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fullscreen: Globus, 77.1900

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Kleine Nachrichten . 
genau begrenzt . Den auf diesem Wege entstandenen Löfs — in Rufsland , Mitteleuropa , Nordamerika und China — nennt Tutkowski den „ Normallöfs“ , während der französische und belgische Löfs wohl auf einem von diesem abweichenden Wege gebildet sei . 
— 0 . Fuhrmann giebt einen Beitrag zur Biologie des Neuenburger Sees ( Biolog . Centralbl . 1900 , Nr . 3 u . 4 ) , worin er betont , dafs einzig in Norddeutschland und amerika Seen während eines oder melirerer Jahre einer fau - nistischen Untersuchung unterworfen worden seien . Der am Fufse des Jura gelegene Neuenburger See zeigt eine fläche von 216 km , seine gröfste Tiefe beträgt 153 m , die mittlere nur 65 m . Merkwürdig ist , dafs Fuhrmann im Neuenburger See zwei Maxima und zwei Minima in der Planktonproduktion nachzuweisen vermochte , deren erstere Ende Mai und Anfang Dezember erscheinen , während das erste Minimum den Monat März und das zweite den August occupiert . Das Studium des Genfer Sees hat dieselben sultate ergeben , während dagegen in den norddeutschen Seen sich nur ein Maximum und ein Minimum vorfinden . Audi zeigt sich das Maximum der Planktonproduktion in letzteren Seen mehrere Monate später . 
— Lemaires Katangaexpedition . Seit April 1898 ist eine neue grofse belgische Katangaexpedition unterwegs , die neben der weiteren wissenschaftlichen Erforschung des quellgebietes namentlich die wirtschaftliche Erschliefsung selben fördern soll . An der Spitze steht Leutnant Lemaire , der über einen Stab von 6 Europäern , darunter einen logen und einen Prospektor , verfügt . Die Expedition begab sich auf der Route Schire—Nyassa—Tanganika nach Mpueto am Moerosee , wo Ende November 1898 die Ankunft erfolgte . Ende Februar war sie in Lofoi , der belgischen Station in der Nähe des Lufira in Katanga . Aus im „ Mouv . geogr . “ vom 25 . März d . J . veröffentlichten Nachrichten , die bis Ende November v . J . reichen , geht hervor , dafs die dition zunächst das Stromgebiet des Lufira bis zum Luapula eingehend durchforschte und die Ergebnisse Le Marineis , Delcommunes , der Mission Bia - Francqui , Stairs’ und Brasseurs erweiterte , und dafs sie dann westwärts bis zum Dilolosee 
( Wasserscheide zwischen Sambesi und Kassai ) vordrang . Den Rückweg nahm Lemaire der Südgrenze des Kongostaates entlang , indem er sich auf der Wasserscheide des Sambesi - und Lualabasystems hielt ; er kreuzte hierbei die Oberläufe desLulua ( Kaombeberg ) , Lubudi , Kabompo , Nsilo , Lufira u . a . , durchzog also ein zum gröfsten Teil noch unbekanntes biet . Am linken Ufer des oberen Lualaba traf Lemaire den bekannten Major Gibbons an , der seinen letzten Briefen zufolge Anfang Oktober v . J . bis in die Gegend des Dilolo - sees gekommen war und von dort nach Osten zu gehen absichtigte . Gibbons schlofs sich der Expedition Lemaires an und erreichte mit ihr zusammen Ende November Tenke im Lufiraquellgebiet . Lemaire teilt mit , dafs die Länge seines Itinerars 3000 km beträgt und dafs er es durch reiche astronomische Ortsbestimmungen festgelegt hat . 
