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Volltext: Globus, 21.1872

Ein Mordprophet bei di 
was diese Schandmenschen damit bezweckten . Jedenfalls ist es ein gottloses Werk , das ein frommer Mann nicht zu er - forschen wagen darf . " 
Halevy aber ließ sich dadurch nicht abschrecken , die Bau - ten zu untersuchen , und siehe da , die Antwort auf seine Frage gab ihm der Fund eines gebleichten Skelettes eines alten Sabäers . Jede der Hütten enthielt eins oder mehrere sol - cher Skelette . Es war die Nekropolis einer alten sabäischen Stadt , die der Reisende entdeckt hatte . 
In Megzar war auch schon die Geschichte vom falschen Messias , für den man Halsvy gehalten hatte , verbreitet . Man behandelte ihn jedoch nicht schlecht , als man seine Eigen - schüft als „ Kudfi " erfuhr , denn vor Jerusalem haben alle Moslems Ehrfurcht . Nur quälte man ihn jetzt mit Fragen nach dem Hayerat el Wagaa , dem Stein , der nach der ara - bischen Legende über der Omarmoschee zu Jerusalem frei in der Luft schwebt , sich jedes Jahr etwas senkt , bis er die Spitzen der Minarete berühren wird . Dann wird der jüngste Tag und die Auferstehung da sein . Man fragte den Rei - senden , ob er den Stein gesehen habe ? Er fand eine gute Antwort : „ Nur fromme und gelehrte Ulemas vermöchten den Stein zu schauen . " Dies befriedigte Alle und nun brach die ganze Gesellschaft in die Hersagung des Glaubens - bekenntnisses aus . 
In El Ghail , Hauptort des untern Gof , fand Halsvy viele Juden . Hier werden sie in der drückendsten Dienstbar - keit gehalten , sind sehr arm , trotzdem aber gastfreundlich im höchsten Grade . Sie nahmen den Reisenden wie einen Bru - der auf und wollten ihn durchaus bereden , Ostern mit ihnen zu halten . Er aber hatte von einer großen Ruinenstadt „ Medinet Haram " , zwischen El Ghail und Hazm , ge - hört , wohin zu gehen es ihn trieb . Dort entdeckte er mehrere große Tempel , meist zerstört . Aber seltsamerweise waren eine Menge Jnschriftsäulen und Denksteine , wie sie die Sa - bäer im Innern der Tempel zu errichten pflegten , ganz nn - versehrt geblieben und gewährten reiche Ausbeute an Epi - graphen . 
In El Hazm , Hauptstadt des Mittlern Gof oder Beled Hamdan , fand er bei einem jüdischen Juwelier die freund - lichste Aufnahme . Dieser sehr intelligente Mann verschaffte ihm die Mittel , alle die wichtigen Ruinenstädte , woran gerade diese Gegend ( der Kernpunkt des alten Minäerlandes ) so reich ist , besuchen und erforschen zu können . Unter diesen Entdeckungen waren vor Allem die drei Hauptstädte der Minäer , die erste Me in , in deren Inschriften Halsvy die Namen der zwei anderen las und nun nicht ruhte , bis er auch sie entdeckt hatte . Die dritte Hauptstadt , die nach den Inschriften Jtul oder Yatul hieß , gelang es ihm jedoch erst bei seinem zweiten Aufenthalte im November desselben Jahres zu finden . Die meisten minäifchen Städte lagen zwischen dem Flusse Charid und dem Gebel Land , der den Mittlern Gof im Norden begrenzt und von Ost nach West 
argentinischen Gauchos . 265 
läuft . Die vom Flusse entfernten Orte waren durch ein treffliches System gemauerter Cauäle mit diesem in Ver - biudung gesetzt , welche zur Bewässerung dieses schon von Natur sehr fruchtbaren Landes dienten ; denn noch jetzt , wenn ein Jahr reichlichen Regen gebracht hat , ist es nicht selten , daß die Bewohner des Mittlern Gof drei Mal im Jahre ernten . 
