen wird das Erdgeschoß der Häuser 
nicht bewohnt, sondern dient höchstens als Vorrathsramn, 
sowie als Unterbau für die Wohnzimmer und Talars. 
Letztere, welche auf allen Seiten eine Menge fensterähn 
licher Thüren besitzen, stoßen an eine Terrasse, und man 
braucht dann nur dieselben nach der Windseite hin zu 
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