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Inhalt / Download : Zeitschrift für Volkskunde, 71/72.1975/76

Der Wundertraum vom Liebesglück 
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wünscht sich nun mal jede Frau — sauber, adrett, gescheitelt, überdies mit 
jener glockenhellen Stimme, die Unverdorbenheit signalisiert und in 
ihrem Gefolge die Sicherheit, ein solches Prachtskerlchen würde gehor 
sam sein und dankbar, ein ganzes Leben lang — ganz so, wie es in seinen 
Liedern heißt. 
Oder Freddy: das ist auch nach langen Jahren an Land, auf den Büh 
nen, in den Studios, das ist immer noch der Junge, der zur See fuhr, mit 
Wind und Wellen kämpfte, sich die Haut gerben ließ und Schwielen an 
die Hände bekam, dessen erste shanties im „Milieu erklangen — ein 
Vasco da Gama des 20. Jahrhunderts, ein Weltenbummler vor aller orga 
nisierten Massentouristik; und, dies vor allem, ein Kumpel, ein guter 
Freund, mit dem man Pferde stehlen und sein Bier an der Theke schluk- 
ken möchte. 
Oder Udo: das ist einer, dessen Melancholie und Sensibilität — physio- 
gnomisch und von der Statur noch unterstrichen — man versteht (weil es 
ja mit der eigenen so viel zu tun und der eigenen die Formulierungsge 
wandtheit voraus hat), einer, der so oft zur Befriedigung anthropologi 
scher Minimalbedürfnisse beigetragen hat, daß man ihm sogar einen Aus 
rutscher ins Gesellschaftskritische nachsieht. 
Oder Roy Black 10 oder Peter Alexander oder - - vermutlich gelänge 
bei fast allen Stars die Verbindung von Image hin zu einer imago, die 
Idealfiguren eignet, die mithin als Projektionsfeld dienlich ist für die 
vielen, denen das Aussprechen des kaum Sagbaren von jenen Vor-Sän- 
gern abgenommen wird: sie leisten Formulierungshilfen für das, was 
selbst auszusprechen unmöglich oder kitschig schiene. 
Die Stars stellen über die häufig verbalisierte Ich-Du-Situation („Du 
bist nicht allein“) und über Schlagergeschichten mit kaum je überschritte 
nem Zweipersonenkreis eine paradox funktionierende Personahsierung 
her: über anonym zu nennende Verteiler (Platte, Funk, Fernsehen) mit 
numerisch nicht mehr erfaßbarem Streu-Effekt, also mit einer Hörerzahl, 
die oft in die Millionen geht, werden lauter einzelne Endabnehmer schein 
bar persönlich, individuell angesprochen, betreut: jeder einzelne kann sich 
10 Vgl- Hellmuth Karasek (über Roy Black), Eine technische Gemütsvitrine. In: ZEIT- 
magazin, 2. 10. 1970, S. 48. Karasek zitiert aus dem Werbematerial für Roy-Black- 
Tourneen: „Roy, der Star der weichen Welle, hat das Wunder (!) möglich gemacht, 
be i jung und alt gleichermaßen beliebt zu sein. Die Teenager sehen in dem gut 
aussehenden Jungen ihr Idol schlechthin; die Frauen loben Roys gute Manieren, seine 
gepflegte Erscheinung und seine angenehme Stimme; die Männer respektieren ihn als 
Pfundskerl . . . Daß Roys sympathische Art und seine sanften Lieder blutjunge 
Mädchen wie grauhaarige Mütter begeistern, mag eine Erklärung für seinen märchen- 
aften (!) Erfolg sein. Eine weitere: Er spricht für all jene, die sich im Zeitalter der 
Raketen und Computer einen Platz für die Romantik bewahrt haben. — Vgl. auch 
den vorzüglichen Artikel von Manfred Sack, Der deutsche Sänger der Einfalt (über 
H eino). In: Die Zeit, 5 . 10 . 1973.
	        
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