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Volltext: Der Germanist Hans Naumann in seiner Bedeutung für die Volkskunde

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der 'Unterschicht', mithin gegen die Lehre vom "gesunkenen Kultur- 
Sut" (vgl. Fraenger 1926). Hans Naumann nahm in seiner Rezension 
les Jahrbuches selbst Gelegenheit, sich mit Fraenger direkt aus- 
$inanderzusetzen. Der Streit entzündete sich natürlich am Problem, 
°b das 'Volk' die Fähigkeit besitze, aus der 'Oberschicht' herab- 
Sesunkene Kulturgüter schöpferisch umzustilisieren, Dabei stellt 
Sich die Frage, ob nicht auch schon eine bloße Rezeption ein 
Schöpferisches Moment enthält, z. B. bei der Auswahl des zu Re- 
Zipierenden, Auch die kleinste "Umstilisierung" hat natürlich eine 
Schöpferische Komponente, die bei Untersuchungen zur Herkunft und 
Iwanalung von Erscheinungen der Volkskultur mit berücksichtigt 
"erden muß, 
doch lesen wir, was Naumann auf die Fraengerschen Argumente ent- 
Segnete: "Mag sein, daß dieser oder jener die Eigenwerte der 
Volksmäßigen Reproduktion nicht immer genügend betont hat, ge- 
leugnet hat die Erforschung der geistigen Volksgüter und, was 
Mich betrifft, auch die Erforschung der sachlichen Volksgüter 
Niema1s jene Umstilisierungen, die Fraenger jetzt so gewichtig 
in den Vordergrund rückt, Das Neue und Wesentliche, daher stark 
ZU betonende war auch in diesem klaren Falle die Abhängigkeit, das 
Sinken von oben, Gegenüber der grundlegenden Bedeutung dieses Prin- 
%ips ist alle Über- und Unterschätzung der primitiven Eigenwerte, 
für die man meinetwegen einen nach dem Muster von praelogisch, 
Praemoralisch geprägten neutralen Ausdruck bilden müßte, unwe— 
Sent1ich. "80 
Naumann rückt also wieder die Frage der Herkunft des Kulturgutes 
in den Vordergrund, nicht die Frage nach den Ursachen und Wirkun- 
Sen ger Kulturdynamik, und betont die Abhängigkeit "von oben", 
"Man möchte dem Fraengerschen Spürsinn nur wünschen, daß er wei-—- 
tere So wertvolle Beispiele gesunkenen Kulturguts auftreibt, vor 
Allem auf deutschem Gebiete, Sie würden in einem neuen großen 
Sstem der Volkskunde, das der Referent in seiner alten Weise 
Dlant, eine fröhliche Urständ erleben, ... Die Volkskunde hat im 
Dornröschenschlaf der Romantik noch lange gelegen, als ihre 
Schwesterwissenschaften längst zu sehr positivistischen Methoden 
daraus erwacht waren, Es kommt jetzt darauf an, sie zwar in ihre 
Dositivistische Epoche noch nachträglich hineinzuführen, ihr aber 
doch zugleich auch jene neue Konstruktive zu geben, die heute, 
in unseren Tagen, Erfordernis jeder Wissenschaft geworden ist 
(1 R. S.). Beide Forderungen erfüllt die Lehre vom gesunkenen
	        
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