Volltext: Globus, 72.1897

388 
Aus allen Erdteilen. 
Schilf hei günstiger Gelegenheit verlassen. — Die beiden 
ersten Gruppen, die sogenannten „Handelsinsekten“, sind 
geringer an Zahl als die zufällig verschleppten, die letzteren 
hingegen gelangen selten zur Vermehrung, da nur in seltenen 
Fällen wirklich Männchen und Weibchen zusammen mit 
geführt werden und die Quais der grofsen Seestädte keine 
günstige Existenzbedingungen bieten; nur die Fliegen sind 
in dieser Beziehung günstig daran. 
Die Einführung von Alten fügt nun aber nicht nur neue 
Arten zur bestehenden Fauna hinzu, sondern sie ist oft der 
Grund, dafs einheimische Formen verschwinden, so ist z. B. 
in Amerika, seitdem Pieris rapae dort eingeführt ist, die 
früher dort einheimische Pontia oleracea fast ganz an Stellen 
verschwunden, wo sie früher sehr häufig vorkam. Seit der 
Coloradokäfer (Doryphora 10 lineata) von Westen her vor 
drang und sich auf den Kartoffelfeldern des Ostens vermehrte, 
verschwand dort die früher im Osten häufige Doryphora 
junita fast ganz. — Näher auf die zahlreichen von Howard 
angeführten Beispiele einzugehen, verbietet uns der Baum, 
wir verweisen in dieser Beziehung auf die Arbeit selbst. 
— Far-öer. Kapitän Sand, welcher mit der Vermessung 
der Far-öer während der Jahre 1895 und 1896 betraut war, 
giebt (Geografisk Tidskrift XIV) an, dafs die Lage der 
Hauptstadt Thorshavn bisher unrichtig angegeben wurde. 
Die richtige Position ist 62° 0' 49" nördl. Br. und 6 ° 45' 23" 
östl. L. v. Gr. Der höchste Berg der Inselgruppe, der 
Slattaratinde, liegt im Norden von Österö, westlich vom 
Fundingsfjord und erreicht 882 m; der höchste Gipfel auf 
Stromö ist der Kopende, 790 m. Die höchsten Spitzen auf 
Naalsö, Hestö und Kolter sind beziehungsweise 370 m, 
420 m und 478 m hoch. Die Triangulation von vier Inseln 
ergab Stromö 373, Naaslö 10, Hestö 6 und Kolter 2,5 qkm. 
— Britische Besitzergreifungen in der Südsee 
im Jahre 189 7. Während bei jedem schwachen Versuche 
Deutschlands, seinen Kolonialbesitz zu vergröfsern und z. B. 
Samoa, wo doch die deutschen Interessen und Besitzungen 
vorwiegend sind, unter deutsche Alleinherrschaft zu bringen, 
sich in England ein Strom des Unwillens und des Wider 
standes erhebt, vergeht doch kaum ein Jahr, ohne dafs die 
australische Presse neue britische Erwerbungen in der Siidsee 
verzeichnet. Sind diese auch nur klein und halten sie sich 
innerhalb der britischen Interessensphäre, so sind sie doch 
bezeichnend für Englands Ländergier und Bestreben, jedes 
bisher herrenlose Fleckchen der Erde dem grofsen englischen 
Kolonialbesitze einzuverleiben. So kehrte auch im Anfänge 
Juli d. J. das britische Kriegsschiff „Wallaroo“ nach einer 
erfolgreichen Beise nach Townsville in Queensland zurück. 
— Am 17. Juni war das Schiff hinüber nach Bellona 
Island im Süden der Salomonsinseln gefahren und hifste 
den Union Jak. Bellona Island ist völlig verschieden von 
den Inseln der Salomongruppe. Die Bewohner gleichen mehr 
denen Samoas, waren nicht freundlich, obschon sie keine 
thätliche Beweise ihrer Feindschaft gaben. 
Am folgenden Tage wurde das 17 Meilen entfernte Ben- 
nell Island besncht und in Besitz genommen. Dann ging 
es weiter nach den Stewart Inseln, die vier an der Zahl 
innerhalb eines 16 Meilen umfassenden Korallenriffes liegen. 
