Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

Die Halligwohnstätte . 
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irdene Töpfe1 ) oder schwere bronzene Grapen ( 'Kroge' ) . Hinter dem Grapen auf unserem Bilde ist die Kette des Kesselhakens ( 'snok' ) 2 ) sichtbar . Dieser ist an dem eisernen , früher hölzernen Querbaum ( 'sker - stök' ) wagerecht verschiebbar und in der bekannten Art senkrecht verstellbar . Gebraucht wird er , wenn beim Waschen , Brauen usw . in grossen Kesseln Wasser erhitzt werden soll . Das Feuer wird dann auf der Herdplatte angezündet . Die quadratischen Briketts in der Mitte sind 'deë' aus Kuhmist3 ) . Die Harke ( 'ial - hâk' ) dient zum Entfernen der Glut aus dem Backofen . Links im Hintergrund , hinter der aufrechtstehenden platte , die Öffnung zum Stubenofen . Der Halbkreis an der Vorderfläche ist der Backofen ( 'Back - öwen' ) . Er kann mit dem rechts hinten baren Holzdeckel geschlossen werden . Vor dem Backofen eine Vertiefung im Boden ( 'Grasterloch' ) , in welcher die backende Frau sitzt ; diese tiefung ist sonst stets mit Holzdeckel geschlossen . Beim Backen wird zum Rauchabzug ein grosser , plumper , hölzerner schornsteinartiger Aufsatz über den Backofen gestülpt . Meist brennt auch jetzt noch das Herdfeuer Tag und Nacht , indem abends die glimmenden Dee mit Asche bedeckt werden und so die Glut bis zum Morgen halten . Vielfach werden auch jetzt noch die Schwefelhölzer selbst bereitet : lange , dünne Hölzchen werden in geschmolzenen Schwefel getaucht , und zwar mit beiden Enden . Neben der Küche die Speisekammer ( 'Spïskemer' ) , 1 , 80 : 2 , 50 m ; in einer Ecke selben die Treppe zum Keller . Dieser liegt genau unter der Keller - kammer , hat dieselben Abmessungen und ein kleines Fenster nach Westen . 
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In ihm werden aufbewahrt Milch , Brot , Butter , Kartoffeln und Sand . 
Rechts von der Diele führt die Madel - dèr in den Stall ( 'Bösem' ) 4 ) , 4 , 60 : 4 , 30 m ; in dessen Mitte läuft längs eine gemauerte Rinne ( 'Gröpe' ) zum Auffangen der flüssigen Ausscheidungen . Hinter der Rinne ist ein 0 , 50 m hohes Brett aufgestellt , um ein Beschmutzen des Stallganges zu verhindern . Die Tiere stehen mit dem Kopf nach der Aussenmauer . Der Stallgang ist mit Kopfsteinen gepflastert , die Stände ( 'Stai' ) der Tiere gedielt ; die Zwischenwände zwischen den Boxen heissen Madeiskot ; nach Norden und Osten hat der Stall zwei sehr kleine runde Fenster . Oben an der Stallwand , nach der Küche zu , der Hühnerstall . Vom Stall nach Süden der Schafstall ( 'Skepehök' ) und Schweinestall , mit dielen belegt , welche hohl auf Balken liegen , um die flüssigen scheidungen abzuführen . 
Die äussere Stalltür ( 'Bösem - der' ) führt in den gepflasterten Hof . Dort 
1 ) Grae rin ; Föhr : grae pot ; am Festland Taterpötte genannt . Sie sind von licher Manufaktur , aus Dänemark , und haben ein verführerisch prähistorisches Aussehen . 
2 ) Föhr : snuk ( von angels . Snaka Schlange ? ) ; Niebüll : kil - snuk ; sonst in Deutschland , auch Tirol , ' Ostfriesland hai , hol oder ähnlich , von ahd . hahala , vgl . Ed . Brenner , Zur Gesch . des Kesselhakens , Mainzer Zeitschrift 5 ( 1910 ) . [ Zum Kesselhaken vgl . jetzt E . Goldmann , Der Andelang . Breslau 1912 . ] 
3 ) Vgl . dazu Häberlin , Globus 89 . — 4 ) Got . bansta , s . Kauffmann a . a . O . 
Zeitschr . d . Vereins f . Volkskunde . 1912 . Heft 4 . 24
        

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