Universität Bremen, Fachbereich 10: Sprach- und Kulturwissenschaften
Eröfffnung
des Studiengangs
Kulturwissenschaft
zum Wintersemester 1986/87
Der Akademische Senat der Universität Bremen hat beschlossen, einen Ma-
gisterstudiengang Kulturwissenschaft einzurichten, der zum Wintersemester
1986/87 den Lehrbetrieb aufnimmt (Beginn der Lehrveranstaltungen am 20.
Oktober 1986). In ihm arbeiten Hochschullehrer aus verschiedenen geistes-
und sozialwissenschaftlichen Studiengängen zusammen, -Wissenschaftler; die
in ihrer Lehr- und Forschungspraxis schon seit Jahren die traditionellen Fach-
grenzen überschritten haben. Der Studiengang Kulturwissenschaft soll ein Ort
konkreter Interdisziplinarität sein, an dem die Forschungsinteressen, Objekt-
bezüge und Verfahrensweisen der bisherigen kulturwissenschaftlichen Einzel-
disziplinen sich neu kombinieren lassen, um auf diese Weise Beiträge zu einer
Wissenschaft vom Menschen zu leisten.
Der Bremer Studiengang Kulturwissenschaft ist nicht nach einem vorab
definierten Begriff von ‘Kultur’ geplant worden. Es wird ein möglichst weites
Konzept von Kultur anvisiert, das sich mit der traditionellen Vorstellung von
‘Geisteskultur’ — Kunst und Bildung — nicht zufriedengibt und auch materielle
Kultur, den Komplex von Arbeit (und ihren Vergegenständlichungen) und
Lebensweise, mit einbezieht. Von einem weiten Kulturbegriff wird auch in-
sofern ausgegangen, als kulturelle Objekte und Institutionen einerseits und
symbolische Ordnungen und Prozesse andererseits nicht je getrennt, son-
dern zusammenhängend thematisiert werden sollen. Und auch sonst wird
Vielfalt erstrebt: Der Studiengang läßt Raum für theoretische und prakti-
sche, gegenwärtige und historische, synchrone und diachrone Orientierungen.
Er vermittelt sowohl i.e.S. beobachtende, empirische, als auch hermeneutisch-
sinnverstehende, interpretative Methoden und Verfahrensweisen. Ein zentrales
Bezugsfeld wird die efgene Kultur sein; aber ebenso soll ein Verständnis fremder
Kultur(en) erworben werden. ‘Kulturwissenschaft in Bremen’ kann also z.B.
heißen: Worpswede und Venedig, sozialer Wohnungsbau und poststruktura-
listische Kulturanalyse, Baubo-Mythos und Kneipenkultur, Märchen und TV-
Familienserie, mittelalterliche Logik und alternative Theaterkultur, Schlaraf-
fenland und Szenenkultur der DDR; kulturtheoretischer Lektürekurs und em-
pirische Untersuchung, philologische Quellenanalyse und Selber-Schreiben ...