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Volltext: Globus, 92.1907

Leutnant Franz Mühlhofer: Über knochenführende Diluvialschichten usw. 
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wenig Wasser in die Tiefe sickert. Wäre also zur 
Römerzeit der Triester Karst3) wirklich durchaus be¬ 
waldet gewesen, so hätte nur eine sehr geringe Tiefen¬ 
entwässerung stattfinden können, somit auch eine Wasser¬ 
verminderung der Riesenquellen des Timavo. Sein 
römerzeitlicher Wasserreichtum ließe somit nur auf eine 
damalige ärgere Verkarstung schließen. Diese Möglich¬ 
keit wird aber noch durch die speläologische Ansicht 
einer bedeutenden submarinen Abzapfung verdrängt. 
Die trockene Steppenzeit, in der die Sinterbildung 
ansetzt, ist das Ende des Diluviums, dessen Minimal¬ 
alter sich, von verschiedenen Gesichtspunkten aus (Vivian, 
Sinterschichten in der Kenthöhle; Lyell, Hebungsbewegung 
von Sandmassen; Mortillet, Verwitterungsgrad der Glet¬ 
scherschliffe) annähernd berechnet, auf 250 000 Jahre 
beziffert. 
Nun tritt wieder der Mensch auf. Hirsche, Wölfe, 
Eber und Bären sind seine Gesellen. Trotz der Kennt¬ 
nis des Feuergehrauches treibt ihn die Kälte in die 
letzten Enden der Grotten, und hier geben wieder Speise¬ 
überreste von Sü߬ 
wasserfauna Zeug¬ 
nis anderer hydro¬ 
graphischer Be¬ 
schaffenheit. Die 
Flintartefakte sind 
zierlicher und häu¬ 
figer, auch versteht 
er sich bereits in 
einfacher Kera¬ 
mik. Die Kälte¬ 
wirkung scheint 
noch durchaus 
sein Treiben zu 
beschränken. 
Endlich läßt sie 
nach! Der Mensch 
bewohnt nun all¬ 
mählich nur luf¬ 
tigere Grotten, 
Felsennischen und 
legt sich auch im 
Freien Wohn¬ 
stätten an. Eber 
und Bär treten 
zurück. Der Jäger verehrt sie als seltene Beute, denn 
er zeichnet sie auf gebrannte Knochen oder bearbeitet 
sorgsam ihre Zähne zu Schmuck als seine Zierde. 
Feuersteingeräte in feinster Ausführung stammen aus 
der Umgebung, Süditalien usw., ja selbst indische 
Steine und Kupfer werden verarbeitet. Die Tongeräte 
sind oft kunstvoll verziert und sehr zahlreich. Dasselbe 
gilt auch von den Knochenartefakten. Als Jäger und 
Kaufmann tritt uns also der Mensch der jüngeren neo- 
lithischen Steinzeit entgegen, mit einer Kultur, die wir 
bestimmt unterschätzen. 
Auf die trockene warme Steppenzeit folgt also wieder 
eine andauernde kalte Zeit, eine Nacheiszeit, die sich 
aber langsam abschwächt bis in die Gegenwart. 
Endlich wieder eine Störung des Zusammenhanges: 
der jungneolithisch-römische Hiatus, der dort, wo er 
3) Allenthalben liest man auch die Ansicht, der ganze 
Karst (der größte Teil des dinarischen Faltengebirges!) sei 
von den Römern entwaldet. Daß die Alluvionen des Timavo 
und andere Küstenstriche herrliche Haine hatten, tut nichts 
zur Sache. 
nachweisbar ist, sich als den größten repräsentiert. Diese 
Erscheinung ist aber lediglich auf den Umstand zurück¬ 
zuführen , daß während der Bronzezeit die Höhlen un¬ 
bewohnt blieben. Dafür aber liegen, insbesondere in 
den Höhlen der Umgebung von Nabresina, in deren obersten 
Schichten zahlreiche Scherben römischer Wasserurnen 
von über 1 m Höhe und in einen Zapfen auslaufend. 
Diese wurden von den römischen Steinbruchsarbeitern 
dazu benutzt, um das Sickerwasser aufzufangen, jeden¬ 
falls wieder ein Beweis für die gänzliche oberirdische 
Wasserarmut dieser Gegend zur römischen Zeit. Ich 
erwähne diesen Hiatus, da noch die Behauptung auf¬ 
recht ist, die Römer seien mit den „Neolithikern“ in 
Berührung gewesen. Die Histrier, die hier dem römi¬ 
schen Ansturm zähen Widerstand leisteten, hätten das 
sicher nicht mit Knochenpfriemen und Silexinstrumenten 
zuwege gebracht, und der Obsidian wurde von den 
Römern wohl zu Kameen, aber nicht zu Pfeilspitzen ver¬ 
arbeitet! Vielmehr stand es damals mit den Troglodyten 
so wie heutigen Tages mit den Zigeunern. 
Wir können 
also deutlich zwei 
eiszeitliche, eine 
zwischen- und 
nacheiszeitliche 
Periode unter¬ 
scheiden. Dem 
Homo begegnen 
wir im ersten 
Interglazial. Lei¬ 
der fehlen uns 
noch menschliche 
Knochenfunde; 
wahrscheinlich ist 
aber, daß sie jün¬ 
ger wären als die 
Schädel von Spy, 
Neandertal und 
Krapina, die in 
einem früheren 
Interglazial lagen, 
das hier noch 
nicht nachgewie¬ 
sen ist. Die ana¬ 
tomische Anthro¬ 
pologie nennt diesen Menschen Homo primigenius. Er 
tritt im ersten Interglazial als fast vollkommener 
Mensch auf. In der ersten Eiszeit wird er vermißt, 
ebenso noch im Präglazial. Nur die letzte Periode 
aber wäre es, die als Übergangszeit zwischen Ter¬ 
tiär - und Quartärklima einem Tertiäraffen die Mög¬ 
lichkeit der Akkommodation geboten hätte : erst in 
dieser geologischen Epoche sucht die spekulative An¬ 
thropologie den Homo primigenius, sie kennt bis jetzt 
erst den Homo sapiens in den verschiedenen Rassen 
wie oben. 
In der Höhle am roten Feld arbeiteten bis jetzt 
Prof. Dr. K. L. Moser (Mitteilungen der Anthropologischen 
Gesellschaft in Wien, 1904, 3. Heft), Dr. Carlo Marche- 
setti (ebenda 1905, 2. und 3. Heft; 1906, 3. und 4. 
Heft), sowie der Höhlenforscherverein „Hades“, Triest. 
Das Knochenlager ist noch lange nicht ausgebeutet; 
trotzdem man schon 400 Bestien (davon 300 Ursus) ge¬ 
hörige Knochen und schöne paläolithische Artefakte hob, 
bietet es noch immer ein lohnendes Feld nützlichster 
Betätigung. 
Abb. 2. Schädel von Ursus spelaeus aus der Bärenhöhle von Gahrovizza. 
(Nach Dr. Marchesetti.)
	        
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