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Bibliographische Daten: Münchner Beiträge zur Völkerkunde, 3.1990

Samischer Schamanismus 
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Samischer Schamanismus 
BERNHARD WEIDLE 
Zusammenfassung: Der samische Schamanismus ist eine Variante des archaischen Schamanismus in Nordeura- 
sien. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Christentum in den samischen Gebieten mehr und mehr verbreitet. Da- 
bei kam es zu einem Synkretismus zwischen christlichen und samischen Glaubensvorstellungen. 
In seinem Standardwerk „Schamanismus und archaische Extasetechnik“ schreibt ELIADE (1954), dass der lappi- 
sche Schamanismus im 18. Jahrhundert verschwand. Bis in unsere Zeit jedoch gibt es Andeutungen, dass das alte 
schamanische Wissen bei Einzelindividuen des samischen Volkes auch heute noch vorhanden ist. Die internationa- 
ie Popularität des Themas Schamanismus hat auch in Norwegen zu erneuertem Interesse für die überlieferten scha- 
manischen Praktiken geführt. 
Der vorliegende Beitrag gibt eine Einführung in samische vorchristlich-schamanische Glaubensvorstellungen an- 
hand einer Quellenübersicht, sowie eine Präsentation deren Renaissance am Beispiel des Schamanen Ailo Gaup’s, 
basierend auf einem Interview mit ihm. 
Saami Shamanism 
Abstract: Saami shamanism is a variant of the archaic shamanism in Northern Eurasia. In the 17th and 18th cen- 
turies Christianization took place in the Saami region and a syncretism between Christian and Saami beliefs devel- 
oped. 
In his classical book “Shamanism: Archaic Techniques of Ecstasy”, ELIADE (1954) wrote that Lapp shamanism 
disappeared in the 18th century. But there exist indications up to present days that some Saami individuals still pos- 
sess the old shamanic knowledge. The international popularity of the topic of shamanism has caused a renewed 
interest in the Saamis’ traditional shamanic rituals, 
The present contribution provides an introduction into Saami pre-Christian shamanic beliefs by means of a survey 
of the sources and documents their renaissance presenting the example of the shaman Ailo Gaup, based on an in- 
terview with him. 
Keywords: Samischer Schamanismus, Lappland, Norwegen, Saami Shamanism, Lappland, Norway 
Der samische Schamanismus ist eine Variante des 
archaischen Schamanismus in Nordeurasien. Das 
Wort Noaide, die Bezeichnung für den samischen 
Schamanen, kommt in allen samischen und einer 
Reihe finnisch-ugrischen Sprachen vor. Es gehört 
wahrscheinlich zu der Schicht samischer Wörter, die 
mindestens 4000 Jahre alt sind. Es hat die selbe Be- 
deutung in der am weitesten westlich lokalisierten 
samischen Sprache und der am weitesten östlich lo- 
kalisierten Mansi Sprache. Das legt nahe, dass so- 
wohl die Bedeutung des Wortes wie auch die Institu- 
tion, für die es steht, gleich alt sein können (RYD- 
VING 1987, NESHEIM 1972, ITKONEN 1946). 
Der samische Noaide ist eindeutig ein Schamane 
gemäss den Definitionen von ELIADE (1954) und 
HULTKRANTZ (1973, 1978, 1985). Er ist der Experte 
der Ekstasetechnik. Seine Ekstasemittel sind vor al- 
lem monotones Trommeln, Joik (spezielle Gesangs- 
form der Samen) und die Erzeugung rhythmischer 
Laute, z.B. durch Metallgehänge an der Trommel. 
Gelegentlich werden auch rasche Bewegungen oder 
Tanz eingesetzt. In der Trance verlässt die Seele des 
Noaiden den Körper, vor allem, um in die Unter- 
welt, das Reich der Toten, zu kommen, aber auch 
um Wissen von entfernten Gegenden auf der Welt 
‘die Mittlere Welt des schamanischen Weltbildes) 
oder von der oberen Welt der Götter oder Geister zu 
erhalten. Auf der Reise stehen ihm Hilfsgeister in 
Tiergestalt bei, oft ein Vogel, ein Fisch oder ein Ren- 
ier, als Repräsentanten der drei Sphären. 
Der Anwendung von halluzinogener Stoffe, z.B. 
die Einnahme von Fliegenpilzen (Amanita musca- 
ria), wie im benachbarten eurasischen Schamanis- 
mus, ist im samischen Bereich wenig belegt. Nach 
NESHEIM (1972) ist der Gebrauch von Fliegenpilz 
bei den Samen unbekannt. Als einzige Quelle be- 
richtet ITKONEN (1946) von einer mündlichen Über- 
lieferung aus Inari, derzufolge auch samische Noai- 
curare 22(1999)2: 171-185
	        
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