Digitalisate

Hier finden Sie digitalisierte Ausgaben ethnologischer Zeitschriften und Monografien. Informationen zum Digitalisierungsprojekt finden Sie [hier].

Suchen in

Volltext: Anthropos, 46.1951

Erstgeburtsfeiern auf dem westlichen Neubritannien 
203 
und ihre häuslichen Arbeiten verrichten. Doch bleibt ihr vorläufig noch der 
Weg in den Busch und in die Pflanzung untersagt. Bei ihrem ersten Spazier 
gang durch die Gehöfte wird sie von allen mit Freuden begrüßt und beglück 
wünscht. An den Pfaden, die aus dem Dorf hinaus führen, wirft die Mutter 
kleine Eßpäckchen und Körbchen nieder, die aber nichts anderes als Speise 
abfälle enthalten. Das ist ein Opfer für die Geister. 
Nach etwa einem Jahre, wenn der Erstgeborene bereits umherkrabbeln 
kann, findet zu seiner Ehre eine große Feierlichkeit statt : die Zeremonie des 
Haarschneidens. Der Dorfhäuptling bestimmt den Tag. Das ganze Dorf zieht 
in die Pflanzung, um Körbe voll Taro, Yams, Bananen, Zuckerrohr herbei 
zuschleppen. Als Zuspeise dienen Schweinefleisch und Fische. Die Zeremonie 
heißt : ta ket n’gerngeu, „man beschneidet das Haar des Kindes“. Auch der 
Mutter wird das Haupthaar an den Schläfen und im Nacken gestutzt und 
schwarz-rot gefärbt. Über und über wird die Mutter mit Zierschnüren aus 
Baumbärzähnen und schwarzen Muschelplättchen (a vula) behängt. Auf der 
Brust trägt sie ein Paar mächtiger Eberhauer. In gleicher Weise wird auch 
das Kind geschmückt : Das gestutzte Haar wird ihm an den Seiten rot gefärbt 
und in der Mitte schwarz. Auf der Brust hängt ihm außer dem üblichen 
Schmuck ein Eberhauerpaar in Miniaturausgabe. Am Nachmittag bringen 
die Frauen das zubereitete Festessen zum Haus. Dabei thront die Mutter 
wieder mit ihrem Sprößling auf der Veranda und läßt sich von den Gästen 
feiern. Ein Teil des Essens wird in Körbe (a sia) gepackt und den Häupt 
lingen und Vornehmeren des Dorfes präsentiert. Diese halten ihr Mahl im 
Männerhause. Anderntags geht die junge Mutter mit den Frauen zum 
erstenmal wieder hinaus in die Pflanzungen. Das für den Erstgeborenen 
bestimmte Feld ist soweit abgeerntet, und die Frauen pflanzen nun auf 
dieselbe Stelle wildes Zuckerrohr (a tavual, Saccharum floridulum) für 
das nächste Jahr. 
Steht das Zuckerrohr in Blüte, wird ein drittes Fest veranstaltet : 
ta ian tavual, „das Essen der Zuckerrohrblüten“. Selbstverständlich besteht 
das Mahl nicht nur aus Zuckerrohrblüten, sondern zum größten Teil aus Taro, 
Schweinefleisch usw. Das Essen nimmt seinen Verlauf in der bereits beschrie 
benen Form. Die Männer essen im Männerhaus, wohin ihnen ihr Anteil 
getragen wird. Danach begeben sie sich zum Haus des Gefeierten und holen 
das Kind vom Elternhaus ab, um es erstmalig in das Männerhaus einzuführen. 
Diese Einführung geschieht, im Gegensatz zur Sitte bei den Kombe, ohne 
besondere Zeremonien. Von dieser Zeit ab pendelt der Knabe zwischen 
Eltern- und Männerhaus hin und her, wie es ihm beliebt. Ist aber das 
erstgeborene Kind ein Mädchen, so findet diese Überführung ins Manner- 
haus nicht statt. 
Eine weitere Zeremonie möge hier noch Platz finden, obwohl sie bereits 
zur eigentlichen Jugendinitiation überleitet. Es handelt sich um die end 
gültige und dauernde Aufnahme des Knaben in das Männerhaus. Wenn der 
Knabe etwa 9 Jahre alt ist, lassen die Männer an einem festgesetzten Abend 
die Schwirrhölzer (tibura) ertönen und geben die Parole aus : a tibura i an 
gaia, „die Geister (deren Stimme das Schwirrholz darstellt) wollen ein Schwein
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.