Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

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Naegele : 
Externsteinen im Teutoburger Walde1 ) , so der Menhir von St . Duzei , Departement Côtes du Nord2 ) . 
Den Steinkreuzen ähnlich sieht eine der vom äthiopischen König Lalibala in Felsen ausgehauenen Kirchen aus , das Felsenkreuz zu Hauazien in Äthiopien , ein 6 m hoher Granitblock in Kreuzform , mit je einer grossen Höhlung in den vier Kreuzarmen3 ) . 
Es sei ferner hingewiesen auf die in der Bibel erwähnten mäler , die ähnlichen Zwecken der Erinnerung gedient haben mögen . Zum Abschluss der sinaitischen Gesetzgebung bringt das 3 . Buch Mosis ( 26 , 1 ) ein Yerbot der Sitte geformte Steine im Lande zu setzen , um sie zubeten , ebensowenig wie die vorher genannten geschnitzten Bilder und Bildsäulen . Mit solchen Gegenständen der Anbetung können aber nicht die Götzenbilder , sondern nur Gedenksteine gemeint sein , wie sie sich allerwärts im Orient fanden und auch in Kanaan vielfach errichtet wurden . So stellten hernach die Israeliten selber an der Lagerstätte am Jordan zwölf Steine auf ( Jos . 4 , 8 ) , später bei Galgal ( Jos . 4 , 20ff . ) . 'Josua sprach : Wenn eure Söhne später ihre Yäter fragen und zu ihnen sagen : Was sollen euch diese Steine da ? so belehret sie : sie sollen die Erinnerung an den wunderbaren Jordandurchzug fortpflanzen' . Noch bedeutsamer ist die Stelle Jos . 24 , 26 , wonach Josua nach Abschluss des Bundes zwischen Jehova und Israel einen sehr hohen Stein unter der Eiche beim Heiligtum des Herrn aufstellte . Solche Steindenkmäler , meist im Kreise aufgestellt , finden sich auch in Persien und anderen Ländern Zentralasiens4 ) . Nach den neuesten Ausgrabungen in Assur sind solche Steinsäulen sehr zahlreich ; ohne Querarm oder Kreuzesform , öfter mit vertieften kleinen nischen , z . B . neben der berühmten Semirainisstele , die 1898 von F . C . Lehmann - Haupt gefunden wurde5 ) . 
8 . Die Steinkreuze in Dichtung , Sage und Geschichte . 
Wie die Sage6 ) schon in alten Zeiten sich an den Steinkreuzen emporrankte , so hat , wenn auch in weit geringerem Masse , die Dichtung unserer Tage jene rätselhaften Denkmäler in ihren Bannkreis zu ziehen begonnen . Gustav Fr e y tag hat in seinen 'Ahnen' ( Markus König S . 352 ) 
1 ) C . Dewitz , Die Extern steine im Teutoburger Walde , Breslau 1886 . 
2 ) Abgebildet bei Herder , Konv . - Lex . 5 , 1590 . 
3 ) Abb . Spamers Konvers . - Lex . 1 , Sp . 1282 . 
4 ) Abbildung z . B . in Loch u . Reischls Bibelausgabe 1 , 334 . 
5 ) Armenien einst und jetzt ( 1910 ) ; Abbildung in Illustr . Zeitung 21 . April 1910 Nr . 3486 S . 742 ; elamitischer Grenzstein mit Kreuz s . Jeremias , Das Alte Test . ( 1904 ) S . 356 . 
6 ) Steinkreuzsagen sind verhältnismässig noch wenig systematisch aufgezeichnet , z . B . in Schöppners Bayr . Sagenbuch 1 Nr . 264 . 340 , 2 Nr . 837 ; Kaufmann , Quellenangaben zu Simrocks Rheinsagen und Kaufmanns Mainsagen ( 1862 ) S . 242 ; Spessartkreuzsagen in Bechsteins Deutschem Sagenbuch S . 650 . [ Sagen , die sich an das Berliner Steinkreuz knüpfen , bei O . Monke , Berliner Sagen ( 1911 ) Nr . 15 . 18 . ] Mehrere Sagen bei Urban , Kreuz
        

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