Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

Berichte und Bücheranzeigen . 4 . 33 
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Abbildungen reden , die in reicher Zahl und vorzüglicher Ausführung eingefügt sind ; die liebevolle Art , mit der er auch auf ihre Einzelheiten eingeht , scheidet das Buch sehr vorteilhaft von den zahlreichen 'illustrierten' graphien , in denen die Abbildungen als tote Einschiebsel den Text unterbrechen , und schärft den Blick für eigene Beobachtungen . Leider fehlen in der Behandlung des Brunnens in der darstellenden Kunst die Bilder , die auch durch die gehendste Beschreibung nicht ersetzt werden können . Die Schreibweise des Yf . ist bisweilen nicht frei von Manier , atmet aber doch eine echte Liebe für tümliche Kunst und Sitte . In einer Neuauflage könnte unter die Lieder , in denen der Brunnen eine Rolle spielt , wohl der hübsche 'Pumpbrunnen' von Rückert eingereiht werden . Sehr gedrängt ist die Behandlung des letzten Kapitels ; hoffentlich führt der Yf . die in der Vorrede geäusserte Absicht , dem eigentlichen Kunstbrunnen ein besonderes Buch zu widmen , bald aus . 
Berlin - Pankow . Fritz Boehm . 
Julius von Negelein , Der Traumschlüssel des Jagaddeva . Ein Beitrag1 zur indischen Mantik ( = Religionsgeschichtliche Versuche und arbeiten , hsg . von Richard Wünsch und Ludwig Deubner , Band 11 , Heft 4 ) . Giessen , A . Töpelmann ( vormals J . Ricker ) 1912 . XXIV , 428 S . 8° . 17 Mk . 
Das vorliegende Werk ist aus einem Teil der Materialien erwachsen , welche sein Vf . zur Förderung des Verständnisses der Atharva - Parisista gesammelt hatte . Statt des ursprünglich geplanten Kommentars zu dem 68 . , den Traumaberglauben behandelnden Parisina entschloss er sich , den umfang - und inhaltsreichsten der ihm bekannt gewordenen Paralleltexte mit einer Übersetzung zu veröffentlichenT „ um ihn zur Grundlage einer Gesamtdarstellung des Traumaberglaubens zu machen . " Dieser Text ist Jagaddëvas 'Svapnacintämani' ( 'Wunschedelstein der Träume' ) . Wunschedelsteine sind dem indischen Märchen und der indischen Dichtung überhaupt ebenso vertraut , wie die Wunschbäume , Wunschlianen , kühe , Wunschtöpfe und andere Wunderdinge , welche alle Wünsche ihrer sitzer oder Verehrer erfüllen . Sie sind göttlicher Natur , bilden einen Bestandteil des religiösen Glaubens der Inder und lassen sich zum Teil wenigstens mit Sicherheit auf ein Naturphänomen zurückführen , wie ich im Hinblick auf Antti Aarnes 'Zaubergaben' hier betonen will und an anderer Stelle auszuführen hoffe . Jagaddeva verspricht also , in seinem Werke jeden ( nicht pathologischen ) Traum zu deuten . 
Über Jagaddëvas Person und über die Zeit , in der er gelebt hat , sind wir nicht unterrichtet . Wir wissen nur , dass er „ der Sohn eines Durlabharäja war , der Wahrsager - Traktate ( Sämudratilaka ) geschrieben hat und chronologisch deutend später als Mediziner wie Vâgbhata ( s . Vers 2 . 116 ) anzusetzen ist . " Von diesem scheint freilich auch nur festzustehen , dass er ( 400 bis 500 Jahre ? ) vor dem 11 . Jahrhundert gelebt hat . 
Das Werk ist eine Kompilation in trocknen Äryä - Strophen und zerfällt in zwei Kapitel ( 'adhikära' ) - Das erste enthält ausser Einleitendem die Deutung der glückverheissenden Träume und umfasst 150 Strophen , während das zweite in 161 Strophen die unglückkündenden Träume aufzählt und einige Schlussbemerkungen gibt . 2 , 160 nennt als Quellen nur die Mediziner Bhadrabähu , Suáruta , Väcas - pati ( = Vâgbhata ) und Caraka . 
Zeitschr . d . Vereins f . Volkskunde . 1912 . Heft 4 . 28
        

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