Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

Naegele : Fragen und Ergebnisse der Kreuzsteinforschung . 
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Fragen und Ergebnisse der Kreuzsteinforschung . 
Yon Anton Naegele . 
( Vgl . S . 253 - 277 . ) 
5 . Bedeutung der Steinfereuze . 
Wie auf vielen Gebieten der Altertumsforschung und Volkskunde zustellen ist , liebt die volkstümliche Deutung unverstandener Denkmäler der Vergangenheit die Anknüpfung an die Römerzeit , vor allem im Gebiet des germanisch - rhätischen Limes . Die Volksüberlieferung hat z . B . vielfach die Erinnerung an Römerstrassen und Römerkastelle1 ) in namen festgehalten , die erst durch Ausgrabungen in der Gegenwart ihre Bestätigung gefunden hat . Sie hält auch unsere Steinkreuze in vielen Fällen für Wegweiser aus der Römerzeit oder auch für Opfersteine oder Hermen . Ja , selbst ein um die vorgeschichtliche und historische Forschung in Schwaben einst hochverdienter Staatsbeamter , Regierungsdirektor Raiser , hat die Steinkreuze ebenfalls für römische Wegweiserhermen gehalten , doch liess er sie ein andermal auch als geschichtliche zeichen gelten . Noch im Jahre 1900 hat Brumann in seinen 'Archäologischen Streifzügen um Wörishofen' diese veraltete Auffassung verfochten . Indes haben Hermen und Meilensteine , zahlreich erhalten , ganz andere Formen und Inschriften , so dass eine Verwandtschaft oder Verwechslung unmöglich erscheint . Wenn übrigens Buck in seinem 'Oberdeutschen Flurnamen - buch' ( S . 146 ) mit der etymologischen Deutung recht hat , hängt der Name Römerkreuz nicht mit Rom zusammen , sondern mit den in deutschland ebenso häufigen Bezeichnungen Räven - , Renn - , Kremerkreuz und wären all diese Namen von rnhd . rewen = töten ( ahd . hreo , mhd . re = Leichnam , Grab ) herzuleiten . Als WTegweiser nichtrömischer Herkunft haben andere sie in Anspruch genommen , was ebenso unwahrscheinlich ist . Im Nebenamt haben wohl auch Kreuzsteine wie ähnliche Monumente bisweilen zur Wegweisung gedient : eine der ältesten Bildstockdarstellungen in Seb . Brants Narrenschiff zeigt einen Bildstock mit Nische und Kruzifix , daran eine wegweisende Hand angebracht ( Basel 1494 Kap . 21 ) 2 ) . 
Verwandt mit der Deutung als römische Wegweiser ist die fassung als Marksteine oder Markkreuze . In der Tat befinden sich manche Steinkreuze heute an Flurgrenzen oder in der Nähe einstiger oder 
1 ) So bei dem Steinkreuz in Möhnstetten ( Bayern ) , in dessen Nähe eine Römerstrasse nach dem nur 1 / 2 Stunde entfernten Kastell Aisslingen führte : vgl . auch Buchners Reisen auf der Teufelsmauer ( 1821 ) . 
2 ) [ Dieselbe Darstellung in einer der Zeichnungen Holbeins zu Erasmus 'Lob der Torheit' ( 1515 ) , Abb . bei Emerton , Desiderius Erasmus ( 1899 ) S . 167 . ]
        

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