— Über den Regen in Südchile schreibt K . Martin ( Yerhdlg . des deutschen wissensch . Vereins zu Santiago de Chile , 
4 . Bd . , 1899 ) . Als Gesamtcharakter der Regen Verhältnisse dort kann man sagen , dafs die chilenischen Provinzen Valdivia , Llan - quihue und Chilve im Verhältnis zu ihrer geographischen Breite sehr starken Regenfall , ein sehr feuchtes Klima und einen geringen Unterschied ihrer Jahreszeiten besitzen . Der Regen verbreitet sich über das gesamte Jahr , vielleicht um so gleichmäfsiger , je weiter nach Süden , ist aber im ganzen im Winter reichlicher als im Sommer . Dieses Klima ist entschieden ein oceanisches . In der That wird man durch die häufigen und überaus wechselvollen , wenn auch in ihrer steten Wiederholung schliefslich monotonen Regenschauer an die Böen der deutschen , an die grains der französchen leute erinnert . Der stärkste Regen in den letzten 12 Jahren fand am 10 . Januar 1893 statt mit 193 mm Wasser . Wenn oberflächliche Beobachter behaupten , dafs in Südchile mals eine Woche ohne Regen vorkomme , so hält dem fasser ein paar zufällig herausgegriffene Perioden schönen Wetters entgegen , die 24 und 37 Tage umfassen . Freilich kommen auch Perioden von Wochen und ganzen Monaten vor , in welchen nur wenige Tage frei von Regen sind , gekehrt giebt es eben aber auch Perioden , in denen kaum ein Tropfen Regen zur Erde fällt . 
Im „ Globus“ , Bd . 75 , S . 120 , berichtete N . v . Seid - litz in Tiflis über die Auswanderung der sischen Duchoborzensekte aus dem Kaukasus nach Kanada . Jetzt liegen Berichte über die nahme und das Wohlergehen dieser thätigen Russen in der neuen Heimat vor , denen wir die den Mitteilungen entnehmen . Die neuen Ansiedler wurden überall in Kanada in geradezu enthusiastischer Weise empfangen , da die Presse vorher gehörig für deren Lob gewirkt hatte ; in St . John , Neu - Braun - scliweig , bewillkommnete man sie sogar mit schüssen . Die ersten 2000 kamen im Januar 1899 an und jetzt sind über 7000 in Manitoba angesiedelt . 
Kennzeichnend ist , dafs sofort Schulen für die angekommenen errichtet wurden , in welchen die Ducho - borzenkinder mit Leichtigkeit die englische Sprache erlernen . Als das Frühjahr herankam , begannen die Duchoborzen den ihnen überwiesenen , noch gänzlich unbebauten Boden zu kultivieren , wobei die Kanadier erstaunt sahen , dafs die Weiber der Sektierer sich mangels Zugviehes vor die Pflüge spannten . Ihre Häuser haben sie , da es an Zimmerholz nicht fehlt , in der Art der russischen Blockhäuser errichtet ; oft blofs mit dem Beile arbeitend und ohne unsere Nägel zu nutzen . Die Beheizung erfolgt durch die gewaltigen selbstgefertigten Thonöfen , welche sie auch nach scher Art in die neue Heimat übertragen haben . gemein wird die grofse Geschicklichkeit und der Fleifs der Duchoborzen anerkannt , ihr höfliches und nettes Benehmen und die grofse Selbstdisciplin , die unter ihnen herrscht . Nur eines ist an ihnen den Kanadiern unheimlich : die ungeheure Stille , die in einem Ducho - borzendorfe herrscht ; es ist , als ob die Kinder nicht jauchzen und sich freuen könnten , denn auch sie halten sich bei ihren Spielen schweigsam . Was die Leute durch Fleifs und Genügsamkeit zu leisten mögen , geht aus der folgenden Mitteilung einer dischen Zeitung hervor : „ So aufserordentlich haben sich die Duchoborzen , diese russischen Quäker , in 
Kanada entwickelt , dafs sie von den Vorschüssen , welche ihnen die kanadische Regierung zum Ankäufe von Maschinen und Geräten leistete , schon nach Ablauf kaum eines Jahres 80 Proz . zurückgezahlt haben . “ Wir bringen hier nach einer in Kanada aufgenommenen Photographie die Abbildung einer Duchoborzenfamilie , welche zeigt , wie diese Sektierer ihre alte Tracht auch jenseits des Weltmeeres beibehalten haben . 
Duchoborzenfamilie in Kanada . 
Nach einer Photographie von Baldwin u . Blondeil in Winipeg . 
Verantwortl . Redakteur : Dr . R . Andree , Braunschweig , Fallersleherthor - Promenade 13 . — Druck : Friedr . Vieweg u . Sohn , Braunschweig .
	        
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