Auch hier landete Kapitän Pollard und liefs die Besitz 
ergreifung vollziehen am 21. Juni. Der König oder höchste 
Häuptling hatte von der Königin gehört und sagte, dafs sie 
gut sei und dafs er und sein Volk froh seien, dafs sie ihre 
„dicke Königin“ wäre. Der dunkelfarbige Monarch, der Say- 
maru hiefs, wurde im Kapitänsboot an Bord der Wallaroo 
gebracht, bewirtet und reich beschenkt. — 1 Die Fahrt ging 
dann nach Gaara in den Salomonsinseln, wo die Einge 
borenen feindlich allen Verkehr vermieden, dann nach 
einigen Tagen nach Gavutu, der Kohlenstation und dem 
Ankerplätze auf der Insel Florida. Di\ Vollmer. 
— In der Zeitschrift für österreichische Volkskunde 
(1897, S. 129) hat Prof. F. Pichler in Graz eine Arbeit 
über „Berge, Bühel und Pichler in den österreichischen 
Alpenländern“ veröffentlicht, welche vorwiegend sprachlicher 
Art, aber auch durch Zusammenstellung geographischer 
Bezeichnungen für die Gebirgsformen in den Alpen 
von Belang ist. Er führt etwa 40 bis 50 der bekanntesten 
an, erläutert dieselben und giebt zahlreiche Belege dazu. 
Alm, Albe gleich Alpe — Berg. Gebirge gilt oft für 
einzelne Berge, die nicht gerade immer ein Gröfseres dar 
stellen.— Boden, in der Verkleinerung Bödel, Verflachung, 
der Gegensatz von Bühel. — Eck — Feld, meist bei alpeu- 
mäfsiger Gipfelfläche. — Fels, nicht volkstümlich, da hierfür 
Stein gebraucht wird. — Ferner, gleich Gletscher, wie in 
Tirol. — Gletscher, nur buch- und schulgemäfser Ausdruck, 
dafür im Pinzgau, Ziller- und Möllthal etc. das Kees (sprich 
Köhs). — Grat, schmaler Bergrücken, beiderseits jäh ab 
fallend, höchste Bergesspitze. — Gupf, Gipfel, kegelförmige 
Erhöhung. — Höh — Horn, Mehrzahl Hörnder, Ver 
kleinerung Herndl, Hörnle, Bergformnamen, je näher der 
Schweiz, desto zahlreicher. — Hut — Joch, Gebirgssattel 
meist mit Weg, Mehrzahl Jöcher. -— Kar, kahler Fels, Fels 
trümmerwerk. — Kofel, felsige Bergspitze, höher und 
wilder als Kogelkopf ist Kuppe, verkleinert Köpfl. — 
Kulm, Gipfel —Kuppe, Koppe selten. — Lucken, ein 
Bergloch, Lucke—Mauer = Wand. — Nock, auch Ock, 
höchste Kuppe des Berges, verkleinert Nockl. — Ofen, ein 
Felsblock auf Berghöhe. — Pafs, Bergübergang, breiter als 
Thor. — Platte, Bodenfläche, waldlos auf Berghöhe. — 
Biegel, kleine Anhöhe. — Buck, Bücken, oberkärntnisch 
Bugga. — Buh, nicht volksecht — Sattel, Bergübergang. 
Scharte, scharfe Einsattelung, verkleinert Schart]. — 
Schneid, Gebirgsgrat, Kante. — Schrofen, selten. — 
Spitz, spitzer Berggipfel, waldlos, felsig. — Stein, dialek 
tisch Stan, Stoan, Stuon, verkleinert Standl. — Stock — 
Stuhl — Tauren, das Hochgebirg mit Pfad oder Strafse. 
— Thor, kleines Gebirgsjoch, Mehrzahl Törd’r, verkleinert 
Tearl, Thörl. — Thum für Turm. — Wald, waldiger 
Bergzug, Waldvorstufe des Felsgebirges. — Wand = Fels, 
Stein. — Zinnen nicht volkstümlich. 
— Die Drumlinlandschaft in Norddeutschland. 
