Erstgeburtsfeiern auf dem westlichen Neubritannien
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und ihre häuslichen Arbeiten verrichten. Doch bleibt ihr vorläufig noch der
Weg in den Busch und in die Pflanzung untersagt. Bei ihrem ersten Spazier
gang durch die Gehöfte wird sie von allen mit Freuden begrüßt und beglück
wünscht. An den Pfaden, die aus dem Dorf hinaus führen, wirft die Mutter
kleine Eßpäckchen und Körbchen nieder, die aber nichts anderes als Speise
abfälle enthalten. Das ist ein Opfer für die Geister.
Nach etwa einem Jahre, wenn der Erstgeborene bereits umherkrabbeln
kann, findet zu seiner Ehre eine große Feierlichkeit statt : die Zeremonie des
Haarschneidens. Der Dorfhäuptling bestimmt den Tag. Das ganze Dorf zieht
in die Pflanzung, um Körbe voll Taro, Yams, Bananen, Zuckerrohr herbei
zuschleppen. Als Zuspeise dienen Schweinefleisch und Fische. Die Zeremonie
heißt : ta ket n’gerngeu, „man beschneidet das Haar des Kindes“. Auch der
Mutter wird das Haupthaar an den Schläfen und im Nacken gestutzt und
schwarz-rot gefärbt. Über und über wird die Mutter mit Zierschnüren aus
Baumbärzähnen und schwarzen Muschelplättchen (a vula) behängt. Auf der
Brust trägt sie ein Paar mächtiger Eberhauer. In gleicher Weise wird auch
das Kind geschmückt : Das gestutzte Haar wird ihm an den Seiten rot gefärbt
und in der Mitte schwarz. Auf der Brust hängt ihm außer dem üblichen
Schmuck ein Eberhauerpaar in Miniaturausgabe. Am Nachmittag bringen
die Frauen das zubereitete Festessen zum Haus. Dabei thront die Mutter
wieder mit ihrem Sprößling auf der Veranda und läßt sich von den Gästen
feiern. Ein Teil des Essens wird in Körbe (a sia) gepackt und den Häupt
lingen und Vornehmeren des Dorfes präsentiert. Diese halten ihr Mahl im
Männerhause. Anderntags geht die junge Mutter mit den Frauen zum
erstenmal wieder hinaus in die Pflanzungen. Das für den Erstgeborenen
bestimmte Feld ist soweit abgeerntet, und die Frauen pflanzen nun auf
dieselbe Stelle wildes Zuckerrohr (a tavual, Saccharum floridulum) für
das nächste Jahr.
Steht das Zuckerrohr in Blüte, wird ein drittes Fest veranstaltet :
ta ian tavual, „das Essen der Zuckerrohrblüten“. Selbstverständlich besteht
das Mahl nicht nur aus Zuckerrohrblüten, sondern zum größten Teil aus Taro,
Schweinefleisch usw. Das Essen nimmt seinen Verlauf in der bereits beschrie
benen Form. Die Männer essen im Männerhaus, wohin ihnen ihr Anteil
getragen wird. Danach begeben sie sich zum Haus des Gefeierten und holen
das Kind vom Elternhaus ab, um es erstmalig in das Männerhaus einzuführen.
Diese Einführung geschieht, im Gegensatz zur Sitte bei den Kombe, ohne
besondere Zeremonien. Von dieser Zeit ab pendelt der Knabe zwischen
Eltern- und Männerhaus hin und her, wie es ihm beliebt. Ist aber das
erstgeborene Kind ein Mädchen, so findet diese Überführung ins Manner-
haus nicht statt.
Eine weitere Zeremonie möge hier noch Platz finden, obwohl sie bereits
zur eigentlichen Jugendinitiation überleitet. Es handelt sich um die end
gültige und dauernde Aufnahme des Knaben in das Männerhaus. Wenn der
Knabe etwa 9 Jahre alt ist, lassen die Männer an einem festgesetzten Abend
die Schwirrhölzer (tibura) ertönen und geben die Parole aus : a tibura i an
gaia, „die Geister (deren Stimme das Schwirrholz darstellt) wollen ein Schwein