Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

Patin : Alte Heilgebete und Zaubersprüche . 
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Alte Heilgebete und Zaubersprüche . 
Von Alois Patin . 
Zu der neuerdings begonnenen Sammlung alter Heilgebete , Bann - und Zaubersprüche kann ich einige Beiträge liefern , da ich als der Sohn eines Landrichters in Franken , dann auch durch meine Beziehungen zu sorgern in den Besitz gar sonderbarer Schriftstücke gekommen bin . So habe ich in drei Niederschriften , die aus verschiedenen Regierungsbezirken stammen , aber fast bis auf die Orthographie übereinstimmen , den stillzauber " : „ Ich N N gehe in Gottes Garten ; da [ drin ] stehen drei Hosen , die eine blüht weiss , die andere rot , die dritte — guter Wille Brand , Blut und Schmerz stille ! Dazu helf die heilige Dreifaltigkeit Gott Vater , Sohn und Heiligergeist1 ) " . Das Gebet hat nichts Besonderes an sich und ist überdies weitbekannt2 ) ; interessieren kann vielleicht , dass es meinem Yater anonym zuging , als in seiner Familie Fälle profuser Blutung vorkamen , auf feinem Londonbriefpapier um 1870 von fast bildeter Hand geschrieben . Der Bogen war zierlich gefaltet und mit Lack geschlossen , doch so , dass sich die Initialen nicht abgedrückt hatten . Der uneigennützige Subalterne muss fest an sein Zaubersprüchlein glaubt haben ! 
Wichtig dagegen dürfte ein Gichtgebet sein , das mit bereits zierten nur entfernte Ähnlichkeit hat . Auch dieses besitze ich in drei sehr verschiedenen Formen , die jedoch zum Teil auf eine Urvorlage zurückgehen . Am altertümlichsten scheint die Abschrift aus heim3 ) mit dem Datum vom 14 . Dezember 1883 und einer Namensunter - schrift . Auf der Aussenseite des Bogens steht : 'Das ist der Gichtzedel , den hab ich abgeschrieben von' . . . 4 ) ; dann folgt Datum , Unterschrift und Ort , und dasselbe nochmal mit viel Müh' und wenig Geschick von rechts «ach links geschrieben nach Judenart6 ) . Der Text lautet , von mir inter - pungiert und nach Möglichkeit lesbar gemacht , also6 ) : 
1 ) Das Oberpfälzer Exemplar ersetzt diese Formel durch das gewöhnliche zeichen , das fränkische verlangt , dass das Gebet dreimal nacheinander gesprochen werde mit drei Vaterunser bei jedem Gott Yater etc . 
2 ) Ähnliche Formeln längst gedruckt bei " YVuttke - Meyer , Deutscher Volksaberglaube der Gegenwart3 § 230 . 
3 ) Dorf im Bezirksamt Donauwörth . 
4 ) Die Schriftzeichen sind trotz ihrer Ähnlichkeit mit christlichen Symbolen zweifels - " hne die diskrete Abkürzung eines ( mir wohlbekannten ) bürgerlichen Namens . 
5 ) Auch dies dürfte kein Hokuspokus , sondern die Spielerei eines Schuljungen sein . 'er ¿as Blatt im Unterricht seinem Religionslehrer abgeliefert zu haben scheint . 
6 ) In den Anmerkungen gebe ich unter T die Handschrift genau wieder .
        

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