Volltext: Anthropos, 29.1934

Klima und Sprache. 
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Klima und Sprache. 
Von H. L. Koppelmann, Bandoeng, Nederl.-Indie. 
Inhalt: 
I. Fragestellung und Methode. 
II. Die Verteilung der konsonantenreichen und der vokalreichen Sprachen auf der Erde. 
III. P. W. Schmidt’s physiologische Erklärung für den Einfluß des Klimas auf den 
Lautcharakter der Sprache. 
IV. Die Verbreitung der konsonantenreichen und der vokalreichen Sprachen, verglichen 
mit der Verbreitung der Zivilisation und der „klimatischen Energie“ nach Hun 
tington. 
V. Der Klang der Sprache als Produkt der Geschmacksrichtung des Volkes. 
VI. Die Verbindung bestimmter Gefühlswerte mit dem mehr oder weniger großen 
Vokalreichtum der Sprache. 
VII. Empirischer Beweis für die Zusammengehörigkeit bestimmter Sprachtypen mit be 
stimmten Klimazonen. 
VIII. Erklärung einer Ausnahme: die Maori-Sprache als „Rufsprache“. 
IX. Der Einfluß des Klimas auf die menschliche Aktivität. 
X. Schlußbemerkungen. 
I. Fragestellung und Methode. 
Bei den bisherigen Untersuchungen über den Einfluß des Klimas auf die 
Sprache hat man meist einen direkten physiologischen Einfluß angenommen. 
So bei der wohl allgemein aufgegebenen alten Theorie, nach der das tief gut 
turale schweizerische ch eine Wirkung der rauhen Gebirgsluft darstellt. Oder 
bei der Erklärung der Schnalzlaute in gewissen südafrikanischen Sprachen aus 
einer „Anpassung des Sprechmechanismus an die hohe Lufttrockenheit der 
Kalahari“ (vgl. Buschan, Völkerkunde I, 458). Oder bei der bekannten Hypo 
these, nach der die germanische Lautverschiebung bei der Wanderung der Ger 
manen über die Karpathen nach Ungarn entstanden ist, indem das Bergsteigen 
eine stärkere Expiration während des Sprechens verursachte. Von diesen Unter 
suchungen unterscheidet sich die vorliegende in doppelter Hinsicht. 
Inhaltlich insofern, als hier nicht nach einem direkten physiologischen 
Einfluß des Klimas auf die Sprache gesucht wird, sondern nach einem 
indirekten, indem das Klima zunächst einmal Sitten und Verkehrston der 
Völker beeinflußt und durch deren Vermittlung den Klang der Sprache. 
Methodisch soll hier anders verfahren werden als in manchen anderen 
Untersuchungen über dasselbe Thema, indem grundsätzlich ein ursächlicher 
Zusammenhang nur dann anerkannt wird, wenn sich aus den gleichen Ur 
sachen auch immer und überall die gleichen Wirkungen ergeben, oder wenn 
wenigstens da, wo in einzelnen Fällen dem klimatischen Typus A nicht genau 
der Sprachtypus a entspricht, die Abweichung aus besonderen Umständen 
erklärt werden kann. In dieser Hinsicht scheint mir z. B. die obenerwähnte
	        
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