Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

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Naegele : 
Heu den Bäcker Büchelin von Memmingen zu Tod geschlagen im Freudental bei dem Bächlein , so von der Schiesshütten hereinläuft , . . . man machet ihm einen Creutzstein'1 ) . Bin Kreuzstein in Unterebersbach bei Neustadt a . S . , der von seinem ursprünglichen Standort an der Strasse bei der Saalebrücke an ein Haus und dann an die Friedhofsmauer versetzt wurde , trägt die sehr verwitterte Inschrift . . . peter . . . arbgast ( ? ) . . ertru [ nk ] d [ em ] got ge [ nad ] 2 ) . Weniger zuverlässig dürften die von Bir - linger ( Aus Schwaben 1 , 287f . ) gemachten Aufzeichnungen über bische Steinkreuze sein , bei Weiler ( Druckfehler statt Neuler ? ) im wangischen ( Knabe vor 200 Jahren von einem Wolf zerrissen ) ; Schönau a . d . Jagst3 ) ( ähnlicher Fall ) ; Happach ( drei Kreuze , drei Tage bares Gewitter , Klosterfrau vom Blitz erschlagen ) ; Zavelstein bei Kalw 1447 und Reichling ( Schongau ) 1642 ( Ersticken im Schnee ) ; bach ( Schwabach ) beim WeilerWolfsau ( Mensch vomWolf zerrissen — logische Sage , ähnlich der inschriftlich bezeugten in Hess . Oldendorf ? 4 ) ) ; Remlingen bei Marktheidenfeld ( Fuhrmann Perlitzschka vom Wagen erdrückt 1826 ) ; Dettenschwang bei Landsberg ( Absturz beim Kirschenstehlen ) ; Pessen - hausen bei Landsberg ( Blitzstrahl 1704 ) 5 ) . Mit weiterer Aufzählung solcher Volksüberlieferungen werden wir uns nicht länger aufzuhalten brauchen , da sie ja doch meist ganz unverbürgt sind und nach dem Wort Franks , eines der kundigsten bayerischen Heimatforscher , das Yolk sich selbst die schauderhaftesten Märlein gern suggeriert6 ) . Nur in den wenigsten Fällen und erst in späterer Zeit haben Steinkreuze das Amt der Bildstöcklein und Marterln übernommen , die ja ihren Hauptzweck durch Form und Inschrift weit unzweideutiger verraten als unsere meist stummen mäler verschollener Untat . 
Ehe wir uns endlich auf den sichersten Boden urkundlicher Forschung begeben , seien zum Schluss unserer Umschau drei alte schwäbische Historiker genannt , die wenigstens das eine Verdienst haben , sich danken über die Bedeutung unserer vieldeutigen Denkmäler gemacht zu haben . Der letzte Geschichtsschreiber der Benediktinerabtei Wiblingen , Michael Braig , später Pfarrer von Illerrieden , schreibt im Anschluss an die Geschichte der Abtei des 14 . Jahrhunderts : 'Wie früher gegen das Ende des 6 . Jahrhunderts , so fällt auch in die Mitte dieses 14 . hunderts die Errichtung der hier und anderswo in Schwaben gesetzten , gegen 5 Schuh hohen Feldkreuze , deren Bedeutung verschieden ist . Die früher errichteten sind Zeichen der an diesem Orte abgehaltenen Missionen und des bereits eingeführten christlichen Glaubens . Die in gegenwärtigen 
1 ) Allgäuer Geschichtsfreund 8 , 46 . — 2 ) Abb . Deutsche Gaue 9 , 168 . — 3 ) Vgl . 
auch Münchener Sonntagsblatt vom 22 . Jan . 1869 . — 4 ) Niedersachsen 13 , 237 ; ähnliche 
Steine sah ich in Wetten und Kevelaer ( Eheinland ) . — 5 ) Deutsche Gaue 9 , 184 : Inschrift 
auf Kreuzstein bei Sand ( Köln ) v . J . 1828 ( Stickfluss ) . — 6 ) Bibliothek f . Volks - u . 
kunde ( Kaufbeuren ) S . 7 .
        

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