Die Drumlinlandschaft wird durch langgestreckte, flache 
Hügel charakterisiert, die immer gesellig auftreten. Der 
Name ist irisch-keltischen Ursprungs und wurde zuerst von 
den nordamerikanischen und englischen Geologen ange 
wandt, um eine in jenen Gebieten weit verbreitete Ober 
flächenform zu bezeichnen. Die Eigentümlichkeiten der 
Drumlins liegen in ihrer geographischen Verbreitung, ihrer 
Zusammensetzung, ihrer Gestalt und ihrer Orientierung. Sie 
sind auf die Gebiete diluvialer Vergletscherung beschränkt, 
anscheinend sogar auf die Gebiete der letzten Vereisung. 
Ihre Form ist mehr oder weniger elliptisch; die Länge ver 
hält sich zur Breite wie (1—10) : 1; die Länge der Haupt 
achse schwankt zwischen ein paar hundert Metern und 
mehreren Kilometern; die Höhe beträgt gewöhnlich 10 bis 
20 m und überschreitet selten 30 m. Zur Hauptsache be 
stehen sie aus ungeschichtetem Grundmoränenmaterial, aus 
Geschiebemergel; ob ein Kern aus älteren Schichten die 
Begel oder die Ausnahme bildet, kann noch nicht entschieden 
werden. Die auffälligste Erscheinung ist die Orientierung 
der Hügel in der Bichtung ihrer Längsachse, in ganz auf 
fallender Weise verlaufen sie über weite Gebiete parallel, 
und zwar deckt sich ihre Längsachse mit der Bichtung der 
Schrammen und der Bundhöcker und damit mi t, der 
Bewegungsrichtung des Inlandeises in dem betreffenden 
Gebiete. 
Während die Drumlinlandschaft in Nordamerika und in 
Grofsbritannien seit langen Jahrzehnten bekannt ist, fällt 
ihre Entdeckung im kontinentalen Europa in die erste 
Hälfte unseres Jahrzehntes: 1893 nördlich vom Bodensee, 
1893 und 1894 im nördlichen Hinterpommern und in Posen, 
1895 in Schweden und in der nördlichen Schweiz, 1896 in Liv 
land. Die hinterpommersche Drumlinlandschaft erstreckt 
sich von Greifenberg im Norden bis in die Nähe von Kyritz 
im Süden, von Gollnow im Westen bis Begenwalde, Labes 
und Freienwalde im Osten und umfafst ein Areal von 
2500 qkm. Im Süden und Südosten wird sie von der un- 
regelmäfsigen Moränenlandschaft, im Westen von den weiten 
Thalsandebenen der Haffumränderung und im Norden von 
ebenen Grundmoränen gebieten begrenzt. In diesem Gebiete 
liegen mindestens 2200 Drumlins, die zum grofsen Teile in 
nordsüdlicher Bichtung verlaufen. Die Drumlins bewegen 
sich auf die neumärkisch - pommersche Endmoräne zu, 
bleiben aber von ihr getrennt durch den breiten Streifen der 
Moränenlandschaft. Östlich von Stargard entwickeln sich 
aus der Drumlinlandschaft heraus zwei Asar von 20 resp. 
15 km Länge, die in ihrem Verlauf mit den Drumlins über 
einstimmen und auf die Endmoräne bei Nörenberg zu ver 
laufen. Alle diese Umstände machen es gewifs, dafs die 
Drumlins auch in diesem Gebiete in der Bichtung der Eis 
bewegung liegen und dafs ihre Längsachsen ein vortreffliches 
Mittel zur Konstruktion von Darstellungen dieser Bewegung 
bilden, viel besser und zuverlässiger, als die spärlichen 
Stellen vom Eise geschliffener und gekritzter Gesteinsober 
flächen , bei denen es von vornherein unwahrscheinlich ist, 
dafs die mittlere Bichtung des Eises in derjenigen der 
Schrammen zum Ausdruck gelangt. (K. Keilhack in Zeitschr. 
d. d. geolog. Gesellsch. 1897.) 
Verantwortl. Redakteur: Dr. R. And ree, Braunschweig, Fallersleberthor-Promenade 13.— Druck: Friedr. Vieweg u. Sohn, Braunschweig.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.