Um vom Mittlern Gof nach Negran ( etwa unter dem 18 . Breitengrade und unter 44° 40' östl . L . v . Gr . ) zu ge - langen , giebt es zwei Wege . Der leichteste , der westliche , führt durch den oberu Gof , der andere , nach Osten abschwel - sende , über den Gebel Land . Halsvy sparte sich den erstern für die Rückreise auf uud nahm jetzt die östliche Route . Er that dies hauptsächlich , um so die beiden Straßen verfolgen zu können , aus denen das römische Heer unter Aelius Gallus vonNegara ( Negran ) nach Masib hin - und zurückmarschirte . Denn es ist bekannt , daß die Römer auf dem Hinwege irre geführt wurden und durch Umwege in uuwirthbaren Wüsten - gegenden einen großen Zeitverlust erlitten . Den nähern Weg fanden sie erst auf dem Rückmärsche . 
Auf der weitern östlichen Route , welche der Reisende also zuerst wählte , galt es , gleich nach der ersten Tagereise , den stei - len Gebel Land zu übersteigen . Doch ging das leicht , bis auf das Ueberklimmen der höchsten Spitze , des granitischen Gebel Gedin . Am zweiten Tage hatten sie ein Alerte . Die Du Hosaiu , jener erobernde und räuberische Schwesterstamm der Du Mohammed , die im Nordosten des Gof wohnen , kehrten von einer Razzia zurück , und die Reisenden mußten , um ihnen nicht in die Hände zu fallen , vom Wege abweichen und in felsigen Einöden Zuflucht suchen . Dieser Razzia war übrigens auch die Stadt Hazm , als Halsvy gerade sich in ihr aufhielt , zum Opfer gefallen , und ihm fowie feinem Gast - freunde hatte man Geld nnd Geldeswerth genommen . Am dritten Abend gelangten sie in eine schöne Hochebene , wo sie die fruchtbare Oase El Chab aufnahm . Den Gebel Land hatten sie nun hinter sich und befanden sich im flachen Hoch - lande ( im Gegensatz zu Gof , Hohlland ) , vier Tagereisen südlich von Negran . 
Die Oase Chab ist außerordentlich wohl angebaut und sehr fruchtbar , obgleich sie gänzlich des fließenden Wassers entbehrt . Aber die fleißigen Bewohner machen guten Ge - brauch von den zahlreichen Brunnen zur Bewässerung des Landes . Hier sind eine Menge Dörfer , in deren jedem auch Juden wohnen . Diese sind die einzigen Handwerker . Sie werden hier viel besser behandelt als im Gof , und erfreuen sich fast Alle eines gewissen Wohlstandes . In Chab wurde auch Halsvy nicht belästigt , noch , wie im Gof , mit Schimpf uud Mißhandlung bedroht . Man kannte hier die Fabel vom „ falschen Messias " gar nicht . Er konnte deshalb un - gehindert alle Dörfer besuchen . Ruinen waren nur sehr wenige , und keine Inschriften zu entdecken , fo daß Halvvy glaubt , daß die Oase Chab erst seit neuerer Zeit bevölkert worden ist . 
Ein Mordprophet bei den argentinischen Gauchos . 
A . In den argentinischen Landen liegen Gesittung und Barbarei in unablässiger Fehde ; die letztere führt einen zähen und wilden Kampf um ihr Dasein , aber sie wird am Ende doch unterliegen . 
Werfen wir einen Blick aus die eigentümliche Boden - gestaltung dieser Region am La Plata , deren Flächenraum Globus XXI . Nr . 17 . ( April 1872 . ) 
viermal so groß ist als jener von Deutschland . Sie reicht von Bolivia im Norden bis zum Rio Negro im Süden , und von den Andes im Westen bis zum Gestade des Atlan - tischen Oceans . Ausgedehnte Landstrecken sind ohne jede ansässige Bevölkerung , vielfach dringt die wasserlose Wüste ein und bildet eine Scheidelinie zwischen den verschiedenen 
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